Gebrannter Methæglen: mit Eigelb erhitzt und beim Umgießen angezündet
The Feminine Monarchie: or the Historie of Bees (2. Ausgabe London: John Haviland für Roger Jackson 1623; zuerst Oxford 1609), Kap. 10 „Of the fruit and profit of Bees“ · England (Hampshire; Druck London) · 1623
Und wie guter, alter Methæglen alle Weine übertrifft, im Wohlgeschmack ebenso wie für die Gesundheit, so ist er gebrannt besser als jeder gebrannte Wein, um einen schwachen und kranken Magen zu stärken und zu beruhigen und die natürliche Wärme zu erquicken.
Die Art, ihn zu brennen, falls du sie nicht kennst, kann diese sein. Setze zuerst ein tiefes Stielpfännchen oder einen Kessel, fast voll Wasser, aufs Feuer. Wenn es kocht, stelle einen Zinnkrug voll Methæglen hinein. Bevor dieser zu kochen beginnt, schäume ihn ab und gib zwei oder drei zerstoßene Gewürznelken und einen Zweig Rosmarin hinein.
Anmerkung zum tiefen Gefäß: Je tiefer der Krug steht, desto schneller kocht er. Notfalls kannst du den Krug auch auf dem Herd mitten in die heiße Glut stellen; achte aber darauf, dass die Flamme das Zinn nicht schmilzt.
Dann schlage das Eigelb eines Eis in einer Schüssel, gib einen Löffel voll des kalten Mets dazu und rühre beides zusammen, damit das Eigelb nicht gerinnt. Gib dann einen Löffel voll des heißen Mets dazu, danach noch einen und noch einen, und schlage alles dabei immer zusammen. Dann gib nach und nach alles in den Krug und rühre dabei ständig um.
Sobald es dann kocht, hebe den Krug heraus, gieße ihn, ohne dir die Hände zu verletzen, in einen anderen, warmen Krug von gleichem Fassungsvermögen und zünde ihn an, während er läuft; und mische ihn so, bis er nicht mehr brennen will. Ein Methæglen-Posset hat dieselbe Kraft.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a Pewter pot full of Methæglen | ein Zinnkrug voll Methæglen | - | - | - |
| almoſt full of water | fast voll Wasser | - | - | - |
| two or three bruiſed Cloues | 2 oder 3 zerstoßene Gewürznelken | - | - | - |
| a branch of Roſe-marie | Zweig Rosmarin | 1 | - | - |
| the yolke of an Egge | 1 Eigelb | 1 Stück | - | - |
Was ist das? Ein heißer Trank: kein Ansatz, sondern eine Zubereitung für fertigen Methæglen, Butlers stärkeren Met mit Kräutern und Gewürzen (Herstellung in but-004). Er wird im Wasserbad erhitzt, mit Gewürznelken und Rosmarin gewürzt, mit einem Eigelb versetzt und beim Umgießen von einem Krug in den anderen angezündet. Butler stellt ihn neben den gebrannten Wein und empfiehlt ihn für einen schwachen Magen; dem Methæglen-Posset schreibt er dieselbe Kraft zu. Dass der Trank heiß aus dem Krug getrunken wird, sagt Butler nicht wörtlich; wir schließen es aus dem Vergleich mit dem gebrannten, also erhitzten Wein.
Das Wasserbad. Der Zinnkrug steht im siedenden Wasser eines tiefen Stielpfännchens oder Kessels, nicht selbst auf dem Feuer. Je tiefer er steht, desto schneller kocht der Met, sagt Butler in seiner Anmerkung. Die Glut des Herdes ist nur der Notbehelf, und dort warnt er selbst, dass die Flamme das Zinn schmelzen kann. Abgeschäumt wird, bevor der Met kocht; danach kommen die zerstoßenen Nelken und der Rosmarinzweig hinein.
Das Eigelb. Den Zweck nennt Butler selbst: Das Eigelb soll nicht gerinnen. Deshalb kommt zuerst ein Löffel kalter Met dazu, dann Löffel um Löffel heißer Met unter ständigem Schlagen, und erst dann wandert die Mischung nach und nach unter Rühren in den Krug. So wird das Eigelb langsam an die Hitze gewöhnt. Wie stark das eine Eigelb den Krug bindet, sagt er nicht. Herausgenommen wird der Krug bei ihm erst, wenn alles kocht; wer ein Ausflocken vermeiden will, hebt ihn heute schon beim ersten Wallen heraus. Das ist moderne Vorsicht, nicht Butler.
Das Brennen. Brennen heißt hier anzünden: Butler gießt den heißen Met in einen zweiten, warmen Krug gleicher Größe, zündet den laufenden Strahl an und gießt so lange weiter, bis nichts mehr brennen will. Wie lange das dauert und wie viel dabei verbrennt, sagt er nicht. Ob der Met überhaupt Feuer fängt, hängt an seiner Stärke; Butler meint seinen starken Methæglen, der ein Ei um die Breite eines Groat trägt (but-004).
