Mundwasser mit Brombeerblättern und Alaun
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Ein Mundwasser. Nimm etwa 0,5 l (ein Pint) fließendes Wasser, drei Löffel voll Honig, eine Handvoll rote Brombeerblätter, ein wenig Geißblatt, ein halbes Dutzend Salbeiblätter, etwa 110 g (ein Viertelpfund) Korinthen, Safran für einen Penny und so viel Alaun wie eine Muskatnuss. Koche es zur Hälfte ein und seihe es ab.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a pint of runing water | etwa 0,5 l (ein Pint) fließendes Wasser | 500 ml | - | - |
| 3 spoonfulls of honey | drei Löffel voll Honig | 3 EL | - | - |
| handfull of red Bramble leaves | eine Handvoll rote Brombeerblätter | 1 Handvoll | - | - |
| litle woodbine | ein wenig Geißblatt | - | - | - |
| halfe dozen sage leaves | ein halbes Dutzend Salbeiblätter | 6 Stück | - | - |
| quarter pound Corrants | etwa 110 g (ein Viertelpfund) Korinthen | 110 g | - | - |
| peniworth safron | Safran für einen Penny | - | - | - |
| as much allom as an nutmegge | so viel Alaun wie eine Muskatnuss | - | - | - |
Was ist das? Ein Mundwasser aus den Nachträgen einer späteren Hand: Brombeerblätter, Geißblatt, Salbei, Honig, Korinthen, Safran und Alaun werden zusammen in fließendem Wasser auf die Hälfte eingekocht und abgeseiht. Die Überschrift nennt keine Krankheit, und wie oft und wofür man das Wasser gebraucht, sagt der Text nicht.
Die Pflanzen. „Bramble“ ist nach Ludwigs englisch-deutschem Wörterbuch von 1706 die Brombeerstaude; das „red“ meint wohl rötlich gefärbte Blätter oder Triebspitzen. „Woodbine“ gibt Ludwig als „geißblat“, Britten und Hollands Pflanzennamenbuch von 1886 als Wald-Geißblatt. Bei den „Corrants“ bleibt offen, ob Korinthen oder Johannisbeeren gemeint sind; die Angabe nach Gewicht spricht für die getrockneten Korinthen.
Einkochen. „boyle it halfe away“ ist das einzige Endzeichen: Gekocht wird, bis die Hälfte der Flüssigkeit verdampft ist. Eine Zeit nennt der Text nicht.
Einordnung. Ein Mundwasser der Hausapotheke des 17. Jahrhunderts, das Kräuter, Honig, Korinthen und Safran mit Alaun auskocht - als Zeugnis der Zeit dokumentiert, nicht als Anleitung zur Mundpflege. Alaun ist ein Mineralsalz mit stark zusammenziehender Wirkung; ein Mundwasser damit ist zum Spülen gedacht, nicht zum Trinken.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist ein Mundwasser mit Alaun aus der Hausapotheke und kein Lebensmittel; als Arzneirezept ist es keine Anleitung zur Selbstbehandlung.
Kann man dieses Mundwasser heute verwenden?
Nein. Das Rezept steht als historisches Dokument hier, nicht als Anleitung zur Mundpflege.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- red Bramble leaves
Brombeerblätter; Ludwigs Wörterbuch von 1706 gibt „Brámble“ als „eine brombeerstaude“. Das „red“ meint wohl rötlich gefärbte Blätter oder Triebspitzen: Digbys Buch von 1669 führt in einer Kräuterliste „bramble, red, tops of“.
- peniworth safron
Safran für einen Penny: Die Menge ist über den Preis angegeben. Wie viel Safran man dafür bekam, sagt der Text nicht.
- allom
Alaun, ein Mineralsalz mit stark zusammenziehender Wirkung; Adelung führt „Allom“ als englische Form des Worts.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| 3 spoonfulls of honey | honey Q10987 |
| halfe dozen sage leaves | common sage Q1111359 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Corrants
Gewählte Lesart: Korinthen (getrocknete kleine Trauben): Die Menge steht als Gewicht, und zwei Einträge im Hauptteil des Buchs (White-pot und Hefekuchen) meinen mit „Currans“ ebenfalls Korinthen.
Andere mögliche Lesart:
- Johannisbeeren - Ludwig 1706 gibt „Cúrrans“ als „corinthen, Johannesbeeren“; der Text sagt nicht, ob frisch oder getrocknet.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
