Verkohlter alter Hut gegen das Bluten einer Wunde
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Um das Bluten einer Wunde zu stillen: Nimm ein Stück von einem alten Hut und verbrenne es im Feuer zu Kohle. Mahle es dann zu Pulver und streue es in die Wunde.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a peece of an Old hatt | ein Stück von einem alten Hut | 1 Stück | - | - |
Was ist das? Ein Mittel, das nach der Überschrift das Bluten einer Wunde stillen soll: Ein Stück eines alten Hutes wird im Feuer zu Kohle verbrannt, zu Pulver gemahlen und in die Wunde gestreut. Eine Begründung für die Wirkung gibt der Text nicht.
Der Hut. Woraus der Hut ist, sagt die Handschrift nicht. Ludwig (1706) kennt den Filzhut („Felt, ein filtz“, auch als Hut) ebenso wie den Biberhut („Beaver-hat, ein castorhut, ein biberhäriner hut“); welcher Stoff gemeint ist, bleibt offen.
Einordnung. Ein Hausmittel der Wundversorgung aus dem Hauptteil des Buchs, das zeigt, womit man eine blutende Wunde zu stillen suchte; es ist ein historisches Zeugnis, keine Anleitung. Mit dem Pulver gelangen Kohle und Asche aus verbranntem Hutstoff als Fremdstoff in eine offene Wunde.
Kann man dieses Mittel heute anwenden?
Nein. Der Eintrag ist ein historisches Dokument der Hausarznei und keine Anleitung zur Behandlung.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist eine Arznei und kein Lebensmittel.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
straw in into the wound
Gewählte Lesart: „streue es in die Wunde“. Die Hand schreibt deutlich „straw it into the wound“; „in into“ ist eine Fehllesung, nicht die Schreibung der Hand. „straw“ ist das Verb to strew, streuen (Halliwell: „STRAW. To strew about“), wie in lon-003 „straw in the sugar“.
Andere mögliche Lesart:
- „straw in into“ als Wortlaut der Hand mit verdoppeltem „in“ - Die Hand zeigt „it“; für den Sinn ändert sich nichts, das Pulver wird in die Wunde gestreut.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
