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Grüner Mangold-Pfannkuchen

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291 · Schwäbischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg · 1492

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-3 PersonenBuchAlemannisches Büchlein von guter Speise (N1) (~1492)

Um einen grünen Pfannkuchen zuzubereiten, nimm Mangold und stoße ihn gut in einem Mörser. Schlage den Saft durch ein Tuch und mische ihn unter die Eier. Zerschlage die Eier gut. Erhitze dann die Butter und gieße die Eier hinein. Backe den Pfannkuchen nach deinem Belieben.

Du kannst auch Gewürzpulver hineintun, wenn du willst, und salze ihn nicht zu stark, so wird er schmackhaft sein.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
mangolt Mangold - Supermarkt -
aiger Eier - - -
ancken Butter - - Pflanzenöl für eine vegane Variante
puluer Gewürzpulver (optional) - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? alb-023 ist ein grün gefärbter Ei-Pfannkuchen: Mangoldsaft wird ausgepresst und unter geschlagene Eier gemischt, die dann in heißer Butter gebacken werden. Der Mangold liefert dabei vor allem die namensgebende grüne Farbe, nicht den Hauptgeschmack - ein Vorfahre des heutigen Kräuter-Omeletts oder der grünen Palatschinke, vergleichbar mit einer Frittata aus Kräutern.

‚Stos es wol in ainem pfeferstain‘ meint das Stoßen im Mörser: Dabei wird der Zellsaft aus den Mangoldblättern gepresst. Das anschließende Abseihen durch ein Tuch trennt die Fasern vom Saft, sodass die Eiermasse glatt bleibt statt stückig oder zäh zu werden.

Der Text nennt kein Mengenverhältnis von Mangold zu Eiern. Das ist beim Nachkochen relevant, denn gepresster Mangoldsaft ist wasserreich - zu viel Saft verdünnt die Eiermasse, sodass sie in der Pfanne eher suppig bleibt statt zu binden.

Praxis. Erhitze die Butter, bis sie heiß ist, bevor du die Eier-Saft-Mischung eingießt - so zieht die Masse sofort an, statt anzukleben. Beginne mit dem Saft von zwei bis drei Mangoldblättern auf vier bis sechs Eier und taste dich von dort an eine kräftige, aber noch bindefähige grüne Farbe heran. Die Garzeit bleibt bewusst Geschmackssache (‚nach dinem wilen‘); würze mit Gewürzpulver nach Wunsch, aber salze zurückhaltend, damit der Pfannkuchen schmackhaft bleibt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist Goldstandard für die Lagerküche. Es ist schnell zubereitet (ca. 15 Minuten Vorbereitung, 5 Minuten Backzeit), benötigt nur eine Pfanne und eine Feuerstelle. Die Zutaten sind robust und leicht zu transportieren.

Was ist ein 'Pfefferstein' und brauche ich einen Mörser?

Ein 'Pfefferstein' (pfeferstain) bezeichnet hier einen Mörser, der zum Zerstoßen von Gewürzen und anderen Zutaten verwendet wurde. Für dieses Rezept ist ein Mörser ideal, um den Mangold zu zerkleinern und den Saft zu gewinnen. Alternativ kannst du den Mangold sehr fein hacken oder einen modernen Mixer verwenden, um eine ähnliche Konsistenz zu erreichen.

Was bedeutet 'so wirt es sin gnam'?

Die genaue Lesart von 'gnam' ist in der Forschung umstritten. Im Kontext dieses Rezepts ist die plausibelste Deutung, dass der Pfannkuchen 'schmackhaft' oder 'gut im Geschmack' sein wird, wenn er nicht zu stark gesalzen wird. Es ist eine abschließende Bemerkung zur Qualität des Gerichts.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Alemannisches Büchlein von guter Speise (N1) (Schwäbischer Sprachraum - Entstehungsort unbekannt). CoReMA-Handschrift N1: die 26 Kochrezepte (fol. 17r-24r) der Sammelhandschrift Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291, schwäbisch, 1492-1494. Anton Birlinger hat sie 1865 als "Alemannisches Büchlein von guter Speise" gedruckt - die einzige gemeinfreie wissenschaftliche Edition zu einer CoReMA-Handschrift und damit ein vollwertiger Gegencheck neben dem TEI-Text. Jedes Rezept trägt im Original eine rote Überschrift. Textlich am Ende der Traditionslinie des "Buoch von guoter Spise" (bgs, um 1350) und des Meister Eberhard (meb); direkte Motiv-Parallelen zu ka1 (Krosaier), zum Holdermus-Cluster (ka1/kkm/m384/meb/rfk) und zum heidnischen Pfannkuchen (ka2/m5919/mha/mon).

