Weißer Met mit achtzehn Pflanzen im Kräutersud
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669
Die Kräuter: Nimm Rosmarin, Thymian, Weinrose, Poleiminze und Lorbeer, Brunnenkresse, Odermennig, Eibisch mit Blättern und Blüten, dazu Leberkraut, Heilziest, Augentrost und Skabiose, von jedem gleich viel. Nimm von der Rinde des Eschenbaums und von frischen Mannstreuwurzeln jeweils eine Menge im Verhältnis zu den Kräutern. Von wilder Engelwurz, Spitzwegerich, Sanikel und Römischem Wermut nimm ebenfalls jeweils eine bemessene Menge, nämlich auf jede Handvoll der oben genannten Kräuter einen sechzehnten Teil einer Handvoll von diesen letzteren.
Der Sud: Lass sie eine Nacht und einen Tag in einer hölzernen Schüssel mit Wasser zugedeckt ziehen. Am nächsten Tag koche sie sehr gründlich in einem anderen Wasser, bis die Farbe sehr kräftig ist. Dann nimm eine weitere Menge Wasser und koche die Kräuter darin, bis es grün aussieht. So lass es drei- oder viermal kochen, oder so lange, wie die Flüssigkeit noch irgendwie grün aussieht. Dann lass es mit diesen Kräutern darin einen Tag und eine Nacht stehen.
Der Honig: Gib auf jede Gallone dieses Wassers ein Quart reinen, klaren Honig, nachdem die Flüssigkeit zuvor von den Kräutern abgeseiht ist. Deine Flüssigkeit trägt, wenn sie stark genug ist, ein Ei, sodass ein Stück in der Breite eines Threepence über das Wasser ragt. Hast du den Honig in die Flüssigkeit gegeben, musst du beides einen ganzen Tag lang zusammen durcharbeiten, bis der Honig aufgelöst ist. Dann lass es wieder eine ganze Nacht zum Klären stehen.
Klären und Fass: Gib es dann in einen Kessel und lass es eine Viertelstunde kochen, mit dem Eiweiß und den Schalen von sechs Eiern. Seihe es dann sauber ab und lass es so stehen und abkühlen. Fülle es dann in ein Fass. Nimm Nelken, Muskatblüte, Zimt und Muskatnüsse und zerstoße sie zusammen, gib sie in einen Leinenbeutel und hänge ihn an einem Faden ins Fass.
Gären und verschließen: Willst du, dass er gärt, damit du gleich davon trinken kannst, nimm das Eiweiß von zwei oder drei Eiern, einen Löffel Bierhefe und einen Löffel Weizenmehl und schlage alles zusammen. Lass ihn gären, bevor du das Fass verspundest. Danach verschließe es gut mit Lehm und Salz, miteinander vermengt, damit es feucht bleibt.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Rose-mary | Rosmarin | - | - | - |
| Thyme | Thymian | - | - | - |
| Sweet-bryar | Weinrose | - | Online-Kräuterhandel, Staudengärtnerei | - |
| Peny-royal | Poleiminze | - | Kräuterhandel; beim Nachmachen besser weglassen, siehe Anmerkung | - |
| Bays | Lorbeer | - | - | - |
| Water-cresses | Brunnenkresse | - | - | - |
| Agrimony | Odermennig | - | Online-Kräuterhandel, Kräuterapotheke | - |
| Marsh-mallows, leaves and flowers | Eibisch, Blätter und Blüten | - | Online-Kräuterhandel, Staudengärtnerei | - |
| Liver-wort | Leberkraut | - | Online-Kräuterhandel | - |
| Wood-betony | Heilziest | - | Online-Kräuterhandel | - |
| Eye-bright | Augentrost | - | Online-Kräuterhandel | - |
| Scabious | Skabiose | - | Online-Kräuterhandel, Staudengärtnerei | - |
| the bark of Ash-tree | Eschenrinde | - | Online-Kräuterhandel | - |
| Eringo-roots-green | Frische Mannstreuwurzeln | - | Online-Kräuterhandel (schwer erhältlich) | - |
| wild Angelica | Wilde Engelwurz | - | Online-Kräuterhandel, Wiese | Gartenengelwurz |
| Ribwort | Spitzwegerich | - | Wiese, Kräuterhandel | - |
| Sanicle | Sanikel | - | Online-Kräuterhandel, Staudengärtnerei | - |
| Roman-worm-wood | Römischer Wermut | - | Online-Kräuterhandel, Staudengärtnerei | Wermut |
| water | Wasser | - | - | - |
| a quart of pure clear honey | reiner, klarer Honig auf jede Gallone Sud | 1 Quart | - | - |
| the whites and shells of six Eggs | Eiweiß und Schalen von 6 Eiern | 6 | - | - |
| Cloves | Nelken | - | - | - |
| Mace | Muskatblüte | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Cinamon | Zimt | - | - | - |
| Nutmegs | Muskatnüsse | - | - | - |
| the whites of two or three Eggs | Eiweiß von 2 oder 3 Eiern | - | - | - |
| a spoonful of barm | Löffel Bierhefe | 1 | Brauereibedarf, Hausbrauer-Laden | - |
| a spoonful of wheat-flower | Löffel Weizenmehl | 1 | - | - |
| clay and salt tempered together | Lehm und Salz | - | Töpferbedarf oder Baumarkt (Lehm) | - |
Was ist das? Ein Met, dessen Würze aus einem Sud von achtzehn Pflanzen und einem Gewürzbeutel im Fass kommt. Die Kräuter gären nicht mit, erst das abgeseihte Wasser bekommt den Honig. Digby erklärt das Beiwort „white“ hier nicht.
