Mithridat-Trank gegen Mutterleiden
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Gegen die Mutter: Nimm etwa 4 g (eine Drachme) Mithridat und löse es in etwa 45 ml (anderthalb Unzen) Wermutwasser auf. Trinke es vier Stunden, bevor du zu Bett gehst.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a dram of Methridate | etwa 4 g (eine Drachme) Mithridat | 4 g | - | - |
| one Ounce and an halfe of Wormwood water | etwa 45 ml (anderthalb Unzen) Wermutwasser | 45 ml | - | - |
Was ist das? Ein Hausmittel gegen „die Mutter“, ein Leiden, das die Medizin der Zeit der Gebärmutter zuschrieb (Ludwig 1706: „a fit of the mother“, französisch suffocation de matrice). Eine Drachme Mithridat wird in anderthalb Unzen Wermutwasser aufgelöst und vier Stunden vor dem Zubettgehen getrunken. Mehr sagt die Handschrift nicht.
Mithridat. Eine vielteilige Latwerge aus der Apotheke, kein Hausprodukt. Sie galt als Gegengift (Sommerhoff 1701: pro Antidoto habitum); Blankaart zählt sie 1684 zu den Opiaten. Dieselbe Latwerge kommt im Buch noch einmal im Pesttrank lon-084 vor.
Wermutwasser. Ein gebranntes Kräuterwasser, also alkoholhaltig; Hannah Woolley destilliert es 1670 aus Wermut und Gewürzen in Sackhefe und Ale.
Einordnung. Der Eintrag zeigt, wie ein Haushaltsbuch ein Opiat der Apotheke mit einem gebrannten Kräuterwasser zu einem Hausmittel gegen „die Mutter“ verband - ein Zeugnis der Frauenheilkunde seiner Zeit, keine Anleitung. Mithridat enthielt Opium, Wermut ist in größerer Menge giftig (Thujon). Die Wirkung ist der Anspruch der Handschrift, keine Tatsache.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist ein historisches Arzneimittel, keine Speise und keine Anleitung zur Selbstmedikation.
Was ist mit „der Mutter“ gemeint?
Ein Frauenleiden, das man der Gebärmutter zuschrieb. Ludwig übersetzt 1706 „a fit of the mother“ mit „eine Beschwerung von der Mutter“ und französisch mit „suffocation de matrice“, Ersticken der Gebärmutter. Der Eintrag dokumentiert ein Hausmittel dagegen, er empfiehlt es nicht.
Kann man den Trank heute nachmachen?
Nein. Der Eintrag ist ein historisches Dokument. Mithridat zählte zu den opiumhaltigen Arzneien, Wermutwasser war ein gebranntes Wasser auf Wermut.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- the Mother
Ein Leiden, das man der Gebärmutter zuschrieb. Ludwigs englisch-deutsches Wörterbuch von 1706 gibt für mother auch „die Bärmutter“ und übersetzt „a fit of the mother“ mit „eine Beschwerung von der Mutter“, französisch suffocation de matrice, Ersticken der Gebärmutter.
- Methridate
Mithridat, eine zusammengesetzte Latwerge der Apotheken, nach Florio 1611 „a confection vsed in Phisike“. Charles Butler nennt 1623 für Theriak und Mithridat jeweils mehr als fünfzig bzw. sechzig Bestandteile, Blankaarts medizinisches Wörterbuch von 1684 zählt Mithridat zu den Opiaten, den Latwergen mit Opium.
- Wormwood water
Ein gebranntes Wasser mit Wermut. Hannah Woolley destilliert es 1670 aus Wermut mit Anis, Süßholz, Muskatnuss und Angelikawurzel in Sackhefe und starkem Ale.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
