Met mit Rosenknospen, gebräuntem Honig und Lorbeerbeeren
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Wie man guten Met machen soll.
Nimm ein Maß Honig auf sechs Maß Wasser und siede es bei dem Feuer, als wäre es junges Rindfleisch. Während es siedet, wirf rote Knospen von roten Rosen hinein und schäume ihn ordentlich und immerfort ab. Das Feuer soll hell brennen, ohne Rauch. Ist er nun gesotten, so nimm ihn ab und lass ihn gut erkalten.
Unterdessen nimm zu einem Eimer Met, den du gesotten hast, ein Maß Honig, gib es in einen Kessel und lass es über einer Glut sieden. Rühre es immerfort, bis er rote Farbe gewinnt oder braune, je nachdem, welche Farbe du haben willst. Dann nimm von dem gesottenen Met und schütte ihn über den Honig, rühre es gut und schütte alles untereinander.
Danach nimm frische Lorbeerbeeren, die ihre Haut haben, stoße sie, hänge sie hinein und lass ihn gut lau abkühlen, ehe du ihn in das Fässlein füllst. Und willst du ihn mit gutem Gewürz oder mit Hopfen stärken, das kannst du auch tun.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein maß hoͤnig | ein Maß Honig | 1 | - | - |
| ſechs maß waſſers | sechs Maß Wasser | 6 | - | - |
| roth knoͤpff von rothen Roſen | rote Knospen von roten Rosen | - | Gewürzhandel (unbehandelte Rosenknospen) | - |
| zu einem aymer Meth den du geſotten haſt/ ein maß hoͤnig | zu einem Eimer Met ein Maß Honig | 1 | - | - |
| friſch Loꝛboͤꝛ die heut haben | frische Lorbeerbeeren, die ihre Haut haben | - | Gewürzhandel (getrocknete Lorbeerbeeren) | Getrocknete Lorbeerbeeren (heutiger Ersatz) |
| gutem gewuͤrtz | gutes Gewürz | - | - | - |
| hopffen | oder mit Hopfen | - | - | - |
Was ist das? Ein gesottener Met aus einem Maß Honig auf sechs Maß Wasser, mit roten Rosenknospen im Sud, gefärbt mit einem eigens gebräunten Honig und gewürzt mit zerstoßenen Lorbeerbeeren. Heutige Metmacher nennen Met aus gebräuntem Honig Bochet. Der Eintrag endet beim Einfüllen ins Fässlein; Gärung und Lagerung beschreibt er nicht.
Der Sud. Rasch stellt das Sieden neben das Sieden von jungem Rindfleisch und verlangt gleich darauf, den Met ordentlich und immerfort abzuschäumen. Eine Zeit nennt er nicht. Warum das Feuer hell und ohne Rauch brennen soll, begründet er nicht; naheliegend ist, dass der offene Sud keinen Rauch annehmen soll. Die Rosenknospen kommen während des Siedens hinein, eine Menge nennt der Text nicht.
Der gebräunte Honig. Auf jeden Eimer Met kommt ein Maß Honig, der für sich im Kessel über der Glut siedet und dabei immerfort gerührt wird, bis er rot oder braun ist. Die Farbe ist laut Text der Zweck, ihren Ton bestimmt der Koch. Wie viel Met der Grundansatz ergibt und wie viele Maß Rasch auf den Eimer rechnet, sagt er nicht. Honig brennt beim Bräunen schnell an, und wenn der Met über den heißen Honig geschüttet wird, schäumt und spritzt es heftig.
Lau ins Fass. „vberſchlahen“ heißt bei Flüssigkeiten lau werden. Der Met war schon erkaltet, wird aber durch den heißen Farbhonig wieder warm; ehe er ins Fässlein kommt, soll er gut abkühlen, bis er nur noch lau ist. Heutige Einordnung: Heißer Sud schadet der Hefe, lau ist die Temperatur, bei der man heute Hefe zusetzt.
Gärung mit der Fasshefe. Rasch nennt keine Hefe, und der gesottene Sud bringt keine lebende mit. Gärt der Met im Fässlein wie in Raschs Grundverfahren, dann mit der Fasshefe: Ein immer wieder benutztes Fass trägt im Holz eine eingefahrene Hefe, in der sich über die vielen Ansätze die gärkräftigen Stämme durchgesetzt haben. Dass dieser Eintrag es so meint, sagt er selbst nicht.
