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Grüne Petersiliensuppe mit Erbsenbrühe

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeitca. 30 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm grüne Petersilie, die mit der Wurzel gesotten ist. Streiche sie mit gerösteten Brotschnitten und Erbsenbrühe durch.

Schmecke es mit Pfeffer, Safran, Butter und Salz ab und lass es damit sieden, so wird es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gruͤn Pettersilgen/ die gesotten ist mit der Wurtzel grüne Petersilie mit Wurzel - - -
gebeht Schnitten Brot geröstete Brotschnitten - - -
Erbeßbruͤh Erbsenbrühe - - -
Pfeffer Pfeffer - - -
Saffran Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
Butter Butter - - -
Saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? Eine grüne Petersiliensuppe: Petersilie wird samt Wurzel weich gesotten, mit gerösteten Brotscheiben und Erbsenbrühe durchgestrichen, mit Pfeffer, Safran, Butter und Salz gewürzt und noch einmal aufgesotten. Heute erinnert das an eine mit Brot gebundene Kräutercremesuppe. Rumpolt fasst sich hier kurz; ausführlicher beschreibt er dasselbe Verfahren bei der grünen Petersilienbrühe zum Kapaun (rum-0665) und bei der Fischsuppe rum-1630.

Petersilie mit Wurzel. Kraut und Wurzel werden zusammen gesotten, bis sie weich sind; erst dann lassen sie sich durchstreichen. Die Wurzel gibt etwas Süße, das Kraut die grüne Farbe. Der Safran färbt zusätzlich gelb, die Suppe wird also eher gelbgrün.

Geröstetes Brot. Gebäht heißt geröstet. Die Brotscheiben sind das Bindemittel: Beim Durchstreichen weichen sie in der Brühe auf, beim Sieden verkleistert die Stärke, und die Suppe wird sämig. Wie stark geröstet wird und welches Brot, sagt der Text nicht.

Durchstreichen. Petersilie, Brot und Erbsenbrühe werden zusammen passiert; Wurzelfasern und Brotkrusten bleiben zurück. Ein Gerät nennt Rumpolt hier nicht, heute nimmst du ein feines Sieb oder eine Passiermühle. Geht es zu zäh, Petersilie und Brot vorher fein stoßen oder mixen, so wie Rumpolt in den ausführlicheren Fassungen den Mörser nimmt.

Erbsenbrühe. Rumpolt setzt sie voraus: die abgeseihte Brühe von weich gekochten Erbsen.

Aufsieden. Das Sieden am Schluss steht im Text. Erst in der Hitze bindet das Brot, und Butter und Gewürze verbinden sich mit der Suppe. Wird sie zu dick, Brühe nachgießen.

Praxis. Mengen nennt Rumpolt nicht. Als Anhalt: reichlich Petersilie samt Wurzel und etwa zwei geröstete Brotscheiben auf einen Liter Erbsenbrühe. Petersilie mit Wurzel weich sieden, mit dem Brot und heißer Erbsenbrühe durch ein Sieb streichen, mit Pfeffer, etwas Safran, Butter und Salz würzen und kurz aufsieden lassen. Die Zubereitungszeit von etwa 30 Minuten ist eine Schätzung mit fertiger Erbsenbrühe, der Text gibt keine Zeit an; das Kochen der Brühe selbst kommt hinzu.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Brot, Pfeffer, Safran und Salz halten gut, nur die frische Petersilie samt Wurzel und die Butter sollten kühl liegen. Du brauchst einen Topf und zum Durchstreichen ein Sieb oder Tuch. Die Erbsenbrühe kochst du vorher; das dauert länger als die Suppe selbst.

Was bedeutet „streich sie durch“?

Passieren: Die weich gesottene Petersilie wird mit dem gerösteten Brot und der Erbsenbrühe durchgestrichen, sodass eine glatte, sämige Suppe entsteht. Ein Gerät nennt Rumpolt hier nicht. Heute nimmst du ein feines Sieb; an anderer Stelle streicht Rumpolt durch ein Haartuch.

Was ist mit „gebeht Schnitten Brot“ gemeint?

