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Bier mit roter Benediktenwurzel und wildem Salbei angenehm machen

Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchRasch: Weinbuch (~1580)

Wie man ein Bier machen soll, damit es angenehm zu trinken ist.

Ebenso: Hänge ein halbes Pfund rote Benediktenwurzel mit wildem Salbei hinein.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Bier Bier - - -
ein halb pfund rothe Benedicten wurtzel ein halb pfund rothe Benedicten wurtzel ½ Pfund - -
wilder Salbey wilder Salbey - - -

Was ist das? Ein fertiges Bier wird mit einer Wurzel und einem Kraut nachgewürzt, damit es „lieblich zu trinken“ ist, also angenehm schmeckt. Gebraut wird hier nichts; Wurzel und Salbei werden nur ins Bier gehängt.

Die Wurzel. Die rote Benediktenwurzel ist am ehesten die Wurzel der Echten Nelkenwurz, deren Geruch an Gewürznelken erinnert. Rasch kennt sie als wohlriechende Wurzel auch aus dem Weinkapitel (ras-072). Was „rot“ unterscheidet, ist nicht geklärt.

Der wilde Salbei. Unter dem Namen liefen im 16. Jahrhundert mehrere Pflanzen: Wiesensalbei, Scharlei und der Salbei-Gamander. Welche Rasch meint, lässt sich nicht entscheiden. Gamanderarten werden heute mit Leberschäden in Verbindung gebracht; wer nachmacht, nimmt deshalb nur einen sicher bestimmten Salbei.

Hängen. Der Text sagt nur „henck darein“. Ein Behältnis, die Dauer und ob man die Würze wieder herausnimmt, nennt er nicht. Hängen statt Legen lässt an ein späteres Herausnehmen denken, das ist eine Deutung.

Praxis. Heute gibt man Wurzel und Salbei am besten in ein Leinensäckchen (modern), hängt es in ein Fässchen oder einen großen Krug mit fertigem Bier und kostet täglich, bis der Geschmack passt. Das halbe Pfund Wurzel ist Raschs Menge für eine Biermenge, die er nicht nennt; für eine kleine Menge Bier entsprechend weniger nehmen und vorsichtig beginnen.

Was ist die rote Benediktenwurzel?

Am wahrscheinlichsten die Wurzel der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum), die nach Nelken riecht. Rasch hängt dieselbe Wurzel unter dem Namen Caryophyllata auch in Wein (ras-072). Was das „rot“ meint, bleibt offen.

Wie viel Bier, wie viel Salbei und wie lange?

Das sagt Rasch nicht. Er nennt nur das halbe Pfund Wurzel; die Menge des Salbeis, die Menge des Biers und die Dauer musst du selbst ausprobieren.

Ist das etwas für die Lagerküche?

Nein. Es ist eine Kellerbehandlung von Bier, kein Gericht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.

Wie man ein Bier ſol machen, daß es lieblich zu trincken ſey. Item, henck darein ein halb pfund rothe Benedicten wurtzel mit wilder Salbey.
henck darein

„Hänge hinein“, nämlich ins Bier. Ein Beutel oder Bündel wird nicht genannt, auch nicht, wie lange Wurzel und Kraut darin bleiben.

Druck
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben
Teil
Vom Bier
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)
Entstehung
Wien / München, 1580

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Bierbeer Q44

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartrothe Benedicten wurtzel

Gewählte Lesart: Wurzel der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum). Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt unter „benedicte“ zuerst die Nelkenwurz, Lexer setzt „benedicten-wurz“ mit gariofilus gleich, und Rasch selbst beschreibt die Benedictenwurz in ras-072 als wohlriechende Wurzel, die Apotheker Caryophyllata nennen. Was „rot“ von einer anderen Benediktenwurzel unterscheidet, sagt kein Beleg.

Andere mögliche Lesart:

  • Benediktendistel (Cnicus benedictus) - Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt den Namen auch für sie; sie wird aber als Kraut gebraucht, der Text nennt ausdrücklich die Wurzel.

Lesartwilder Salbey

Gewählte Lesart: Eine wildwachsende salbeiähnliche Pflanze, im Gegensatz zum Gartensalbei; welche, sagt Rasch nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Wiesensalbei (Salvia pratensis) - Campe führt „wilde Salbei oder Wiesensalbei“.
  • Scharlei, Muskatellersalbei (Salvia sclarea) - Das Mittelniederdeutsche Wörterbuch erklärt „scharleye“ als wilde Salbei.
  • Salbei-Gamander (Teucrium scorodonia) - Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt ihn unter „gamander“ wilden Salbei, Grimm ebenso unter „Waldsalbei“.

Originalwerk (~1580) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 109, München, Bayerische Staatsbibliothek (bsb00027343), Public Domain Mark 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach den Scans der Bayerischen Staatsbibliothek, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ras-123
LagerkücheLagerküche
Kellerbehandlung von Bier, kein Gericht für die Lagerküche.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.