Früchte und Blüten in Wein angesetzt: Aprikose, Gartennelke, Pfirsich
Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676) · England · 1676
Nachdem ich dir eine Kostprobe der meisten Weine gegeben habe, die man durch Auspressen der Säfte aus den Früchten macht: Du kannst dich auch mit dem Blut der Traube oder einem der anderen zuvor genannten klaren Getränke vergnügen, getönt mit dem Geschmack und dem geistigen Hochgeschmack anderer Früchte, die dir ihre Säfte nicht so leicht und reichlich hergeben.
So die Aprikose, die, in Wein eingeweicht, genau den Geschmack der Frucht abgibt; ebenso tun es Gartennelken oder andere süß duftende Blumen. Du kannst auch an einigen Sorten von Pfirsichen, Nektarinen und dergleichen erproben, welche Wirkung sie auf diese Arten von Getränken haben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Wine | Wein | - | - | - |
| Apricock | Aprikose | - | - | - |
| Clove-July-Flowers | Gartennelken | - | eigener Garten oder Gärtnerei mit essbaren Blüten | - |
| other ſweet-ſented Flowers | andere süß duftende Blumen | - | - | - |
| ſome ſorts of Peaches | einige Sorten von Pfirsichen | - | - | - |
| Nectorines | Nektarinen | - | - | - |
Was ist das? Kein Fruchtwein aus gepresstem und vergorenem Saft wie in den Einträgen davor, sondern ein fertiges Getränk, das durch eingelegte Frucht oder Blüten Geschmack annimmt. Worlidge stellt beides ausdrücklich gegenüber: Das Pressen taugt für saftreiche Früchte, das Einlegen für Früchte, „die ihre Säfte nicht so leicht und reichlich hergeben“. Das Buch setzt neben den Absatz zwei Randtitel, „Apricock-Wine“ und „Clove-Juliflower-Wine“.
Welches Getränk? Traubenwein oder eines der zuvor beschriebenen klaren Getränke, also auch Cider, Perry oder ein geklärter Obstwein. Vorausgesetzt ist, dass es fertig und klar ist; eine eigene Gärung kommt in diesem Absatz nicht vor.
Was fehlt. Worlidge nennt keine Menge, sagt nicht, ob die Aprikosen ganz, zerschnitten oder entsteint hineinkommen und ob die Blüten frisch oder getrocknet sein sollen, und nennt weder Gefäß noch Dauer. Er sagt nur, was herauskommt: genau der Geschmack der Frucht.
Gartennelken und andere Blüten. Gartennelken „oder andere süß duftende Blumen tun das Gleiche“: Sie werden ebenso in fertigem Wein angesetzt. Gemeint ist die Gartennelke, nicht die Gewürznelke. Für Cider beschreibt Worlidge dasselbe schon früher: getrocknete Gartennelken, in Cider eingeweicht, geben ihm Farbe und Geschmack (wor-004). Ausführlicher ist Digby (dig-012): Er setzt Nelkenblüten in Sack an, verschließt die Glasflaschen dicht, stellt sie in einen temperierten Keller und gießt ab, sobald die Blüten blass werden, weil sie sonst einen erdigen Geschmack geben.
Pfirsiche und Nektarinen. Hier gibt Worlidge kein Verfahren, nur die Anregung, einen Versuch zu machen. Im Zusammenhang liegt nahe, dass er an dasselbe Ansetzen wie bei der Aprikose denkt; das ist Deutung, der Text sagt es nicht.
Praxis. Heute, nicht nach Worlidge: Frucht oder Blüten ganz mit Wein bedecken, das Gefäß abdecken, kühl stellen, regelmäßig kosten und abgießen, sobald der Geschmack trägt. Frische Frucht bringt Zucker mit und kann in einem schwächeren Getränk wie Cider oder Perry eine Nachgärung anstoßen; dann das Gefäß nicht fest verschließen. Nur ungespritzte Blüten verwenden.
Ist das ein vergorener Aprikosenwein?
Nein. Worlidge stellt das Verfahren den gepressten Fruchtweinen gegenüber: Die Aprikosen werden in fertigen Wein oder in eines der zuvor beschriebenen klaren Getränke eingelegt und geben dort ihren Geschmack ab. Eine Gärung beschreibt er hier nicht.
Ist mit der Nelke das Gewürz gemeint?
Nein. „Clove-July-Flowers“ ist die Gartennelke, eine Blume, deren Blüten nach Gewürznelken duften.
Wie viele Aprikosen und wie lange?
Das sagt Worlidge nicht. Er nennt weder Menge noch Dauer, auch nicht, ob die Früchte ganz oder zerschnitten hineinkommen, sondern nur das Ergebnis: Der Wein nimmt genau den Geschmack der Frucht an.
Auf welche Getränke bezieht sich der Versuch mit Pfirsichen?
Auf die Getränke des Absatzes davor: Traubenwein oder eines der zuvor beschriebenen klaren Getränke aus Früchten.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (1676, England). Aus John Worlidges Buch über Cider und Obstweine die Getränke und die Kellerarbeit: wie man Cider mahlt, presst, vergärt, mit Hausenblase klärt, auf Fässer und Flaschen zieht, lagert, verdorbenen Cider kuriert und Fässer ausschwefelt; dazu Wasser-Cider, Ciderkin, gekochter und gewürzter Cider, Perry, Wein aus englischen Trauben und Claret, Kirsch-, Pflaumen-, Johannisbeer-, Stachelbeer-, Himbeer- und Aprikosenwein, Himbeer-Met der Schweden und Russen, Worlidges eigenes Metheglin und Birkenwein, auch mit Honig.
- Clove-July-Flowers
Die Gartennelke (Dianthus caryophyllus), im Englischen der Zeit auch Clove Gilliflower; Ludwig 1706 übersetzt Gilliflower mit „Näglein-Blume“. Der Name kommt vom Duft nach Gewürznelken, mit den Gewürznelken der Küche ist sie nicht identisch.
- blood of the Grape
Dichterische Umschreibung für Traubenwein, aus der Bibel geläufig (5. Mose 32,14).
- haut-gust
Aus dem französischen haut goût, ein kräftiger, ausgeprägter Geschmack; Ludwig 1706 führt die eingedeutschte Form „Hogoo“ als „starcker oder scharffer Geschmack“. „Spirituous“ gehört zu Worlidges Lehre von den „Spirits“, den flüchtigen, belebenden Teilen eines Getränks.
- Limpid Liquors
Klare Getränke (Ludwig 1706: „Limpid, hell, klar“). Worlidge meint neben Traubenwein die zuvor beschriebenen Getränke, also auch Cider, Perry und die geklärten Obstweine.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Wine | wine Q282 |
| ſome ſorts of Peaches | peach Q13411121 |
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
