Fehlerhaften Most oder Wein mit brennendem Efeu richten
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Ebenso sagen etliche, und zwar die meisten, man solle Efeu (Hedera) anzünden und ihn in Most oder Wein, der fehlerhaft geworden ist, ablöschen; davon komme er wieder zurecht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Epheu (Hedera) | Efeu (Hedera) | - | - | - |
| Moſt oder wein der mangelhafftig woꝛden | Most oder Wein, der fehlerhaft geworden ist | - | - | - |
Was ist das? Ein Hausmittel aus der Reihe der Mittel gegen verkehrten und trüben Wein: Efeu wird angezündet und brennend in den Most oder Wein getaucht, bis er darin erlischt. „Ablöschen“ heißt im älteren Deutsch genau das, einen brennenden oder glühenden Körper in einer Flüssigkeit löschen.
Was offen bleibt. Rasch nennt keinen bestimmten Fehler, keinen Pflanzenteil, keine Menge und keine Wiederholung. Ob grüner oder getrockneter Efeu gemeint ist, bleibt offen; grüner brennt schlecht. Eine Wirkung, die man heute benennen könnte, ist nicht belegt, und Rasch selbst gibt das Mittel nur als Meinung der meisten weiter.
Praxis. Nicht nachmachen, um den Wein danach zu trinken: Efeu gilt heute als Giftpflanze, vor allem die Beeren. Dazu kommt offenes Feuer am Fass im Keller.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist kein Gericht, sondern eine Kellerbehandlung von Most oder Wein, und Efeu gilt heute als Giftpflanze.
Verbürgt sich Rasch für das Mittel?
Nein. Er gibt es als Meinung anderer weiter: „etlich vnd die mehristen sagen“. Genauso leitet er das Diptam-Mittel davor ein.
Welcher Teil des Efeus und wie viel?
Das sagt der Text nicht. Er nennt weder Ranken noch Blätter, keine Menge und nicht, ob der Efeu frisch oder trocken sein soll.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
- mangelhafftig
Fehlerhaft, mit einem Schaden. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erklärt „mangelhaft“ als „fehlerhaft, einen Schaden aufweisend“, das Grimmsche Wörterbuch gibt für „mangelhaftig“ lateinisch vitiosus. Gemeint ist ein Most oder Wein mit einem Fehler; welchen, sagt der Text nicht.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
