Wasser gegen Verbrennung (Ulmenrinde)
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Ein Wasser für eine Verbrennung: Nimm eine Handvoll von der Rinde einer Ulmenwurzel, schabe sie, wasche sie und zerstoße sie. Dann lege sie 24 Stunden lang in etwa 0,5 l (ein Pint) fließendes Wasser. Danach seihe es durch, tauche ein Stück feines Leinen hinein und breite es über die Verbrennung.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a handfull of the barke of an Elm root | Rinde einer Ulmenwurzel | 1 Handvoll | - | - |
| a pint of runing water | etwa 0,5 l fließendes Wasser | 500 ml | - | - |
| a peice of lawne | feines Leinen | 1 Stück | - | - |
Was ist das? Ein äußerliches Mittel, das nach der Überschrift einer Verbrennung gelten soll. Rinde von einer Ulmenwurzel wird geschabt, gewaschen und zerstoßen und dann 24 Stunden in fließendem Wasser liegen gelassen; erhitzt wird nichts. Mit dem abgeseihten Wasser wird ein Stück feines Leinen getränkt und über die Verbrennung gebreitet. Ob die Rinde frisch oder getrocknet ist, ob das Tuch einmal oder mehrmals aufgelegt wird und wie lange es liegen bleibt, sagt der Text nicht.
Die Ulme. „Elm“ ist nach Britten und Hollands Pflanzennamenbuch von 1886 der allgemeine Name für die Feld-Ulme und andere Ulmen-Arten. Welche Ulme die Hand meint, lässt der Text offen; verwendet wird ausdrücklich die Rinde der Wurzel, nicht die des Stamms.
Einordnung. Ein Hausmittel der Wundversorgung aus den Nachträgen, das zeigt, wie man eine Verbrennung mit einem kalten Rindenauszug auf Leinen zu versorgen suchte; es ist ein historisches Zeugnis, keine Anleitung zur Behandlung. Eine Begründung der Wirkung gibt die Handschrift nicht.
Kann man dieses Mittel heute anwenden?
Nein. Der Eintrag ist ein historisches Dokument der Hausarznei und keine Anleitung zur Behandlung.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist eine Arznei und kein Lebensmittel.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- lawne
Lawn, nach Ludwigs englisch-deutschem Wörterbuch von 1706 „eine art feiner leinwand“. Hier das Tuch, das mit dem Wasser getränkt und aufgelegt wird.
- runing water
Ludwig (1706) gibt „running water“ als „lauffendes, fliessendes wasser“ wieder, also Wasser, das nicht steht.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
