Himbeeren in dickem Sirup einmachen
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Nimm etwa 1 l (ein Quart) Himbeeren, gib sie in einen Kochtopf und koche sie ein wenig, bis der Saft aus ihnen austritt. Dann seihe sie durch ein Stück grobes Leinen.
Nimm danach etwa 560 g (ein Pfund und ein Viertel) Hutzucker, gut zerstoßen, und gib zum Zucker etwa 0,25 l (ein halbes Pint) vom Himbeersaft. Setze es auf ein lebhaftes Feuer, lass es kochen und schöpfe den Schaum ab. Koche die Flüssigkeit dann, bis sie zu einem dicken Sirup wird.
Nimm sie dann vom Feuer, schäume sie sauber ab und gib etwa 450 g (ein Pfund) große Himbeeren hinein. Lass sie ein Weilchen in der Flüssigkeit stehen, bis sie warm sind.
Setze sie dann aufs Feuer und koche sie eine kleine Weile sanft. Danach koche sie auf lebhaftem Feuer, und koche sie so, bis sie gar sind, was schnell geht; kochst du sie aber lange, werden sie hart.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a quart of Raspas | Himbeeren (für den Saft) | 1 l | - | - |
| a pound and a quarter of lofe sugar well beaten | Hutzucker, gut zerstoßen | 560 g | - | Haushaltszucker |
| halfe a pint of the Iuice of the Raspas | 0,25 l Himbeersaft (aus den ersten Beeren) | ¼ l | - | - |
| a pound of great Raspas | große Himbeeren | 450 g | - | - |
Was ist das? Ganze Himbeeren, eingemacht in einem Sirup, der aus dem Saft derselben Frucht und Zucker gekocht wird. Ein erster Teil der Beeren liefert nur den Saft, die zweiten, großen Beeren bleiben ganz.
Saft und Sirup. Die Beeren werden nur kurz gekocht, bis der Saft austritt, und durch grobes Leinen geseiht. Der Saft kocht mit dem gestoßenen Zucker auf lebhaftem Feuer; der Schaum wird abgeschöpft, bis die Flüssigkeit zu einem dicken Sirup wird. Eine Probe nennt die Handschrift nicht, sie urteilt nach Augenmaß.
Die Beeren. Vom Feuer genommen und noch einmal abgeschäumt, nimmt der Sirup die großen Beeren auf; sie stehen darin, bis sie warm sind. Erst dann gehen sie zurück aufs Feuer, zuerst sanft, zuletzt kurz auf lebhaftem Feuer. Das Endzeichen ist „till they bee enough“, die Warnung dazu: Zu langes Kochen macht die Beeren hart.
Praxis. Himbeeren gibt es nur in ihrer Saison im Sommer. Siedender Zuckersirup verbrüht schwer; der Topf braucht festen Stand und ein Feuer, das sich vom lebhaften zum sanften Kochen zurücknehmen lässt. Wer heute eine Probe für den dicken Sirup will: Ein Tropfen auf einem kalten Teller soll stehen bleiben und nicht zerlaufen. Das ist eine moderne Hilfe, keine Angabe der Handschrift.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja. Eingemachte Früchte gelten als Lagerküche, auch wenn die Himbeeren frisch und nur im Sommer zu haben sind. Gebraucht werden ein Kochtopf, ein grobes Leinentuch und ein Feuer, das sich von lebhaft auf sanft zurücknehmen lässt.
Woran erkenne ich, dass der Sirup dick genug ist?
Die Handschrift nennt keine Probe, nur „a thick sirrope“. Als moderne Hilfe: Ein Tropfen auf einem kalten Teller bleibt stehen und zerläuft nicht.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- Raspas
Schreibung für raspis, die Himbeere: Ludwig (1706) führt „Raspis, raspis-berry“ unter „Rasberry“ und übersetzt „himbeer“.
- lofe sugar
Loaf sugar, Hutzucker: raffinierter Zucker in fester Kegelform, der vor dem Gebrauch zerschlagen und gestoßen wurde; hier „well beaten“.
- Skillet
Nach Ludwig (1706) „eine kleine muß- oder breypfanne“, ein kleines Kochgefäß.
- Canvas
Nach Ludwig (1706) „grobe ungebleichte packleinwand“, hier als Seihtuch.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