Gebäht heißt geröstet, Schnitten sind Brotscheiben: Gemeint sind geröstete Brotscheiben. Sie binden die Suppe, wenn sie mit der Brühe durchgestrichen und aufgesotten werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

44. Nim̃ gruͤn Pettersilgen, die gesotten ist mit der Wurtzel, streich sie durch mit gebeht Schnitten Brot vnd Erbeßbruͤh, machs ab mit Pfeffer, Saffran, Butter vnd Saltz, laß darmit sieden, so wirt es gut vnnd wolgeschmack.
gebeht Schnitten Brot

Gebäht heißt durch Hitze getrocknet oder leicht geröstet (FWB bäen; MWB bæhen „in Scheiben geschnittenes Brot leicht rösten“), Schnitten sind Brotscheiben. Rumpolt gebraucht die Formel im ganzen Buch für geröstetes Brot, etwa in der gleich gebauten Fischsuppe rum-1630.

streich sie durch

Passieren: die weich gesottene Petersilie zusammen mit dem Brot und der Erbsenbrühe durchstreichen, sodass eine glatte, gebundene Suppe entsteht. Ein Gerät nennt der Text hier nicht; an anderer Stelle streicht Rumpolt „durch ein Haͤrin Tuch“, ein Haartuch, also ein Seihtuch meist aus Pferdehaar (rum-0916).

machs ab

Abschmecken, fertig würzen. Rumpolt gebraucht die Formel in den Suppen dieses Kapitels genauso, etwa in rum-1630.

Erbeßbruͤh

Erbsenbrühe, die Brühe von gekochten Erbsen. Rumpolt setzt sie hier voraus und beschreibt ihre Zubereitung nicht; im Suppenkapitel ist sie die Grundlage vieler Suppen.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Suppen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Erbeßbruͤhpea stock Q107246700
Pfefferpepper Q3143131
Saffransaffron Q25434
Butterbutter Q34172
Saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgebeht Schnitten Brot

Gewählte Lesart: Geröstete Brotscheiben. Gebeht gehört zu bähen „durch Wärme trocknen, leicht rösten“ (FWB bäen; MWB bæhen), Schnitten ist das Substantiv. Rumpolt verwendet die Formel buchweit so, etwa rum-0601, rum-0665 und rum-1630.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur durch Wärme getrocknete, nicht gebräunte Scheiben - bähen deckt auch bloßes Trocknen ab. Für die Bindung genügt beides; eine Bräunung schreibt der Text nicht vor.

LesartGerät zum Durchstreichen

Gewählte Lesart: Rumpolt nennt hier kein Gerät. Historisch naheliegend ist ein Haartuch, ein Seihtuch meist aus Pferdehaar, oder ein Haarsieb; an anderer Stelle streicht er „durch ein Haͤrin Tuch“ (rum-0916).

Andere mögliche Lesart:

  • Praxis: feines Passiersieb oder Passiermühle - Heutige Küchenausstattung, im Text nicht genannt; das Ergebnis ist dasselbe.

LesartMengen von Petersilie, Brot und Brühe

Gewählte Lesart: Nicht überliefert. Bindung und Dichte bleiben dem Koch überlassen.

Andere mögliche Lesart:

  • Praxis: reichlich Petersilie samt Wurzel, etwa zwei geröstete Brotscheiben auf einen Liter Erbsenbrühe, dann nach Bindung nachjustieren - Ein Anhalt für das Nachkochen, nicht aus dem Text.

LesartErbeßbruͤh

Gewählte Lesart: Rumpolt setzt die Erbsenbrühe als vorhanden voraus und erklärt sie nicht; gemeint ist die Brühe von gekochten Erbsen.

Andere mögliche Lesart:

  • Praxis: Erbsen weich kochen und die Brühe abseihen - Die naheliegende Herstellung, im Rezept selbst nicht beschrieben.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXIIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1633
LagerkücheLagerküche
Brot, Pfeffer, Safran und Salz halten gut; frische Petersilie samt Wurzel und Butter wollen kühl liegen. Ein Topf und ein Sieb oder Tuch zum Durchstreichen genügen. Die Erbsenbrühe muss vorher gekocht werden, das braucht mehr Zeit als die Suppe selbst.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.