Himbeer-Met der Schweden und Russen zum baldigen Trinken
Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676) · England · 1676
In Schweden, Moskowien, Russland und bis hin zum Kaspischen Meer machen sie große Mengen dieses Getränks, dazu den Meth, eine schwächere Sorte davon, gemacht aus dem schlechtesten Honig und aus dem Abfall von allem Übrigen.
Diesen Metheglin oder Hydromel ziehen sie in jenen kalten Ländern allen anderen Getränken vor und bereiten ihn auf mancherlei Weise zu, um ihrem Gaumen zu gefallen. Das beste Rezept, nach dem ich ihn bei ihnen habe machen sehen, ist dieses.
Sie nehmen Himbeeren, die in jenen Gegenden reichlich wachsen, und legen sie für zwei oder drei Nächte in reines Wasser - ich vermute, sie zerquetschen sie zuerst -, damit das Wasser ihren Geschmack und ihre Farbe auszieht. In dieses Wasser geben sie vom reinsten Honig, im Verhältnis von etwa einem Pfund Honig auf drei oder vier Pfund Wasser, je nachdem, ob sie ihn stärker oder schwächer haben wollen.
Um ihn dann in Gärung zu bringen, legen sie ein Röstbrot hinein, das in die Hefe oder den Bodensatz von Bier getaucht ist. Sobald es den Metheglin in Gärung gebracht hat, nehmen sie es wieder heraus, damit es ihm keinen üblen Geschmack gibt. Wollen sie ihn lange gären lassen, stellen sie ihn an einen warmen Ort; wollen sie die Gärung hemmen oder anhalten, bringen sie ihn an einen kühlen Ort. Hat er ausgegoren, ziehen sie ihn für den baldigen Gebrauch vom Hefesatz ab. Um ihn noch vortrefflicher zu machen, hängen sie ein kleines Beutelchen hinein, in dem Zimt, Paradieskörner und ein paar Gewürznelken sind. Das mag zum baldigen Trinken sehr gut taugen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Rasberries | Himbeeren | - | - | - |
| fair Water | drei oder vier Pfund reines Wasser | - | - | - |
| the pureſt Honey | ein Pfund vom reinsten Honig | 1 Pfund | - | - |
| a Toſt into it dipp'd in the Dregs or Grounds of Beer | ein Röstbrot, in die Hefe oder den Bodensatz von Bier getaucht | 1 Scheibe | Bierhefe vom Brauer oder aus dem Brauereibedarf | heute: Weinhefe direkt zusetzen, das Brot entfällt dann |
| Cinamon | Zimt | - | - | - |
| Grains of Paradice | Paradieskörner | - | gut sortierter Gewürzhandel | etwas schwarzer Pfeffer |
| a few Cloves | ein paar Gewürznelken | - | - | - |
Was ist das? Ein Met aus Honig und Himbeerwasser, ungekocht und mit einem Gewürzbeutel, zum baldigen Trinken. Worlidge gibt ihn als bestes Rezept der Schweden und Russen wieder. Gleich danach folgt die Fassung zum Lagern aus denselben Zutaten (wor-017): Dort wird Honigwasser gekocht, vorab eingemachter Himbeersaft kommt kalt dazu, und der Met steht etwa einen Monat, bevor er auf Flaschen kommt. „Dieses Getränk“ am Anfang meint den Met, den Worlidge kurz zuvor mit antiken Gewährsleuten einführt; diese Einleitung gehört nicht zu dieser Auswahl.
Das Himbeerwasser. Die Beeren liegen zwei oder drei Nächte in reinem Wasser, damit es Geschmack und Farbe auszieht. Dass sie vorher zerquetscht werden, ist Worlidges eigene Vermutung. Ob die Beeren herauskommen, bevor der Honig dazukommt, sagt er nicht. Gekocht wird nichts, weder das Wasser noch der Honig.
Woher die Gärung kommt. Das Röstbrot trägt die Bierhefe in den Ansatz. Weil nichts gekocht wird, bringen auch die rohen Beeren, der Honig und das Gefäß eigene Hefen mit; das Brot macht den Anfang sicher. Sobald der Met gärt, kommt das Brot wieder heraus, damit es keinen üblen Geschmack gibt.
Wärme und Kühle. Warm gestellt gärt der Met lange, kühl gestellt wird die Gärung gehemmt oder angehalten. Heute würde man sagen: In der Kälte ruht die Hefe, sie ist aber nicht tot und kann beim Erwärmen wieder anspringen. Woran man das Gärende erkennt, sagt Worlidge nicht. Danach wird der Met vom Hefesatz abgezogen, und der Gewürzbeutel kommt hinein.
Stärke. Drei Pfund Wasser auf ein Pfund Honig geben den stärkeren, vier den schwächeren Met. Die Himbeeren bringen eigenen Zucker mit, den Worlidge nicht beziffert.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung, keine Messung: gerechnet mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), nicht an einem angesetzten Met gemessen.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 Pfund Honig auf 3 Pfund Wasser | 205-214 g/l | 1.079-1.082 | 79-82 | 19.1-19.9 | 12.2-12.7 % |
| 1 Pfund Honig auf 4 Pfund Wasser | 161-168 g/l | 1.062-1.065 | 62-65 | 15.3-15.9 | 9.6-10.0 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Wasser sind beide nach Gewicht gemessen, das Verhältnis hängt deshalb nicht von der Größe des Pfunds ab; für die Rechnung ist ein Pfund Wasser mit 0,4536 Liter angesetzt. Gekocht wird nichts, also gibt es keinen Einkochverlust. Nicht eingerechnet sind Zucker und Saft der Himbeeren, das Brot und die Hefe. Die Spannen kommen aus den Literaturwerten für Honig.
