Wein mit Rautensamen stärken
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Ebenso: Etliche pulverisieren Rautensamen und hängen ein Pfund davon in den Wein. Er wird davon so stark, dass er auch betrunken macht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Rautenſamen | ein pfund Rautensamen, gepulvert | 1 Pfund | - | - |
| wein | der behandelte Wein, Menge nicht genannt | - | - | - |
Was ist das? Ein Zeugnis der Kellerpraxis, keine Anleitung: Weinraute gilt innerlich in größerer Menge als giftig. Rasch gibt hier als zweites Mittel gegen schwachen Wein weiter, was „etliche“ tun: Rautensamen pulverisieren und ein Pfund davon in den Wein hängen.
Ein Pfund auf wie viel Wein? Eine Weinmenge, ein Behältnis und eine Dauer nennt der Eintrag nicht. Im vorigen Eintrag hängen Zucker und Hirschhornfeilspäne jedes für sich in einem Leinensäckel im Wein. Marx Rumpolts Kochbuch von 1581 bringt dieselbe Maßnahme mit „ein Pfundt gestossenen Rautensamen“ auf „einem Fuder Weins“, dazu ein Viertel Zucker. Das Pfund ist also das Gewicht des Samens; ob Rasch ebenfalls an ein Fuder denkt, sagt sein Text nicht. Heute würde man ein solches Pulver in einem Leinensäckchen einhängen, wie es der vorige Eintrag verlangt.
Stark und berauschend? Heutige Einordnung: Rautensamen bringt keinen nennenswerten Zucker in den Wein, der vergären könnte, und erhöht den Alkoholgehalt nicht. Was er abgibt, ist ein kräftiger, bitterer Würzgeschmack. Raschs Satz, der Wein mache davon „auch betrunken“, lässt sich so nicht bestätigen.
Praxis. Nicht nachmachen. Die Weinraute (Ruta graveolens) gilt innerlich in größerer Menge als giftig, ihr Saft kann auf der Haut zusammen mit Sonnenlicht Reizungen auslösen. Ein Pfund ihrer Samen gehört nicht in ein Getränk.
Was heißt „etlich pulueriern“?
„Etliche pulverisieren“: etlich steht hier für „manche Leute“, beide Verben sind Mehrzahl. Rasch gibt also einen Brauch anderer weiter und spricht den Leser nicht direkt an.
Auf wie viel Wein kommt das Pfund Rautensamen?
Rasch nennt keine Weinmenge. Marx Rumpolts Kochbuch von 1581 setzt dieselbe Maßnahme mit einem Pfund gestoßenem Rautensamen auf ein Fuder Wein an.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Es ist eine Kellerbehandlung für Wein im Fass, kein Gericht, und die Weinraute gilt innerlich in größerer Menge als giftig.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| wein | wine Q282 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
etlich pulueriern Rautenſamen/ vnd hencken
Gewählte Lesart: „Etliche pulverisieren Rautensamen und hängen“: „etlich“ ist substantiviertes Subjekt (FWB etlich 1 „irgendjemand“; Fischer, Augsburger Chronik „Etlich Leut mainen …, etlich mainen“), beide Verben stehen in der 3. Person Plural. Rasch berichtet einen Brauch anderer, wie in „Ebenso sagen etliche“ an anderer Stelle im Buch.
Andere mögliche Lesart:
- „Etliche Rautensamen pulverisieren und ein Pfund in den Wein hängen“ als Anweisung - „etlich“ wäre dann Attribut zu Rautensamen. Dagegen sprechen die Pluralformen der Verben und das folgende feste „ein pfund“, das zu einer unbestimmten Menge „etliche“ nicht passt.
hencken ein pfund in wein
Gewählte Lesart: Ein Pfund des Pulvers wird in den Wein gehängt; ein Behältnis nennt der Eintrag nicht, die Übersetzung ergänzt keines.
Andere mögliche Lesart:
- in einem Leinensäckel eingehängt - Der vorige Eintrag hängt Zucker und Hirschhorn „in einem leinen ſaͤckel in wein“, Rumpolt (rum-1950) hängt in der ersten Fassung ebenfalls im Säcklein. Lose Pulver lässt sich kaum „hängen“, die Lesart liegt nahe, steht aber nicht hier.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