Die Mengen. Der Text bemisst die Pflanzen nur untereinander, nicht zum Wasser. Wie viele Handvoll auf eine Gallone kommen, sagt er nicht. Auch die Wassermengen der einzelnen Kochgänge fehlen.
Das Auskochen. Das Ende richtet sich nach der Farbe, Kochzeiten nennt der Text nicht. Dass die früheren Wasser weggegossen werden, steht nur in der kurzen Fassung, hier heißt es lediglich „this water“. Einen Grund für das Verfahren gibt Digby nicht.
Der Honig. Hier stehen zwei Maßstäbe nebeneinander, das Hohlmaß und die Eierprobe. Was gilt, wenn sie nicht übereinstimmen, sagt der Text nicht. Das Durcharbeiten ist Handarbeit und noch keine Gärung, ein Gerät nennt Digby nicht.
Das Klären. Eiweiß und Schalen kochen mit, das Abseihen hält danach zurück, was sich gesammelt hat. Digby begründet den Schritt nicht.
Die Gärung. Eiweiß, Bierhefe und Mehl werden zusammengeschlagen. Dass die Mischung ins Fass kommt, steht nicht hier, sondern bei der Countess of Dorset. Ohne den Zusatz gärt der Met mit der Fasshefe, der eingefahrenen Hefe im Holz eines immer wieder für Met oder Wein benutzten Fasses; der Zusatz soll ihn nur früher trinkbar machen. Wie lange der Met gärt und woran man das Ende erkennt, sagt der Text nicht. Offen bleibt auch, ob „it“ in „to keep it moist“ den Verschluss oder den Met meint.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 Quart Honig auf 1 Gallone Wasser (1 : 4), Einkochen nicht beziffert | 247-381 g/l | 1,096-1,147 | 96-147 | 22,8-33,7 | 14,7-22,6 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Wasser stehen im selben Maßsystem (ein Quart ist ein Viertel Gallone), die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Digby beziffert das Einkochen nicht (eine Viertelstunde Kochen mit den Eiern, dazu die Eierprobe als zweiter Maßstab); die Rechnung setzt deshalb einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind der Kräuterauszug, die Gewürze im Beutel, Eiweiß und Schalen zum Klären sowie der Gärzusatz aus Eiweiß, Bierhefe und Mehl.
Praxis. Am Feuer beziffert der Text nur die Viertelstunde des Klärens, der ganze Tag des Durcharbeitens zählt nicht dazu. Das rohe Eiweiß des Zusatzes kommt in den gekochten Ansatz, deshalb gehören nur frische Eier und saubere Gefäße dazu. Heutiger Hinweis, nicht bei Digby: Wer heute ohne den Zusatz und ohne eingefahrenes Fass ansetzt, gibt Weinhefe zu. Poleiminze lässt man besser weg (siehe Anmerkung).
Wo bekomme ich die ausgefallenen Kräuter, etwa Mannstreu, Römischen Wermut oder Sanikel?
Kräuterhandel und Staudengärtnereien sind die ersten Adressen, frische Mannstreuwurzeln sind schwer zu bekommen. Anders als bei der Countess of Dorset (dig-055) stellt Digby hier die Auswahl nicht frei. Fehlt eine Pflanze, setzt man den Met ohne sie an und kennzeichnet das als Abwandlung.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Schon vor dem Fass liegen mehrere Tage und Nächte, danach gärt der Met im Fass, und Digby nennt dafür keine Dauer. Gärung und Lagerung über Tage bis Monate sind im Lager nicht verlässlich zu führen.
Was bedeutet „work“ in diesem Rezept?
Digby benutzt das Wort in zwei Bedeutungen. „Work and Labour it together a whole day“ heißt von Hand durcharbeiten, bis der Honig aufgelöst ist. In „If you would have it work“ und „Let it work, before you stop it up“ ist das Gären gemeint. Erst danach kommt der Verschluss aus Lehm und Salz.
Was ist die Eierprobe mit dem Threepence?
Ein Ei wird in die Flüssigkeit gelegt. Ist sie stark genug, trägt sie das Ei so, dass ein Stück in der Breite eines Threepence über das Wasser ragt. Eine Zahl nennt Digby dafür nicht.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.