Gefahren. Butler warnt selbst zweimal: die Hände beim Umgießen schonen und das Zinn nicht in die Flamme stellen. Ein brennender Strahl lässt sich schlecht lenken; heute gießt man über feuerfestem Grund, mit Abstand zu Haaren, Kleidung und Zuschauern. Pewter ist nach Ludwig (1706) „mit Bley vermischtes Zinn“; für ein heißes Getränk nimmt man heute einen bleifreien Krug.
Praxis. Fertiger Methæglen nach but-004 oder ein kräftiger Gewürzmet, ein Topf als Wasserbad, zwei gleich große, hitzefeste Krüge ohne Blei, ein Eigelb, zwei oder drei Gewürznelken und ein Rosmarinzweig. Den zweiten Krug im heißen Wasser anwärmen, wie Butler ihn „warm“ verlangt.
Ist das etwas für die Lagerküche?
Eingeschränkt. Der Methæglen muss fertig mitgebracht werden; ihn anzusetzen und reifen zu lassen geht im Lager nicht (but-004). Der Rest braucht nur Feuer, einen Topf als Wasserbad, zwei gleich große Krüge, ein Eigelb, Gewürznelken und Rosmarin. Beim Anzünden mit Abstand zu Zuschauern arbeiten.
Wie verhindere ich, dass das Eigelb gerinnt?
Butler gleicht es Schritt für Schritt an: erst ein Löffel kalter Met ins Eigelb, dann Löffel um Löffel heißer Met unter ständigem Schlagen, und erst dann nach und nach in den Krug, immer rührend.
Wofür war der gebrannte Methæglen gedacht?
Butler nennt ihn besser als jeden gebrannten Wein, um einen schwachen und kranken Magen zu stärken und zu beruhigen und die natürliche Wärme zu erquicken. Das ist seine Begründung nach der Heilkunde seiner Zeit, kein heutiger Rat.
Was ist Methæglen?
Butlers stärkerer Met: mit weniger Wasser auf den Honig als der einfache Mede und mit Kräutern und Gewürzen angesetzt. Wie er gemacht wird, steht in but-004; hier wird er nur noch erhitzt und gebrannt.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Butler: Die weibliche Monarchie (Met, Honig, Wachs) (1623, England (Hampshire). Aus dem Bienenbuch von Charles Butler das zehnte Kapitel über Nutzen und Ertrag: Most für den Met aus den Waben, einfacher Mede, Methæglen mit Kräutern und Gewürzen, der Methæglen der Königin Elisabeth, gebrannter Methæglen und Essig aus Met, dazu geläuterter Honig, Honig-Quintessenz, Marmelade, Marchpane, Eingemachtes, Rosenkonserve, Rosen- und Veilchensirup und Wachs, gelb, weiß, rot und grün.
- burning / burnt Wine
Brennen heißt hier anzünden: Butler zündet den heißen Met beim Umgießen an und gießt weiter, „till it will burne no more“. Gemeint ist kein Destillieren; der „gebrannte Wein“ im ersten Satz ist erhitzter, angezündeter Wein, nicht Branntwein.
- Methæglen-poſſet
Ein Posset ist nach Ludwig (1706) „ein gewisser Englischer Milchtranck“: warme Milch, die man mit Bier oder Wein gerinnen lässt. Ein Methæglen-Posset wäre demnach Milch, mit Methæglen zum Gerinnen gebracht; Butler beschreibt ihn nicht.
- the yolke of an Egge
Ein heißer Trank, kein Posset: Wein oder hier Met, mit Eigelb gebunden und gewürzt, ist im Kern ein Caudle. Ludwig (1706) nennt den Caudle „eine Englische Magensuppe, so von Wein, Eyern, Zucker und anderm Gewürtze gemacht wird“; der Zweck „Magen“ ist derselbe wie bei Butler. Butler selbst gebraucht das Wort nicht, der Vergleich ist unsere Deutung.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| almoſt full of water | water Q283 |
| a branch of Roſe-marie | rosemary Q122679 |
| the yolke of an Egge | yolk Q16336079 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
and ſo brue it till it will burne no more
Gewählte Lesart: „brue“ = mischen: Ludwig (1706) verweist „To brùe“ auf „To brew“ und gibt dort neben brauen und sieden auch „etwas mischen, mengen“. „So“ meint das eben beschriebene Umgießen von Krug zu Krug, das so lange weitergeht, bis der Met nicht mehr brennt.
Andere mögliche Lesarten:
- „brue“ = brauen, sieden - Der Krug ist zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Wasserbad genommen; gesotten wird nicht mehr.
- „brue“ = benetzen, tränken (Halliwell: „BRUE. To embrue“) - Passt nicht zum Umgießen eines brennenden Getränks.
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Stand dieser Fassung: 05.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