Lorbeer, Gewürz, Hopfen. Die Lorbeerbeeren werden frisch, mit ihrer Haut, zerstoßen und eingehängt; ein Säcklein nennt Rasch hier nicht. Gemeint ist der Echte Lorbeer. Früchte und Blätter des Kirschlorbeers sind giftig und dürfen damit nicht verwechselt werden. Gewürz oder Hopfen zum Stärken stellt Rasch frei, ohne Art und Menge.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| „ein maß hoͤnig/ zu ſechs maß waſſers“, Sieden ohne Maß | 177-272 g/l | 1,068-1,105 | 68-105 | 16,6-24,9 | 10,5-16,2 % |
| dasselbe, zum Vergleich ohne Einkochverlust | 150-163 g/l | 1,058-1,063 | 58-63 | 14,3-15,4 | 8,9-9,7 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Wasser sind im selben Raummaß gemessen, die Größe der Maß kürzt sich heraus. Rasch sagt nicht, wie lange gesotten wird; die erste Zeile nimmt einen Einkochverlust von 15-40 % an, der den größten Teil der Spanne erzeugt, die zweite Zeile ist die Untergrenze ohne jedes Einkochen. Nicht eingerechnet ist der gebräunte Honig, ein Maß je Eimer, weil Rasch nicht sagt, wie viele Maß ein Eimer hat; er hebt den Zucker zusätzlich an. Nicht eingerechnet sind auch Rosen, Lorbeer und der abgeschäumte Anteil.
Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Rasch: Ohne eingefahrenes Fass setzt man dem lau abgekühlten Met Weinhefe zu. Den Met langsam und mit Abstand über den heißen Farbhonig gießen, sonst drohen Verbrühungen. Mengen für Rosen, Lorbeer, Gewürz und Hopfen muss man selbst finden.
Woher kommt die Hefe, wenn der Text keine nennt?
Rasch nennt keine Hefe, und der gesottene Sud bringt keine lebende mit. Gärt der Met im Fässlein wie in Raschs Grundverfahren, dann mit der Fasshefe, die ein immer wieder benutztes Fass im Holz trägt. Wer heute kein solches Fass hat, setzt dem lau abgekühlten Met Weinhefe zu.
Wozu wird der zweite Honig gebräunt?
Laut Text für die Farbe: Der Honig siedet unter ständigem Rühren, bis er rot oder braun ist, je nachdem, welche Farbe der Met haben soll. Auf jeden Eimer Met kommt ein Maß davon.
Welcher Lorbeer ist gemeint?
Die Beeren des Echten Lorbeers, frisch und mit ihrer Haut. Früchte und Blätter des Kirschlorbeers sind giftig und dürfen damit nicht verwechselt werden.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Wie alle Met- und Weinrezepte dieses Buchs wird es im Fässlein angesetzt und gehört nicht in die Lagerküche.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
- maß
Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Für dieses Rezept zählt das Verhältnis: ein Teil Honig auf sechs Teile Wasser, im selben Maß gemessen.
- aymer
Eimer, ein Flüssigkeitsmaß für Wein, von Land zu Land verschieden. Die Wiener Maßordnungen des 16. Jahrhunderts rechnen den Eimer zu rund 58 Litern (Gneiß, Wiener Handwerksordnungsbuch, Maßtabelle); ob Rasch den Wiener Eimer meint, sagt er nicht.
- Loꝛboͤꝛ
Lorbeerbeeren, die Früchte des Echten Lorbeers, nicht die Blätter (Grimm: „die frucht des laurus“). „die heut haben“: mit ihrer Haut.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ein maß hoͤnig | honey Q10987 |
| gutem gewuͤrtz | spice Q42527 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
vberſchlahen
Gewählte Lesart: Lau abkühlen lassen: Bei Flüssigkeiten heißt „überschlagen“ lau werden (Adelung: „das kalte Wasser ein wenig überschlagen lassen“; Unger, Steirischer Wortschatz: „lauwarm“; Schmid, Schwäbisches Wörterbuch: „mäßig gewärmt, vom Getränke“). Der erkaltete Met ist durch den heißen Farbhonig wieder warm geworden und soll vor dem Fass abkühlen. Rumpolts Paralleltext wird ebenso gelesen.
Andere mögliche Lesart:
- Überschäumen, zu gären beginnen. - Für Flüssigkeiten nicht belegt, und die Gärung beginnt erst im Fässlein, nicht davor.
als wer es jung rindtfleiſch
Gewählte Lesart: Ein Vergleich mit dem Sieden von Fleisch, bei dem man den Schaum abnimmt; gleich darauf verlangt Rasch das Abschäumen. Die Übersetzung behält den Vergleich wörtlich.
Andere mögliche Lesart:
- Der Vergleich zielt auf die Siededauer. - Möglich, aber eine Zeit lässt sich daraus nicht ableiten, und Rasch nennt keine.
ſchaime jn recht fuͤr ſich dar
Gewählte Lesart: Ordentlich und immerfort abschäumen: „fürsich“ heißt vorwärts, fort (Unger, Elsässisches Wörterbuch; bairisch „fürsi“ nach Schmeller), „recht“ ordentlich.
Andere mögliche Lesart:
- „für sich“ als gesondert: den Schaum für sich abnehmen. - Möglich; die Handlung, das Abschäumen während des Siedens, bleibt dieselbe.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
