Eigelb-Biskuit mit Anis und Kümmel, nachgetrocknet
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Nimm etwa 225 g (ein halbes Pfund) Zucker, ebenso viel Mehl und 11 Eier; lass von den Eiern alle Eiweiße weg bis auf zwei. Gib 2 oder 3 Löffel Rosenwasser dazu und schlage es 2 Stunden lang. Dann gib ein paar Anissamen und ein paar Kümmelsamen hinein.
Backe es eine Stunde. Dann nimm es heraus und setze es um. Danach musst du es noch einmal in der Sonne oder im Ofen trocknen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| halfe a pound of sugar | etwa 225 g Zucker (ein halbes Pfund) | 225 g | - | - |
| as much flower | ebenso viel Mehl wie Zucker | 225 g | - | - |
| 11 Eggs, leave out all the whites but two | 11 Eier, davon nur zwei mit Eiweiß | 11 Stück | - | - |
| 2. or .3. sponefulls of rose-water | 2 oder 3 Löffel Rosenwasser (Randnachtrag zu „water“) | 2-3 EL | - | - |
| a few anniseeds | ein paar Anissamen | - | - | - |
| a few Carroway seeds | ein paar Kümmelsamen | - | - | - |
Was ist das? Eine Biskuitmasse aus Zucker und Mehl zu gleichen Teilen und elf Eiern, von denen nur zwei ihr Eiweiß behalten, mit Rosenwasser zwei Stunden geschlagen, mit Anis und Kümmel, eine Stunde gebacken und danach noch einmal in Sonne oder Ofen getrocknet. Später im Buch stehen zwei Biskuits desselben Aufbaus (lon-034, lon-035), die kürzer geschlagen werden und das Nachtrocknen nicht nennen.
Rosenwasser statt Wasser. Im Satz steht „2. or 3. sponefulls of water“; das Wort „rose-water“ ist am Rand nachgetragen und mit einem Zeichen vor „water“ verknüpft. Gemeint sind damit zwei oder drei Löffel Rosenwasser. Auch die beiden anderen Biskuits nehmen Löffel Rosenwasser und kein Wasser.
Schlagen. Der Text sagt nur „beate it 2 hours“, nicht, ob Zucker und Mehl von Anfang an bei den Eiern sind. Ein Treibmittel nennt er nicht; locker wird die Masse allein durch das Schlagen. Die Samen kommen erst danach hinein.
Backen, umsetzen, nachtrocknen. Form, Unterlage und Ofenhitze nennt der Text nicht. Nach der Backstunde wird der Biskuit herausgenommen und „shifted“, also auf eine frische Unterlage umgesetzt, und dann noch einmal getrocknet, in der Sonne oder - so der Randnachtrag - im Ofen. Wie lange, sagt der Text nicht.
Praxis. Heute (modern): Die Masse in einer mit Papier ausgelegten Form oder auf Papier backen und bei mäßiger Hitze; ein Handrührgerät kürzt die Schlagarbeit, die Lockerheit der Masse zeigt, wann es reicht. Zum Nachtrocknen den Biskuit nach dem Backen vom Papier lösen und bei sehr milder Hitze oder an einem warmen, trockenen Ort fest werden lassen.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Ja. Die Menge ist klein, und außer Eiern, Zucker, Mehl, Rosenwasser und Samen braucht es nichts. Die Backstunde geht im Glutofen, das Nachtrocknen nennt der Text selbst in der Sonne. Aufwendig sind die zwei Stunden Schlagen von Hand.
Warum wird der Biskuit nach dem Backen noch einmal getrocknet?
„Bisket“ heißt bei Ludwig (1706) „zweymahl gebacken brod“. Das Nachtrocknen in Sonne oder Ofen ist dieser zweite Gang. Wie lange es dauert, sagt der Text nicht.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- Bisket
Ludwig (1706) übersetzt „Bisket“ mit „zweymahl gebacken brod“. Hier ist der zweite Gang das Nachtrocknen nach der Backstunde.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| halfe a pound of sugar | unrefined cane sugar Q57656231 |
| as much flower | flour Q36465 |
| 2. or .3. sponefulls of rose-water | rose water Q900450 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
+rose-water. with 2. or .3. sponefulls of water
Gewählte Lesart: 2 oder 3 Löffel Rosenwasser. „rose-water“ steht in der Handschrift am Rand, das zugehörige Verweiszeichen sitzt im Text eindeutig vor „water“ („sponefulls of ×water“). Ebenso markiert auf der Folgeseite das Zeichen vor „Sun“ den Randnachtrag „or oven“, also das Bezugswort. Die beiden anderen Biskuits des Buchs (lon-034, lon-035) nehmen ebenfalls Löffel Rosenwasser und kein Wasser.
Andere mögliche Lesart:
- Rosenwasser ohne Menge zusätzlich zu 2 oder 3 Löffeln Wasser - So ordnet die Lesung der Folger Library den Nachtrag ein, vor „with“. Das Verweiszeichen steht aber nicht dort.
shift it
Gewählte Lesart: Umsetzen, auf eine frische Unterlage. Woolley (1672) gebraucht das Wort im gleichen Trocknungszusammenhang: „shift them often on clean dishes … then set them into an Oven or Stove to dry“.
Andere mögliche Lesart:
- Teilen, in Stücke schneiden - Halliwell (1846) kennt „To divide“ nur als Sussex-Mundart; der Text spricht weiter von „it“ im Singular.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
