Metheglin mit Kräutern und Ingwer
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Nimm das beste Röhrenwasser und den besten und reinsten Honig, den du bekommen kannst, gib beides zusammen in einen Bottich und schlage es miteinander, bis es stark genug ist, ein frisch gelegtes Ei vom Boden zu heben. Dann setze es über das Feuer und gib ein wenig Rosmarin, Thymian, Majoran und Winter-Bohnenkraut hinein, zu einem Bund gebunden. Wenn du willst, kannst du auch Frauenhaarfarn, Leberkraut oder andere Kräuter dazugeben, wie du es für richtig hältst.
Dann mach einen kleinen, feinen Beutel aus Leinen und gib 3 oder 4 Wurzelstücke Ingwer, 2 oder 3 Muskatnüsse, ein wenig Nelken und Muskatblüte hinein, und wenn du willst, ein wenig Zimt. Näh ihn zu und gib ihn in den kochenden Sud. Lass es eine ganze Stunde kochen und schäume es die ganze Zeit ab.
Dann gieß es in irdene Schüsseln und lass es so bis zum nächsten Morgen stehen. Dann gieß alles Klare aus den Schüsseln in ein gutes Fass, eines, in dem schon Sack oder Weißwein war, und häng deinen Gewürzbeutel hinein. Verschließ es fest und lass es mindestens 2 Monate stehen, ehe du davon trinkst. Dann zieh ihn, wenn du willst, auf Flaschen, so wird er besser.
Du kannst ihn auch mit einer Zitronenschale machen, die du ins Fass gibst.
Willst du ihn aufbewahren, mach ihn stärker an Honig und Gewürz. Soll er nach 2 Monaten getrunken werden, lass das Ei nur vom Boden aufsteigen, ohne dass es schwimmt.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| the best Condit-water | das beste Röhrenwasser | - | - | - |
| the best and purest hony you can gett | der beste und reinste Honig, den du bekommen kannst | - | - | - |
| a little rose-mary | ein wenig Rosmarin | - | - | - |
| Time | Thymian | - | - | - |
| mariorum | Majoran | - | - | - |
| winter savery | Winter-Bohnenkraut | - | - | - |
| Maiden-haire | Frauenhaarfarn | - | - | - |
| Liver-wort | Leberkraut | - | - | - |
| 3. or 4. races of ginger | 3 oder 4 Wurzelstücke Ingwer | - | - | - |
| 2. or 3. nutmeggs | 2 oder 3 Muskatnüsse | - | - | - |
| a little Cloves | ein wenig Nelken | - | - | - |
| mace | Muskatblüte | - | - | - |
| a little Cinamon | ein wenig Zimt | - | - | - |
| a lemon pill | eine Zitronenschale | - | - | - |
Was ist das? Ein Metheglin, also ein Met, der mit einem Kräuterbund und einem Gewürzbeutel gekocht wird. Mengen für Honig und Wasser nennt die Handschrift nicht, die Stärke bestimmt allein die Eierprobe.
Eierprobe. Honig und Wasser werden kalt im Bottich geschlagen, bis sich der Honig löst und die Lösung ein frisch gelegtes Ei vom Boden hebt. Erst dann kommt der Ansatz aufs Feuer. Am Schluss stuft der Text die Stärke nach dem Zweck ab: zum Aufbewahren stärker an Honig und Gewürz, für das Trinken nach zwei Monaten nur so stark, dass das Ei vom Boden aufsteigt, ohne zu schwimmen. Die Parallelfassung bei Digby (1669) beschreibt dieselbe Probe: Schwimmt das Ei oben, ist der Ansatz sehr stark.
Kochen und Abschäumen. Der Kräuterbund und der zugenähte Leinenbeutel mit Ingwer, Muskatnüssen, Nelken, Muskatblüte und nach Wunsch Zimt kochen eine ganze Stunde mit, der aufsteigende Schaum wird die ganze Zeit abgenommen. Über Nacht in irdenen Schüsseln setzt sich der Bodensatz ab, am Morgen kommt nur das Klare ins Fass. Der Gewürzbeutel hängt danach im Fass weiter.
Fass und Hefe. Eine Hefe nennt die Handschrift nicht. Nach einer Stunde Kochen enthält der Most keine lebende Hefe mehr, die Gärung kommt aus dem Fass, in dem schon Sack oder Weißwein lag: Im Holz eines solchen immer wieder benutzten Fasses sitzt Hefe. Fest verschlossen steht der Met mindestens zwei Monate, ehe er getrunken wird. Danach darf er nach Belieben auf Flaschen, Zucker kommt dabei nicht hinzu.
