Met mit Himbeer-Branntwein und anderen Fruchtsäften
Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676) · England · 1676
Sie weichen auch Himbeeren vierundzwanzig Stunden lang in Branntwein ein und geben das zu ihrem Hydromel; das ist eine große Verbesserung desselben.
Dieselben Leute gewinnen auch die Säfte von Erdbeeren, Maulbeeren und Kirschen und verwenden sie in ihrem Hydromel ebenso, wie sie es mit den Himbeeren getan haben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Rasberries | Himbeeren | - | - | - |
| Aqua-Vitae | Branntwein | - | - | neutraler Obstbrand oder Wodka |
| Hydromel | Hydromel | - | - | - |
| Strawberries | Erdbeeren | - | - | - |
| Mulberries | Maulbeeren | - | - | - |
| Cherries | Kirschen | - | - | - |
Was ist das? Zwei Zusätze zum Met, die Worlidge den Leuten in Schweden, Moskowien und Russland zuschreibt; von ihnen und ihrem Himbeer-Met handeln die Absätze davor (wor-016, wor-017). „Hydromel“ ist bei ihm ein anderer Name für Metheglin, also Met aus Honig und Wasser. Mengen, Gefäße und den Zeitpunkt der Zugabe nennt er nicht; fest steht nur die Einweichzeit von vierundzwanzig Stunden.
Der Branntwein-Auszug. Die Himbeeren liegen einen Tag im Branntwein, der Geschmack und Farbe der Beeren aufnimmt. Ob nur der Branntwein oder Branntwein samt Beeren in den Met kommt, lässt „adde that“ offen, ebenso, ob der Auszug in den Ansatz vor der Gärung oder in den fertigen Met geht. Mit dem Auszug kommt in jedem Fall Alkohol in den Met; eine Menge nennt Worlidge nicht.
Die anderen Säfte. Erdbeeren, Maulbeeren und Kirschen verwenden „dieselben Leute“ so wie die Himbeeren. Für die Himbeeren kennt das Kapitel drei Wege: zerdrückt in Wasser ausgezogen, bevor der Honig dazukommt (wor-016), als eingemachter Saft ins gekochte und erkaltete Honigwasser (wor-017) und den Branntwein-Auszug dieses Absatzes. Welchen Weg er für die Säfte meint, sagt Worlidge nicht. Digbys russischer Met (dig-035) setzt Himbeeren oder Kirschen ins Ansatzwasser.
Woher die Gärung kommt. Hefe nennt der Absatz nicht; sie gehört zum Met, dem der Zusatz gilt. In den Himbeer-Rezepten davor wird mit einem in Bierhefe getauchten Röstbrot (wor-016) oder mit Hefe (wor-017) angesetzt.
Praxis. Historisch: Himbeeren einen Tag in Branntwein legen und das dem Met zugeben; Erdbeer-, Maulbeer- oder Kirschsaft so verwenden wie die Himbeeren, etwa im Ansatzwasser nach wor-016 oder ins erkaltete Honigwasser nach wor-017. Heute: Gibt man den Branntwein-Auszug erst in den durchgegorenen Met (modern „aufspriten“), stört sein Alkohol die Gärung nicht; der fertige Met wird dadurch stärker. Mengen dafür nennt Worlidge nicht.
Wer sind „sie“ und „dieselben Leute“?
Die Metmacher in Schweden, Moskowien und Russland. Von ihnen erzählt Worlidge in den Absätzen davor, wo er ihr Himbeer-Met-Rezept als das beste beschreibt, das er bei ihnen beobachtet habe.
Wann kommt der Himbeer-Branntwein in den Met?
Das sagt Worlidge nicht. Er schreibt nur, dass man ihn zum Hydromel gibt und dass das eine große Verbesserung sei. Auch Mengen nennt er nicht.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es geht um Met, ein Gärgetränk, das über Tage bis Monate gärt und lagert; das ist im Lager nicht verlässlich zu führen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (1676, England). Aus John Worlidges Buch über Cider und Obstweine die Getränke und die Kellerarbeit: wie man Cider mahlt, presst, vergärt, mit Hausenblase klärt, auf Fässer und Flaschen zieht, lagert, verdorbenen Cider kuriert und Fässer ausschwefelt; dazu Wasser-Cider, Ciderkin, gekochter und gewürzter Cider, Perry, Wein aus englischen Trauben und Claret, Kirsch-, Pflaumen-, Johannisbeer-, Stachelbeer-, Himbeer- und Aprikosenwein, Himbeer-Met der Schweden und Russen, Worlidges eigenes Metheglin und Birkenwein, auch mit Honig.
- Hydromel
Bei Worlidge gleichbedeutend mit Metheglin („Metheglin or Hydromel“), also Met aus Honig und Wasser. Das Wort ist griechisch und heißt wörtlich Wasserhonig.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Aqua-Vitae | brandy Q146470 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
extract the Juices
Gewählte Lesart: „gewinnen die Säfte“: Worlidge trennt in seiner Vorrede „Grinding, Preſſing, or Extracting their Juices“, und Ludwig 1706 gibt für „To extract“ sowohl „ausziehen“ als auch „auspreſſen“. Das Verfahren legt der Satz nicht fest.
Andere mögliche Lesarten:
- „pressen die Säfte aus“ - Ludwig 1706 nennt „auspreſſen“; der Satz selbst sagt aber nicht, dass gepresst wird.
- „ziehen die Säfte in Wasser aus“ - So verwendet Worlidge das Wort bei den Himbeeren davor: „that the Water may extract their taſte and colour“ (wor-016).
make the ſame uſe of them … as they did of the Rasberries
Gewählte Lesart: Wörtlich „ebenso, wie sie es mit den Himbeeren getan haben“, ohne einen der Himbeer-Wege festzulegen: Das Kapitel kennt Himbeeren im Ansatzwasser (wor-016), als eingemachten Saft im erkalteten Honigwasser (wor-017) und als Branntwein-Auszug (dieser Absatz).
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
