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Säcklein mit Wacholderwurzel, Traubenblüte oder Hopfenblumen gegen Weinbruch

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Vorbeugen, dass der Wein niemals bricht.

Hänge in einem leinenen Säcklein Wacholderwurzel, Weintraubenblüte oder Hopfenblumen hinein.

Diese Dinge bringen auch den Wein wieder zurück, der jetzt gebrochen ist.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
einen leinen Saͤcklein ein leinenes Säcklein 1 Stück - -
Wacholderwuͤrtz Wacholderwurzel - - -
Weintraubenbluͤt Weintraubenblüte - - -
Hopffenblumen Hopfenblumen - - -

Welches Gericht ist das? Kein Gericht, sondern ein Kellermittel aus Rumpolts Weinteil: Ein leinenes Säcklein mit Pflanzenteilen hängt im Wein, damit er nicht bricht. „Gebrochen“ ist der Wein nach Rumpolts eigener Beschreibung (rum-1929), wenn er zäh wie Sirup fließt und im Mund schleimig wird. Derselbe kurze Text verspricht, dass die Mittel einen schon gebrochenen Wein wiederherstellen.

Was kommt ins Säcklein? Wacholderwurzel, Weintraubenblüte (die Blüte des Weinstocks) oder Hopfenblumen (Hopfendolden). Das „oder“ vor dem letzten Glied liest sich am ehesten als Auswahl: eines der drei. Mengen nennt der Text nicht.

Wann und wie lange? Der Text sagt es nicht. Die Nachbarvorschriften hängen solche Mittel in den gärenden Most und nehmen sie nach der Gärung wieder heraus, damit der Wein nicht danach schmeckt.

Wirkt das? Rumpolt gibt ein Versprechen, keine Beobachtung. Ob das Säcklein den Weinfehler verhindert oder behebt, ist nicht überprüft.

Praxis. Ein sauberes Leinensäckchen mit dem gewählten Pflanzenteil füllen und in den Wein im Fass oder Ballon hängen. Wer den Nachbarvorschriften folgt, hängt es schon zu Beginn der Gärung ein und nimmt es nach der Gärung wieder heraus.

Was bedeutet „der Wein bricht“?

Gemeint ist ein Weinfehler. Rumpolt beschreibt ihn unmittelbar vor diesem Rezept: Ein gebrochener Wein fließt beim Einschenken langsam wie ein Sirup und fühlt sich im Mund schleimig an. In einer Nachbarvorschrift (rum-1955) soll das Mittel dem Wein auch „seine Farb“ zurückgeben.

Kommen alle drei Pflanzenteile zusammen ins Säcklein?

Wahrscheinlich nicht. Das „oder“ vor dem letzten Glied der Aufzählung spricht dafür, dass eines der drei genügt: Wacholderwurzel, Weintraubenblüte oder Hopfenblumen. Ganz ausschließen lässt der Wortlaut die gemeinsame Verwendung nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es ist eine Kellerbehandlung für Wein im Fass, keine Speise.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

Zu fuͤrkommen, daß der Wein nimmer brech. Henck in einen leinen Saͤcklein darein Wacholderwuͤrtz, Weintraubenbluͤt, oder Hopffenblumen. Diese ding widerbringen auch den, der jetzundt gebrochen ist.
Zu fuͤrkommen

Vorbeugen, einem Schaden zuvorkommen.

brech / gebrochen

Ein Wein „bricht“, wenn er einen Fehler bekommt. Rumpolt beschreibt das unmittelbar davor (rum-1929): Der Wein fließt beim Einschenken langsam wie ein Sirup und macht im Mund Schleimigkeit, dann „ist der Wein gebrochen“. Gemeint ist ein Weinfehler, kein zerbrochenes Fass.

Wacholderwuͤrtz

Wacholderwurzel. Rumpolt nennt dasselbe Mittel in rum-1955 ausgeschrieben: „Wacholderwurtzel“.

Weintraubenbluͤt

Die Blüte des Weinstocks (Rebblüte).

Hopffenblumen

Hopfenblüten, also die Hopfendolden.

widerbringen

Wiederbringen, zurückbringen: den gebrochenen Wein wieder in seinen guten Zustand bringen.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Anhang: Wie man Wein macht, pflegt und bessert
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartWacholderwuͤrtz

Gewählte Lesart: Wacholderwurzel. Rumpolt schreibt dasselbe Mittel gegen den Weinbruch in rum-1955 als „Wacholderwurtzel“ aus, dort ebenfalls mit dem Versprechen, einen schon gebrochenen Wein wiederherzustellen.

Andere mögliche Lesart:

  • Wacholderbeeren - Nicht gewählt: Wo Rumpolt die Beeren meint, schreibt er es ausdrücklich („Wacholderbeer“, rum-1918). Hier steht „wuͤrtz“.

LesartWacholderwuͤrtz/ Weintraubenbluͤt/ oder Hopffenblumen

Gewählte Lesart: Eines der drei Mittel nach Wahl: Die Aufzählung ist mit Schrägstrichen gereiht, das „oder“ steht vor dem letzten Glied. Rumpolt stellt solche Mittel auch sonst zur Auswahl („welches du darunter willst“, rum-1925).

Andere mögliche Lesart:

  • Alle drei zusammen in einem Säcklein - Der Wortlaut schließt das nicht aus. Die Nachbarstellen rum-1918, rum-1925 und rum-1955 nennen die Mittel aber stets einzeln mit „oder“.

LesartHenck … darein (wohin, wann, wie lange)

Gewählte Lesart: In den Wein im Fass, auf den die Überschrift zielt. Zeitpunkt und Dauer nennt der Text nicht. Die Nachbarstellen rum-1918, rum-1925 und rum-1955 hängen solche Mittel ein, wenn der Most gärt, und nehmen sie nach der Gärung wieder heraus, damit der Wein nicht danach schmeckt.

Andere mögliche Lesart:

  • In fertigen Wein hängen und darin lassen - So liest sich der Satz ohne die Parallelen. Der zweite Satz, der einen schon gebrochenen Wein heilen will, setzt fertigen Wein voraus.

LesartMenge der Pflanzenteile

Gewählte Lesart: Der Text nennt keine Menge; Rumpolt arbeitet hier nach Augenmaß.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Schüssel voll, wie in rum-1918 - Dort für Wacholderbeeren in einer anderen Vorschrift genannt; auf diese Stelle nicht übertragbar.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXXXVIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1930
LagerkücheLagerküche
Kein Kochrezept, sondern eine Fassbehandlung: Das Säcklein gehört in den Wein im Fass, nicht in den Kochtopf.
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Stand dieser Fassung: 20.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.