Praxis. Himbeeren zerdrücken und zwei oder drei Nächte in reinem Wasser ziehen lassen. Heute seiht man meist ab, bevor der Honig hineinkommt; Worlidge sagt dazu nichts. Honig nach Gewicht einrühren: ein Teil auf drei Teile Wasser für den stärkeren, auf vier für den schwächeren Met. Als Gärstarter ein Röstbrot in frische Bierhefe tauchen, einlegen und herausnehmen, sobald der Ansatz gärt; heute setzt man ersatzweise Weinhefe zu. Warm gären lassen, nach dem Gärende vom Hefesatz abziehen und ein Beutelchen mit Zimt, Paradieskörnern und ein paar Gewürznelken hineinhängen. Der Met ist zum baldigen Trinken gedacht. Heutiger Hinweis: Wer die Gärung durch Kühle anhält und den Met dann verschlossen abfüllt, muss damit rechnen, dass er in der Flasche weitergärt und Druck aufbaut; gewöhnliche Flaschen können dabei platzen.
Was bedeutet „ein Pfund Honig auf drei oder vier Pfund Wasser“?
Es ist ein Verhältnis nach Gewicht: ein Teil Honig auf drei oder vier Teile Wasser. Mit drei Teilen Wasser wird der Met stärker, mit vier schwächer; so sagt es Worlidge selbst.
Welche Hefe nehme ich statt des Röstbrots mit Bierhefe?
Worlidge beschreibt ein Röstbrot, in Bierhefe getaucht, das wieder herauskommt, sobald der Ansatz gärt. Wer heute keine frische Bierhefe hat, setzt Weinhefe zu; das Brot entfällt dann. Das ist ein heutiger Weg, nicht Worlidges.
Wo bekomme ich Paradieskörner?
Paradieskörner gibt es im gut sortierten Gewürzhandel. Worlidge nennt für den Beutel keine Mengen. Wer keine bekommt, nimmt heute ersatzweise etwas schwarzen Pfeffer.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Die Himbeeren ziehen zwei oder drei Nächte, danach gärt der Met, wie lange, sagt Worlidge nicht. Gärung und Lagerung über Tage sind im Lager nicht verlässlich zu führen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (1676, England). Aus John Worlidges Buch über Cider und Obstweine die Getränke und die Kellerarbeit: wie man Cider mahlt, presst, vergärt, mit Hausenblase klärt, auf Fässer und Flaschen zieht, lagert, verdorbenen Cider kuriert und Fässer ausschwefelt; dazu Wasser-Cider, Ciderkin, gekochter und gewürzter Cider, Perry, Wein aus englischen Trauben und Claret, Kirsch-, Pflaumen-, Johannisbeer-, Stachelbeer-, Himbeer- und Aprikosenwein, Himbeer-Met der Schweden und Russen, Worlidges eigenes Metheglin und Birkenwein, auch mit Honig.
- Metheglin or Hydromel
Zwei Namen für dasselbe Getränk aus Honig und Wasser. Phillips (1658) nennt Hydromel griechisch, „a kind of drink made of honey, by some called Metheglin“; Ludwig (1706) übersetzt Metheglin mit „eine art meth“.
- Meth
Ludwig (1706) übersetzt „Mead, meth“ mit „ein honigtranck“. Bei Worlidge ist Meth die schwächere Sorte, „a ſmaller ſort“; „small“ heißt bei Ludwig „duͤnne, nicht ſtarck“.
- Toſt dipp'd in the Dregs or Grounds of Beer
Ein Röstbrot, in den Hefesatz von Bier getaucht (Ludwig 1706: „Drégs, die hefen“), dient als Gärstarter. Sobald der Ansatz gärt, kommt das Brot wieder heraus.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Cinamon | cinnamon Q28165 |
| Grains of Paradice | grain of paradise Q1503476 |
| a few Cloves | clove Q15622897 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Grains of Paradice
Gewählte Lesart: Paradieskörner, also Meleguetapfeffer (Aframomum melegueta): Parkinson (1640) nennt „Melegueta or grana Paradisi which we call usually Graines or Ginney Graines“ (zitiert bei Mowat 1887).
Andere mögliche Lesart:
- Kardamom - Phillips (1658): „Grains of Paradice, a certain plant, otherwise called Cardamomum“. Schon Parkinson führt die Gleichsetzung mit dem Kardamom der Griechen nur als Meinung anderer; der Handelsname meint die Guinea-Körner.
Into this Water they put of the pureſt Honey
Gewählte Lesart: Die Übersetzung bleibt beim Wortlaut: Worlidge sagt nicht, ob die Himbeeren herauskommen, bevor der Honig ins Wasser kommt. Das Wasser hat Geschmack und Farbe ausgezogen und trägt sie weiter.
Andere mögliche Lesarten:
- Die Beeren werden vor dem Honig abgeseiht - So macht es Digby beim russischen Met (dig-035, „strain the Liquor from the Grains or Seeds“); bei Worlidge steht es nicht.
- Die Beeren bleiben im Ansatz bis zum Abziehen vom Hefesatz - Der Wortlaut schließt es nicht aus; dann gärt der Met auf den Beeren.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