Praxis. Heute, ohne ein eingefahrenes Weinfass: Weinhefe zusetzen, wenn der Most abgekühlt und vom Bodensatz abgegossen ist. Ein starker Met kann nach zwei Monaten noch gären. Wer abfüllt, nimmt druckfeste Flaschen und lagert sie kühl, sonst können sie platzen. Die Gewürzmengen der Handschrift (3 oder 4 Wurzelstücke Ingwer, 2 oder 3 Muskatnüsse) gelten für einen Fassansatz, dessen Größe sie nicht nennt.
Wie funktioniert die Eierprobe im Rezept?
Die Handschrift nennt keine Mengen für Honig und Wasser, sondern misst die Stärke mit einem frisch gelegten Ei: Honig und Wasser werden geschlagen, bis die Lösung das Ei vom Boden hebt. Wer den Met aufbewahren will, macht ihn stärker an Honig und Gewürz. Soll er nach zwei Monaten getrunken werden, darf das Ei nur vom Boden aufsteigen, ohne zu schwimmen.
Muss ich Hefe zugeben?
Die Handschrift nennt keine Hefe. Nach einer Stunde Kochen enthält der Most keine lebende Hefe mehr, die Gärung kommt aus dem Fass, in dem schon Sack oder Weißwein lag: In seinem Holz sitzt Hefe. Wer heute kein solches Fass hat, setzt Weinhefe zu.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Der Met steht mindestens zwei Monate fest verschlossen im Fass, ehe er getrunken wird. Gärung und Lagerung über diese Zeit lassen sich im Lager nicht verlässlich führen.
Was bedeutet „Sack“ im Rezept?
Sack war ein kräftiger Weißwein aus Spanien oder von den Kanaren, eine Sherry-Art. Hier ist er nicht Zutat: Das Fass soll vorher Sack oder Weißwein enthalten haben.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- Metheglen
Met mit Kräutern und Gewürzen. Phillips (1658) nennt Metheglin ein Getränk aus Kräutern, Honig und Gewürzen, Ludwig (1706) übersetzt „eine Art Meth“.
- Condit-water
Conduit water: Wasser aus einer Röhrenleitung oder einem Röhrbrunnen. Ludwig (1706) übersetzt conduit mit „Röhre, Wasserleitung“.
- new lade Egg
Ein frisch gelegtes Ei (new laid egg). Es dient als Maß für die Stärke der Honiglösung.
- sacke
Kräftiger Weißwein aus Spanien oder von den Kanaren, eine Sherry-Art. Ludwig (1706) übersetzt „Spanischer oder Canarien-Seckt“, Blount (1656) nennt den Málaga-Sack nach der Stadt in Andalusien. Über seine Süße sagt die Handschrift nichts.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| the best and purest hony you can gett | honey Q10987 |
| a little rose-mary | rosemary Q122679 |
| mariorum | marjoram Q22694 |
| 2. or 3. nutmeggs | nutmeg Q83165 |
| a little Cloves | clove Q15622897 |
| mace | mace Q1882876 |
| a little Cinamon | cinnamon Q28165 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Liver-wort
Gewählte Lesart: Leberkraut, wie Ludwig (1706) übersetzt („leberkraut, hepatique“). Welche Pflanze gemeint ist, bleibt offen: Der Name galt in der Zeit für mehrere Arten, und der Text lässt die Wahl der Zusatzkräuter ohnehin frei.
Andere mögliche Lesarten:
- Leberblümchen (Anemone hepatica) - Britten und Holland belegen liverwort dafür (nach Lyte); im Text nicht von den anderen Arten zu unterscheiden.
- Lebermoos (Marchantia polymorpha) - Nach Gerard in den Apotheken Hepatica genannt (Britten und Holland).
- Odermennig (Agrimonia eupatoria) - Phillips (1658) nennt Eupatorie „a kind of Herb, called Liverwort“, Minsheu ebenso Agrimony.
spice it to drinke at 2 moneths End
Gewählte Lesart: In der Handschrift steht „and spice, if to drinke at 2 moneths End“: Komma nach spice, dann „if“. Der Satz nennt zwei Stärkestufen, zum Aufbewahren stärker an Honig und Gewürz, für das Trinken nach zwei Monaten die schwächere Eierprobe. Die Übersetzung folgt dieser Lesung. Die Parallelfassung bei Digby (1669) trennt ebenso: „If it be strong of the honey, you may keep it a year or two. If weak, drink it in two or three months.“
Andere mögliche Lesart:
- „spice it to drinke at 2 moneths End“: würze ihn, damit er nach zwei Monaten trinkbar ist - Entspricht nicht der Handschrift und macht aus der Stärkestufe eine Würzanweisung.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