ain grun pfankuochen ain grun pfan kuochen zu machen so nim mangolt vnd stos es wol In ainem pfeferstain vnd schlach das safft durch ain tuoch vnd mischel das vnder die aiger vnd zerschlach sy wol vnd den ancken hais vnd gus die aiger darin vnd bach den pfan kuochen nach dinem wilen du macht ouch puluer darIn tuo ob tu wilt vnd saltz In nit ze vast so wirt es sin gnam
grun

Das frühneuhochdeutsche Wort ‚grun‘ (im Manuskript mit Umlautzeichen über dem u: ‚grün‘) ist hier ein Farbadjektiv und benennt die grüne Farbe des fertigen Pfannkuchens, die durch den ausgepressten Mangoldsaft entsteht - nicht den Garzustand ‚roh‘. Die im Korpus belegte Lesefalle ‚grun = roh/unverarbeitet‘ (etwa in der Wendung ‚hack es klain also grun‘) gilt nur für den Zwischenzustand rohen Fleischs beim Hacken und ist hier syntaktisch nicht einschlägig, zumal das Rezept mit ‚bach den pfankuochen‘ (backe den Pfannkuchen) endet.

puluer

Im Kontext von Kochrezepten bezeichnet ‚puluer‘ meist ein Gewürzpulver, nicht Mehl oder ein anderes Pulver. Es dient hier zum Würzen des Pfannkuchens.

tuoch

Ein Tuch zum Passieren oder Abseihen von Flüssigkeiten, um feste Bestandteile zu entfernen.

Handschrift
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291
Folio
Fol. 023r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch, südwestdeutscher Sprachraum, 1492-1494)
Entstehung
Schwäbischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 1492
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

mangoltchard Q157954
aigerchicken egg Q15260613
anckenbutter Q34172
puluerspice Q42527
saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgrun

Gewählte Lesart: Wir haben ‚grun‘ hier als Farbadjektiv (‚grün‘, im Manuskript mit Umlautzeichen markiert) übersetzt - der Pfannkuchen wird durch den eingerührten Mangoldsaft grün gefärbt.

Andere mögliche Lesart:

  • An anderer Stelle im Korpus (etwa in ka1-031, ka1-059, m384-047, m384-070) ist ‚grun‘ als Garzustand ‚roh/unverarbeitet‘ belegt. - Diese Lesart passt hier syntaktisch nicht: Dort steht ‚grun‘ als Adverb nach dem Verb (‚hack es klain also grun‘), hier aber als Attribut direkt vor dem Gerichtnamen (‚ain grun pfankuochen‘) - wie in der Korpus-Parallele ‚Grun Sulcz‘ (‚Grüne Sülze‘). Zudem endet das Rezept mit ‚bach den pfankuochen‘ (backe den Pfannkuchen), was eine ‚roh‘-Lesart des fertigen Gerichts ausschließt.

Lesartgnam

Gewählte Lesart: Wir haben ‚gnam‘ als ‚schmackhaft‘ oder ‚gut im Geschmack‘ interpretiert ('so wird es schmackhaft sein').

Andere mögliche Lesart:

  • Die CoReMA-Edition merkt an, dass die Lesart unsicher ist und alternative Lesungen wie ‚gnain‘ oder ‚gnani‘ möglich wären. Eine weitere mögliche Deutung wäre ‚so wird es sein Genuss sein‘, im Sinne von ‚es wird ein Genuss sein‘. - Im Kontext eines Kochrezepts, das die Qualität des fertigen Gerichts beschreibt, ist eine Bezugnahme auf den Geschmack oder die Genießbarkeit am plausibelsten.

Originalwerk (~1492) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 023r, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Hs 20291 ("Alemannisches Büchlein von guter Speise", schwäbisch, 1492-1494), Rezeptteil fol. 17r-24r - CC BY-NC-SA 3.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), N1 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 20291), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Im Topf oder in der Pfanne am Feuer in etwa 20 Minuten fertig. Alle Zutaten sind robust und benötigen keine besondere Kühlung. Ein Mörser ist ideal, aber auch feines Hacken des Mangolds ist möglich.
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Stand dieser Fassung: 28.07.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.