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Zwiebelsuppe mit Essig für einen armen Gesellen

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeitca. 20 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Zwiebeln, schneide sie fein breit und dünn. Setze sie mit Wasser auf. Und wenn sie fast gar gekocht sind, so gieße Essig darunter, pfeffere es und salze es und schmälze es mit Butter. So ist es eine gute Suppe für einen armen Gesellen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Zwibeln Zwiebeln - - -
Wasser Wasser - - -
Essig Essig - - -
pfeffers Pfeffer - - -
saltzs Salz - - -
Butter Butter - - -

Welches Gericht ist das? Eine schlichte Zwiebelsuppe: Zwiebeln in Wasser fast weich sieden, Essig dazugießen, mit Pfeffer, Salz und Butter fertig machen. Heute am ehesten eine dünne, saure Zwiebelbrühe ohne Fleischbrühe, Brot oder Käse, also etwas anderes als die französische Zwiebelsuppe. Rumpolts Zwiebelsuppe nach ungarischer Art (rum-1634) beginnt mit denselben Worten, nimmt aber Käse und Weck statt Essig.

Die Zwiebeln. „fein breit vnnd duͤnn“ legt die Schnittform nicht genau fest. In der Praxis die Zwiebeln in dünne Scheiben oder Halbringe schneiden. Dünn geschnitten sind sie in etwa 15 bis 20 Minuten weich; eine Zeit nennt der Text nicht.

Der Essig. Er kommt erst dazu, wenn die Zwiebeln „schier gesotten“, also fast gar sind, so dass sie vorher ungestört weich werden. Eine Menge nennt Rumpolt nicht; der Essig ist die tragende Würze, die Suppe ist sauer gedacht. In der Praxis mit einem kleinen Schuss beginnen und nachsäuern, bis die Suppe angenehm säuerlich ist.

Die Butter. „schmaͤltzs mit Butter“ steht am Schluss: Die Butter kommt an die fertige Suppe, nicht zum Anschwitzen der Zwiebeln am Anfang. Ob sie eingerührt oder obenauf gegeben wird, sagt der Text nicht; in der Praxis zuletzt ein Stück Butter in die Suppe geben. Ein erneutes Aufkochen nach dem Buttern steht hier nicht.

Praxis. Zwiebeln dünn schneiden, mit Wasser aufsetzen und leise sieden, bis sie fast weich sind. Essig dazugießen, pfeffern, salzen und zuletzt die Butter dazugeben. Die Zubereitungszeit von etwa 20 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Was bedeutet „vor einen armen Gesellen“?

„Vor“ heißt hier „für“. Der Geselle ist zunächst der Handwerksgeselle, hier allgemein der einfache Mann. Rumpolt nennt die Suppe selbst gut für einen armen Gesellen; dieselbe Gegenüberstellung von armem Gesellen und großen Herren steht bei seiner Zurwonada (rum-0061). Eine Aussage über Preis oder Aufwand macht er nicht.

Was bedeuten „pfeffers“, „saltzs“ und „schmaͤltzs“?

Es sind Befehlsformen mit angehängtem „es“: pfeffere es, salze es, schmälze es. „Schmälzen“ heißt, eine Speise mit Fett versehen, hier mit Butter, die am Schluss an die Suppe kommt.

Ist das eine französische Zwiebelsuppe?

Nein. Rumpolt nimmt weder Fleischbrühe noch Brot oder Käse; die Zwiebeln sieden in Wasser, Essig gibt die Würze. Heraus kommt eine dünne, saure Zwiebelbrühe mit Butter.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Zwiebeln, Essig, Salz und Pfeffer sind Vorrat, ein Topf über dem Feuer genügt. Nur die Butter braucht Kühlung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

16. Nim̃ Zwibeln, schneidt sie fein breit vnnd duͤnn, setz sie mit Wasser zu, vnd wenn er schier gesotten, so geuß Essig darvnter, pfeffers vnnd saltzs, vnd schmaͤltzs mit Butter, so ist es ein gute Suppen vor einen armen Gesellen.
fein breit vnnd duͤnn

Die Zwiebeln werden breit und dünn geschnitten, „fein“ verstärkt das. Eine genaue Schnittform (Scheiben, Ringe, Streifen) legt der Text nicht fest. Derselbe Wortlaut steht in Rumpolts Zwiebelsuppe nach ungarischer Art (rum-1634).