- White Meath
Digby erklärt das Beiwort hier nicht, obwohl der Sud so lange gekocht wird, wie er noch grün aussieht.
- Sweet-bryar
Weinrose oder Eglantine (Rosa rubiginosa), nicht Brombeere. Digby nennt hier keinen Pflanzenteil; in anderen Rezepten des Buchs sind es meist die Blätter.
- Peny-royal
Poleiminze (Mentha pulegium). Sie enthält Pulegon und gilt heute als bedenklich, beim Nachmachen lässt man sie besser weg und kennzeichnet das als Abwandlung.
- Eringo-roots-green
Wurzeln des Mannstreus (Ludwig 1706: „eringo, mannstreu“), hier frisch und nicht getrocknet. Das „Receipt“ (dig-083) schreibt „young Eringo-roots“.
- Roman-worm-wood
Römischer Wermut, eine Wermut-Art. Die genaue Art nennt Digby nicht.
- Gallon
Englisches Hohlmaß, deutsch Gallone; ein Quart ist ein Viertel Gallone. Digby sagt nicht, welche Gallone er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Hier kürzt sich das heraus, weil Honig und Wasser im selben Maß stehen.
- three pence
Englische Silbermünze zu drei Pence, kleiner als der Groat. Sie ist hier das Maß der Eierprobe, Millimeter nennt Digby nicht.
- work and Labour
Hier kein Gären, sondern Handarbeit, bis der Honig aufgelöst ist. In einem anderen Rezept nennt Digby „labouring it with his hands“ (dig-015). Erst „have it work“ und „Let it work“ weiter unten meinen das Gären.
- presently
Das Wort heißt damals sofort, alsbald (Ludwig 1706: „alsbald“). Hier meint es: ohne lange Lagerung, denn auch dieser Met gärt vorher. Wie bald, sagt Digby nicht.
- clay and salt tempered together
Lehm und Salz, miteinander vermengt, als Verschluss des Fasses. Den Zweck „to keep it moist“ nennt nur diese Fassung.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Rose-mary | rosemary Q122679 |
| Peny-royal | pennyroyal Q161235 |
| Ribwort | Plantago lanceolata Q157408 |
| water | water Q283 |
| the whites and shells of six Eggs | chicken egg Q15260613 |
| Cloves | clove Q15622897 |
| Mace | mace Q1882876 |
| Cinamon | cinnamon Q28165 |
| Nutmegs | nutmeg Q83165 |
| the whites of two or three Eggs | egg white Q796758 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
of each a proportion ... a sixteenth part of a handful
Gewählte Lesart: Das Sechzehntel gilt für Engelwurz, Spitzwegerich, Sanikel und Römischen Wermut, bei denen „which is“ steht. Für Eschenrinde und Mannstreu bleibt es bei „a proportion to the herbs“ ohne Zahl.
Andere mögliche Lesarten:
- Das Sechzehntel gilt auch für Eschenrinde und Mannstreu. - Beide tragen dieselbe Wendung „of each a proportion“, die Zahl steht aber erst bei der letzten Gruppe.
- „Herbs above-named“ schließt Rinde und Wurzeln in die Bezugsmenge ein. - Beide stehen vor der letzten Gruppe, die Handvoll passt aber schlecht zu Rinde.
Liver-wort
Gewählte Lesart: Leberkraut, nach Ludwig 1706 („liver-wort, leberkraut, hepatique“) und wie in den übrigen Digby-Rezepten. Welche Pflanze gemeint ist, legt der Text nicht fest.
Andere mögliche Lesart:
- Lebermoos oder Leberblümchen. - Der englische Name wird auf mehrere Pflanzen bezogen. Digby nennt keine Art.
Bays
Gewählte Lesart: Lorbeerblätter: Das Wort steht in einer Reihe mit Blattkräutern, und Digby nennt anderswo „Bay-leaves“ (dig-011, dig-016).
Andere mögliche Lesart:
- Lorbeerbeeren - Das Wort deckt beides; in dieser Kräuterliste passt es schlechter.
so let it boil three or four times
Gewählte Lesart: Drei- oder viermal in jeweils neuem Wasser, weiter geht es nur mit dem letzten. Die Schwesterfassungen stützen das: „in several waters“ (dig-055), „The first waters are thrown away“ (dig-029).
Andere mögliche Lesart:
- Die Kochgänge werden zusammengegossen oder das zweite Wasser kocht mehrfach auf. - Diese Fassung sagt das Wechseln beim letzten Schritt nicht ausdrücklich, „this water“ bleibt unbestimmt.
If you would have it work, that you may drink of it presently
Gewählte Lesart: Der Zusatz aus Eiweiß, Bierhefe und Mehl gehört zum Fall, dass der Met gären und gleich getrunken werden soll. Verschlossen wird in jedem Fall.
Andere mögliche Lesart:
- Auch ohne Zusatz soll der Met vor dem Verschließen gären. - Der Wortlaut schließt das nicht aus. Die Gärung trägt dann die Fasshefe des Fasses.
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Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
