Schwachen Wein mit Steinfeder, Eppich und Fenchelsamen verbessern
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Aus einem schwachen Wein kannst du einen erlesenen, guten Wein machen, auf diese Weise: Nimm Blätter von Steinfeder und Eppich, dazu Fenchelsamen, von jedem eine Handvoll, und lege sie in das Fass.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Bletter von Stainfeder | Blätter von Steinfeder, eine Handvoll | 1 | - | - |
| Eppich | Blätter von Eppich, eine Handvoll | 1 | - | - |
| Fenchelſamen | Fenchelsamen, eine Handvoll | 1 | - | - |
Was ist das? Ein kurzer Kellerratschlag: Ein schwacher Wein soll durch drei Pflanzen im Fass zu einem erlesenen Wein werden. Rasch nennt die Pflanzen und je eine Handvoll, sonst nichts: keine Fassgröße, keine Dauer, kein Säckchen, kein Abziehen.
Die Steinfeder. In Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts ist Steinfeder ein Name des Widerthon, lateinisch trichomanes, heute Brauner Streifenfarn (Asplenium trichomanes). Das passt zu den „Blättern“, die Rasch verlangt. Die Deutung als Federgras stammt erst aus Wörterbüchern um 1800.
Was die Zugabe bewirkt. Rasch verspricht nur das Ergebnis, eine Begründung gibt er nicht. Heutige Einordnung: Eppich und Fenchelsamen geben dem Wein Duft und Geschmack ab, Alkohol oder Körper bringen sie nicht. Die Besserung liegt also im Geschmack, nicht in der Stärke.
Praxis. Wer es heute an einem kleinen Gebinde versucht (modern), gibt die Pflanzen in ein sauberes Leinensäckchen, damit sie sich wieder herausnehmen lassen, und probiert den Wein regelmäßig, weil der Text weder Dauer noch Menge je Fass nennt.
Welche Pflanze ist die „Steinfeder“?
Wahrscheinlich der Braune Streifenfarn, ein kleiner Farn an Mauern und Felsen. Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts nennen ihn Steinfeder oder Widerthon. Wörterbücher um 1800 kennen den Namen auch für das Federgras, für Raschs Zeit ist das aber nicht belegt.
Wie lange bleiben die Kräuter im Fass?
Das sagt Rasch nicht. Er sagt auch nicht, ob sie lose ins Fass kommen oder in einem Säckchen hängen, wie er es bei anderen Zugaben vorschreibt, und nicht, für welche Fassgröße die Handvoll gilt.
Ist das etwas für die Lagerküche?
Nein. Es ist keine Speise, sondern eine Behandlung für ein Weinfass.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
- Eppich
Eppich ist im Frühneuhochdeutschen meist der Sellerie (Apium graveolens); das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch kennt daneben die Petersilie. Gemeint sind hier die Blätter.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Eppich | celery Q28298 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Stainfeder
Gewählte Lesart: Brauner Streifenfarn (Asplenium trichomanes). Kräuterbücher des 16. Jahrhunderts führen „Steinfeder“ als Namen des Widerthon, lateinisch trichomanes (Wirsungs Arzneibuch 1588 und Megiser 1603 nach Grimm; Cordus nach Pritzel/Jessen). Das passt zu „Bletter“.
Andere mögliche Lesarten:
- Federgras (Stipa pennata) - Campe (1807) nennt als zweite Bedeutung das Steinfedergras, nach Nemnich um 1800. Für das 16. Jahrhundert ist das nicht belegt, und Blätter eines Grases wären eine ungewöhnliche Angabe.
- Engelsüß (Tüpfelfarn, Polypodium vulgare) - Ebenfalls ein Farn an Steinen, aber kein Wörterbuch führt ihn unter dem Namen Steinfeder.
koͤſtlichen
Gewählte Lesart: „erlesen“: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch gibt für köstlich „wertvoll, erlesen, von höchster Qualität“.
Andere mögliche Lesart:
- „köstlich“ im heutigen Sinn von wohlschmeckend - Die Geschmacksbedeutung ist jünger; Rasch stellt den guten, wertvollen Wein dem schwachen gegenüber.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