schier gesotten

„Schier“ heißt hier „fast, beinahe“ (Mittelniederdeutsches Wörterbuch: schiere „bald; fast, beinahe“). Die Zwiebeln sollen also fast gar gekocht sein. Rumpolt gebraucht die Wendung oft, etwa in rum-0105 und rum-0863.

pfeffers vnnd saltzs

Befehlsform mit angehängtem „es“: „pfeffer es und salz es“, also „pfeffere es und salze es“. Rumpolt schreibt so häufig, etwa „pfeffers/ gelbs/ saltzs“ in rum-1602.

schmaͤltzs

„Schmälzen“ heißt, eine Speise mit Schmalz oder Fett versehen (Deutsches Wörterbuch; Frühneuhochdeutsches Wörterbuch „geschmalzen: mit Schmalz zubereitet“), hier mit Butter. Das angehängte „-s“ steht für „es“: „schmälze es“. Ebenso „schmaͤltzs mit heisser Butter“ in rum-1594.

vor einen armen Gesellen

„Vor“ steht für „für“. Der Geselle ist zunächst der Handwerksgeselle, hier allgemein der einfache Mann; „arm“ ist Rumpolts eigene Wertung. Er stellt ihn an anderer Stelle den „grossen Herrn“ gegenüber (rum-0061).

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Suppen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Zwibelnonion Q3406628
Wasserwater Q283
Essigvinegar Q41354
pfefferspepper Q3143131
saltzstable salt Q11254
Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwenn er schier gesotten

Gewählte Lesart: „er“ meint die Zwiebeln, als Sammelwort im Maskulinum Singular „der Zwibel“, wie Rumpolt es auch in rum-1634 („der Zwibel seudt“) gebraucht. Die Übersetzung gibt es daher mit „sie“ wieder.

Andere mögliche Lesarten:

  • „er“ bezieht sich auf den Sud, also das Wasser mit den Zwiebeln. - Möglich, ändert aber den Sinn nicht: Gemeint ist in beiden Fällen der Zeitpunkt, an dem die Zwiebeln fast gar sind.
  • „er“ ist ein Setzfehler für „sie“. - Nicht nötig, weil das Sammelwort „der Zwibel“ bei Rumpolt belegt ist.

Lesartfein breit vnnd duͤnn

Gewählte Lesart: Breit und dünn geschnitten, „fein“ als Verstärkung; die Übersetzung lässt die Wendung wörtlich stehen, ohne eine Schnittform festzulegen.

Andere mögliche Lesart:

  • In dünne Scheiben oder Halbringe schneiden. - Die naheliegende Ausführung heute, in der Zubereitungsnotiz als Praxis empfohlen; der Text trennt aber Scheiben und Streifen nicht.

Lesartschmaͤltzs mit Butter

Gewählte Lesart: Die Butter kommt am Schluss an die fertige Suppe, eingerührt oder als Schmalz obenauf gegeben; der Text sagt nicht, welches von beiden. Vgl. rum-1594 „schmaͤltzs mit heisser Butter“, wo die Butter über die Brotschnitten gegossen wird.

Andere mögliche Lesarten:

  • Ein Stück Butter zuletzt in die Suppe einrühren. - Die einfachste Ausführung heute, in der Zubereitungsnotiz als Praxis empfohlen.
  • Die Zwiebeln zu Beginn in Butter anschwitzen. - Scheidet aus: Das Schmälzen steht am Ende der Anweisungsreihe, nach Essig, Pfeffer und Salz; die Zwiebeln werden mit Wasser aufgesetzt.

LesartEssig (Menge)

Gewählte Lesart: Rumpolt nennt keine Menge; der Essig ist die tragende Würze, die Suppe ist sauer gedacht. Die Übersetzung ergänzt nichts.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein kleiner Schuss Essig, nach Geschmack nachsäuern, bis die Suppe angenehm säuerlich ist. - Praktische Ausführung heute, in der Zubereitungsnotiz empfohlen; steht nicht im Text.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXIIIa, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1605
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Zwiebeln, Essig, Salz und Pfeffer sind Vorrat, ein Topf über dem Feuer genügt. Nur die Butter braucht Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.