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Haferkörner in Erbsenbrühe mit Butter

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Haferkörner, lasse sie quellen und wasche sie aus. Wenn sie sauber verlesen sind, setze sie mit Erbsenbrühe auf. Lasse sie mit Butter und Salz langsam sieden, so wird es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Haberkern Haferkörner - Bioladen oder Supermarkt (Haferkerne) -
Erbeßbruͤh Erbsenbrühe - aus getrockneten Erbsen selbst kochen -
Butter Butter - - -
Saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? Haferkörner, in Erbsenbrühe mit Butter und Salz langsam gesotten: eine schlichte, körnige Hafersuppe aus Rumpolts Suppenkapitel. Sie gehört zu einer Reihe gleich gebauter Nummern, in denen Reis (rum-1631) oder Gerste (rum-1632) denselben Weg nehmen: quellen, waschen, verlesen, in Erbsenbrühe aufsetzen. Heute erinnert sie an eine Graupen- oder Hafersuppe; das ist nur ein Formvergleich.

Quellen. Rumpolt schreibt nur „quell vnd wasch sie auß“. Wo er ausführlicher wird, ist „quellen“ ein Vorgang in Wasser, meist in heißem: Leber und Hecht „quell sie in heissem Wasser“ (rum-0650, rum-1007), den Reis zum Lungenbraten setzt er „mit Wasser auff/ vnd laß jn quellen“ (rum-0043). Die Haferkörner werden also in Wasser vorgebrüht, abgegossen und ausgewaschen. Gar werden sie erst danach in der Erbsenbrühe.

Waschen und Verlesen. Das sind zwei Schritte: Erst wird das Korn ausgewaschen, dann sauber verlesen, also Steinchen, Spelzen und fremde Körner herausgesucht.

Haferkörner. Ob Rumpolt ganze, geschälte oder gebrochene Körner meint, sagt der Text nicht. Nimm geschälte Haferkörner (Haferkerne). Grütze, also gebrochenes Korn, gart schneller, ist aber nicht das Wort, das Rumpolt hier gebraucht.

Garen. „Gemach sieden“ heißt bei schwacher Hitze sieden lassen. Butter und Salz kommen nach dem Wortlaut gleich mit der Brühe in den Topf. Salze vorsichtig, falls die Erbsenbrühe schon gesalzen ist.

Praxis. Bedecke die Haferkörner knapp mit Erbsenbrühe und lass sie bei schwacher Hitze ziehen, bis sie weich sind; gieße Brühe nach, wenn sie zu dick wird. Mengen und Garzeit nennt Rumpolt nicht, ganze Körner brauchen deutlich länger als gebrochene. Probiere die Körner, statt nach der Uhr zu gehen. Die Erbsenbrühe kochst du vorher aus getrockneten Erbsen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Haferkörner, Erbsen und Salz lassen sich bevorraten, gekocht wird in einem Topf. Die Erbsenbrühe musst du vorher aus Erbsen kochen, und die Butter braucht Kühlung.

Was sind „Haberkern“?

Haferkörner. Ob Rumpolt ganze, geschälte oder gebrochene Körner meint, sagt der Text nicht. Geschälte Haferkörner (Haferkerne) passen gut; Hafergrütze gart schneller, ist aber nicht das Wort, das Rumpolt gebraucht.

Was bedeutet „quell“ im Rezept?

Quellen ist bei Rumpolt ein Vorgang in Wasser, meist in heißem: Die Körner werden vorgebrüht, dann ausgewaschen und verlesen. Gar werden sie erst in der Erbsenbrühe. So beschreibt er es beim Reis ausführlicher (rum-0043).

Woher kommt die Erbsenbrühe?

Rumpolt setzt sie in seinem Suppenkapitel als Grundbrühe voraus und beschreibt sie hier nicht. Du kochst sie vorher selbst aus Erbsen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 2.000 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

50. Nim̃ Haberkern, quell vnd wasch sie auß, vnnd wenn sie sauber geklaubt seyn, so setz sie mit Erbeßbruͤh, laß mit Butter vnd Saltz gemach sieden, so wirt es gut vnd wolgeschmack.
Haberkern

Haferkorn, die Frucht der Haferpflanze (Lexer „haberkërn“). Ob ganz, geschält oder geschrotet, sagt der Text nicht; Rumpolt spricht danach von „sie“, gemeint sind die Körner. „Grütze“ gebraucht er hier nicht.

quell

‚Quellen‘ ist bei Rumpolt ein Vorgang in Wasser, meist in heißem, also ein Vorbrühen (vgl. rum-0650 „quell sie in heissem Wasser“). Danach wird das Korn ausgewaschen und erst in der Erbsenbrühe gar gekocht. Denselben Ablauf beschreibt er beim Reis zum Lungenbraten (rum-0043): „setz jhn mit Wasser auff/ vnd laß jn quellen“.

geklaubt

Verlesen, von Steinchen, Spelzen und fremden Körnern befreit.

Erbeßbruͤh

Brühe aus gekochten Erbsen. Rumpolt setzt sie in seinem Suppenkapitel als Grundbrühe voraus und beschreibt sie hier nicht.

gemach

Langsam, bei schwacher Hitze.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von allerlei Suppen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Haberkernoats Q24265484
Erbeßbruͤhpea stock Q107246700
Butterbutter Q34172
Saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartquell

Gewählte Lesart: Vorbrühen: Die Haferkörner werden in Wasser aufgesetzt bzw. überbrüht, dann ausgewaschen und verlesen; gar werden sie erst in der Erbsenbrühe. „Wasser“ steht hier nicht im Text; die Lesart folgt Rumpolts eigenem Gebrauch (rum-0043, rum-0303, rum-0650, rum-1007, rum-1631).

Andere mögliche Lesart:

  • In kaltem Wasser einweichen. - In keinem der gesichteten Belege bei Rumpolt gebraucht er ‚quellen‘ so; wo er einweichen meint, sagt er es eigens.

LesartHaberkern

Gewählte Lesart: Haferkörner, ohne Festlegung, ob ganz, geschält oder geschrotet; der Text sagt dazu nichts, die Nachbarnummern rum-1373 und rum-1376 lassen es ebenso offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Hafergrütze (gebrochene Körner). - Rumpolt nennt hier keine Grütze; das Waschen und Verlesen spricht eher für ganzes Korn. Für die Küche aber eine mögliche, schneller garende Ausführung.

LesartMenge, Garzeit, Flüssigkeit

Gewählte Lesart: Rumpolt nennt weder Menge noch Garzeit noch das Verhältnis von Korn zu Brühe; ob das Gericht dick oder dünn sein soll, bleibt offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Körner knapp mit Brühe bedeckt bei schwacher Hitze garen, bis sie weich sind, und Brühe nach Bedarf nachgießen. - Moderne Praxis, nicht aus dem Text.

LesartErbeßbruͤh

Gewählte Lesart: Brühe aus gekochten Erbsen; Erbsenart und ob sie geseiht oder mit durchgestrichenen Erbsen dicklich ist, sagt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Klare, abgeseihte Brühe aus getrockneten gelben oder grünen Erbsen. - Moderne Praxis für eine Suppe mit ganzen Körnern, nicht durch den Text gedeckt.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CLXIIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1639
LagerkücheLagerküche
Haferkörner, getrocknete Erbsen für die Brühe und Salz sind Vorrat, ein Topf über dem Feuer genügt. Die Erbsenbrühe ist keine Kaufware, sie muss vorher aus Erbsen gekocht werden. Die Butter braucht Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.