Sauer gewordenes Bier mit Salz und Asche behandeln
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Wenn ein Bier sauer geworden wäre, auf dem Bottich oder anderswo.
Nimm ein oder zwei Handvoll Salz, ebenso viel Asche und ein Maß oder drei Wasser, rühre es untereinander und verspunde es gut, sonst liefe alles heraus, und lass es so ausbrausen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Bier | Bier, sauer geworden, im Bottich oder anderswo | - | - | - |
| ein oder zwo hand voll Saltz | ein oder zwei Handvoll Salz | - | - | - |
| ſo viel aſchen | ebenso viel Asche | - | - | - |
| ein maß oder dꝛey waſſer | ein Maß oder drei Wasser | - | - | - |
Was ist das? Ein Mittel für Bier, das sauer geworden ist, ob noch im Bottich oder schon anderswo. Der Text nennt Salz, Asche und Wasser in groben Spannen, das Verrühren, das feste Verspunden und das Ausbrausen. Wie viel Bier, welche Asche, wie lange und woran man das Ende erkennt, sagt er nicht.
Bottich oder Fass. Ein Bottich ist ein offenes Gefäß; verspunden lässt sich eigentlich nur ein Fass. Das „oder sonst“ der Überschrift lässt beides zu, Coler schreibt an der Stelle „oder sonsten im Fasse“. Rumpolt setzt statt des Verspundens „ein tuch mit ein spundt“ davor (rum-2011).
Asche. Welche Asche, sagt Rasch hier nicht. In anderen Biermitteln nennt er sie: Buchenasche (ras-132), Birkenasche (ras-138), Beifuß- und Buchenasche (ras-139).
Verspunden und Ausbrausen. Das Verspunden begründet Rasch selbst: sonst liefe alles heraus. Heutige Einordnung: Asche ist alkalisch und kann einen Teil der Säure abstumpfen, dabei wird Kohlensäure frei; auch Salz lässt in kohlensäurehaltigem Bier Schaum aufsteigen. Die Säuerung selbst wird dadurch nicht rückgängig gemacht, und Salz- und Aschegeschmack kommen hinzu.
Praxis. Nachstellen nur als Versuch an einem ohnehin verdorbenen Bier, nicht zum Trinken. Ein fest verspundetes Gefäß mit aufbrausendem Inhalt steht unter Druck, der Spund kann herausfliegen; heute würde man den Spund erst setzen, wenn das Brausen nachlässt (modern). Asche ist keine Lebensmittelzutat, und Asche aus behandeltem Holz, Kohle oder Briketts enthält Schadstoffe.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Es ist kein Gericht, sondern eine Behandlung von saurem Bier, und die Kellereinträge des Weinbuchs führen wir grundsätzlich nicht als Lagerküche.
Was heißt „versausen lassen“?
Ausbrausen lassen, bis das Brausen aufhört. Dass es braust, sagt Rasch selbst: ohne Spund liefe alles heraus.
Wird saures Bier dadurch wieder gut?
Nach heutigem Wissen nicht: Die Asche kann einen Teil der Säure abstumpfen, die Säuerung selbst bleibt, und Salz und Asche schmeckt man. Rasch selbst nennt kein Ergebnis.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
- puͤttich
Bottich, Bütte: ein großes hölzernes Gefäß (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch: bütting „Bütte, Wanne“). Johann Coler schreibt 1596 an derselben Stelle „auff der Butt oder Bottich“.
- maß
Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Welches Maß Rasch meint, sagt er nicht.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Bier | beer Q44 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
verſauſen
Gewählte Lesart: Ausbrausen lassen, bis das Brausen aufhört: das Deutsche Wörterbuch führt versausen als „zu ende sausen, aufhören zu sausen“, mit Paracelsus' „man musz es versausen lassen“. Das passt zur Warnung, sonst liefe alles heraus.
Andere mögliche Lesart:
- Durchbringen, verschwenden (Rheinisches Wörterbuch). - Gleichlautend, ergibt bei einem Gefäß, das überzulaufen droht, keinen Sinn.
ruͤhꝛ es vnder einander / verſpuͤndte es
Gewählte Lesart: Salz, Asche und Wasser kommen ins Bier und werden darin verrührt; verspundet wird das Gefäß mit dem Bier. Nur Bier im Gefäß kann herauslaufen. Rumpolt schreibt „das darvnder ruͤren“ (rum-2011), Coler „wirff ... hinein“.
Andere mögliche Lesart:
- Salz, Asche und Wasser werden erst für sich verrührt und dann ins Bier gegeben. - Möglich, denn ein Eingießen nennt Rasch nicht ausdrücklich; am Ergebnis ändert es nichts.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
