Kräuter-Speck-Umschlag gegen Schlangenbiss und Hundebiss
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Gegen einen Stich oder das Gift von Schlangen oder Ottern.
Nimm Betonie, Odermennig und ranzigen Speck, stoße sie zusammen fein und lege es auf die Wunde. Das soll sie vor dem Schwären bewahren. Es soll auch gut sein beim Biss eines tollwütigen Hundes, damit die Wunde nicht schwärt, oder um einen Dorn herauszuziehen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Bittony | Betonie | - | - | - |
| Egrimony | Odermennig | - | - | - |
| rusty bakon | Ranziger Speck | - | - | - |
Was ist das? Ein Wundumschlag: Betonie, Odermennig und ranziger Speck werden zusammen fein gestoßen, die Masse kommt auf die Wunde. Mengen, ob die Kräuter frisch oder getrocknet sind und wie lange die Auflage liegen bleibt, sagt die Handschrift nicht.
Die Überschrift. Die Hand schreibt deutlich „For a stinking“. Gemeint ist sehr wahrscheinlich „stinging“, der Stich: Gerards Herball (1633) spricht in derselben Wendung von „the stinging and poyson of Serpents“, und das Mittel wird auf eine Wunde gelegt.
Ranziger Speck. Im Rezept ist er das Fett, mit dem die Kräuter zu einer Masse gestoßen werden. Dasselbe Verfahren kennt ein Volksmittel, das Britten und Holland (1886) unter „Fellon-wort“ zitieren: Blätter oder Beeren „stamped with rusty bacon“ werden auf einen entzündeten Finger gelegt.
Einordnung. Der Eintrag zeigt, wie eine Hausapotheke des 17. Jahrhunderts Biss- und Stichwunden mit aufgelegten Wundkräutern versorgte; er ist ein Zeugnis dieser Praxis, keine Behandlungsanleitung. Dass der Umschlag das Schwären verhütet, Gift auszieht oder einen Dorn herauszieht, ist der Anspruch der Handschrift. Betonie und Odermennig sind keine Gefahrstoffe; das Rezept wird hier dennoch nicht zum Nachmachen aufbereitet.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Es ist kein Essen, sondern ein Wundumschlag aus dem Arzneiteil des Buchs. Arznei gehört nicht in die Lagerküche, und wir geben keine Anleitung zur Selbstbehandlung.
Kann man das heute bei einem Biss anwenden?
Nein. Der Eintrag ist ein historisches Dokument der Hausmedizin des 17. Jahrhunderts und keine Anwendungsempfehlung.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- rusty bakon
Ranziger, alt gewordener Speck. „Rusty“ ist hier eine Nebenform von „reasty“, „resty“: Halliwell (1846) erklärt das Wort mit „rancid“ und belegt „Restie or rustie bacon“ aus einem Nomenclator von 1585; das Glossar der Digby-Ausgabe von 1910 führt „resty, reasty“ ebenso als ranzig.
- Rankling
Ludwig (1706) gibt „to rankle“ mit „faul werden, geschweren“ wieder: Die Wunde soll nicht schwären und eitern.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
For a stinking
Gewählte Lesart: „Stich“: Die Hand schreibt deutlich „stinking“, gemeint ist aber sehr wahrscheinlich „stinging“. Gerards Herball (1633) gebraucht dieselbe Wendung „the stinging and poyson of Serpents“, Cogans Haven of Health (1636) nennt „the biting of a mad dog, or stinging of any venomous worme“ in einem Atemzug - genau die Paarung dieses Eintrags.
Andere mögliche Lesart:
- Wörtlich „stinkend“, also gegen eine stinkende, brandige Wunde. - Ludwig kennt „stinking“ nur als Adjektiv („stinckend“); ein Substantiv „a stinking“ für eine Wunde ist nicht belegt, und die Überschrift stellt es neben das Schlangengift.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
