Wein vor dem Anzapfen wie das Bier mit gebranntem Salz behandeln
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Ebenso: Das kannst du auch mit einem Wein tun, bevor man ihn anzapft.
Was ist das? Ein Nachsatz von einer Zeile. Er überträgt das unmittelbar davor stehende Mittel gegen trübes Bier auf den Wein: Auch ihm soll man es geben, bevor das Fass angezapft, also zum Ausschenken angestochen wird.
Worauf „das“ zielt. Der Satz hat im Druck keine eigene Überschrift und steht direkt unter dem Bier-Mittel: eine Handvoll gutes gebranntes Salz mit Wasser gemengt, ein oder zwei Maß davon ins Fass, über Nacht ruhen lassen. Ob beim Wein dieselbe Menge und dieselbe Nachtruhe gelten und ob der Wein dafür trüb sein muss, sagt Rasch nicht.
Praxis. Ein eigenes Verfahren gibt es hier nicht. Wer es nachvollziehen will, arbeitet nach dem Bier-Eintrag und weiß, dass Rasch dessen Angaben für den Wein nicht wiederholt. Heutige Einordnung: Salz ist im heutigen Keller kein übliches Klär- oder Schönungsmittel; eine Wirkung über das hinaus, was Rasch beim Bier verspricht, ist damit nicht belegt.
Worauf bezieht sich das „das“ in diesem Eintrag?
Auf das Mittel unmittelbar davor: Gegen Bier, das beim Transport trüb geworden ist, mengt man eine Handvoll gutes gebranntes Salz mit Wasser, gießt ein oder zwei Maß davon ins Fass und lässt es über Nacht ruhen. Rasch sagt, man könne das auch beim Wein tun, bevor man ihn anzapft.
Gelten beim Wein dieselbe Menge und dieselbe Ruhezeit?
Das sagt Rasch nicht. Er wiederholt die Angaben des Bier-Eintrags nicht.
Ist das etwas für die Lagerküche?
Nein. Es ist eine Kellerbehandlung für ein Weinfass, kein Kochrezept.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
das magſtu auch einem wein thun
Gewählte Lesart: „das“ meint das unmittelbar davor stehende Mittel gegen trübes Bier, das gebrannte Salz mit Wasser im Fass. Grund: Der Satz steht im Druck ohne eigene Überschrift unter diesem Absatz; die nächste Überschrift beginnt erst danach.
Andere mögliche Lesart:
- „das“ meint nur den Zusatz selbst (Salzwasser), nicht Menge und Nachtruhe des Bier-Eintrags. - Sprachlich möglich; der Satz wiederholt keine Angabe, deshalb bleibt offen, wie viel vom Bier-Verfahren für den Wein gilt.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
