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China-Orangen in Sirup und Pippin-Gelee einmachen

Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 30 Min. KüchenzeitBuchRezeptbuch der Sarah Longe (~1610)

Nimm die Orangen, schäle die Schale dünn ab und koche sie in reichlich Wasser, so stark, dass das Wasser sie beim Kochen bedeckt. Wenn sie gekocht sind, schneide mit einem Federmesser ein kleines Loch oben in ihre Krone und lege sie dann in Sirup.

Der Sirup: Er muss fertig sein, bis die Orangen gekocht sind. Für den Sirup nimm etwa 0,5 l (ein Pint) Wasser auf etwa 450 g (ein Pfund) Zucker, und nimm so viel Zucker, wie zum Einmachen der Orangen reicht. 9 oder 10 Tage lang nimm die Orangen jeden zweiten Tag heraus, lass den Sirup einmal aufkochen und schäume ihn ab.

Das Gelee: Wenn sie die vorgesehene Zeit in diesem Sirup gelegen haben, mach ein Gelee aus Pippin-Äpfeln. Wenn das Gelee eine Weile gekocht hat, gib die Orangen hinein und lass sie fast eine halbe Stunde im Gelee kochen. Dann nimm die Orangen heraus und koche das Gelee, bis es schnittfest ist. Dann nimm es vom Feuer, leg die Orangen in einen Topf, der für sie passt, und gib die Hälfte des Gelees darüber, wenn du es vom Feuer nimmst, die andere Hälfte, wenn es kalt ist. Auf jede Orange musst du etwa 225 g (ein halbes Pfund) Gelee machen.

Achte darauf, dass du jedes Mal, wenn du die Orangen aus dem Sirup nimmst, die Seite nach oben drehst, die vorher unten lag.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
the oringes China-Orangen - - -
a good quantity of water reichlich Wasser zum Vorkochen - - -
one pint of water etwa 0,5 l Wasser für den Sirup 500 ml - -
a pound of sugar etwa 450 g Zucker 450 g - -
halfe a pound of ielly etwa 225 g Pippin-Gelee je Orange 225 g - -

Was ist das? Süße Orangen werden dünn geschält, in Wasser vorgekocht, 9 oder 10 Tage in Zuckersirup gehalten und zuletzt in einem Gelee aus Pippin-Äpfeln eingelegt. Die Zahl der Orangen nennt der Eintrag nicht; alle Mengen richten sich nach ihr.

Schälen und Vorkochen. chip heißt hier, die äußere Schale dünn abzuschälen. Gekocht wird in reichlich Wasser und kräftig, so dass das Wasser die Früchte beim Kochen bedeckt. Danach kommt oben in die Krone ein kleines Loch; wozu, sagt der Text nicht.

Sirup. Fest steht nur das Verhältnis: etwa 0,5 l (ein Pint) Wasser auf etwa 450 g (ein Pfund) Zucker, angesetzt in der Menge, die für die Orangen reicht. Der Sirup steht bereit, wenn die Orangen aus dem Wasser kommen. Jeden zweiten Tag werden die Früchte herausgenommen, der Sirup einmal aufgekocht und abgeschäumt, und die Orangen kommen mit der vorher unteren Seite nach oben zurück.

Gelee. Wie das Pippin-Gelee gemacht wird, sagt der Eintrag nicht. Der unmittelbar folgende Eintrag des Buchs (lon-096) beschreibt ein Pippin-Gelee. Die Orangen kochen fast eine halbe Stunde darin, dann kocht das Gelee allein weiter, bis es schnittfest ist. Die erste Hälfte kommt heiß über die Orangen, die zweite kalt; auf jede Orange rechnet der Text etwa 225 g (ein halbes Pfund) Gelee.

Praxis. Wer es nachmacht, plant für die Sirupzeit 9 oder 10 Tage mit vier bis fünf Aufkochtagen ein. Siedender Zuckersirup und kochendes Gelee verursachen schwere Verbrühungen; beim Herausnehmen und Wenden der Früchte Vorsicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, als Eingemachtes. Die Sirupzeit von 9 oder 10 Tagen mit Aufkochen jeden zweiten Tag verlangt allerdings über diese Zeit eine feste Feuerstelle.

Wie wird das Pippin-Gelee gemacht?

Dieser Eintrag sagt es nicht. Der unmittelbar folgende Eintrag des Buchs (lon-096) beschreibt ein Gelee aus grünen Pippin-Äpfeln.

Wie viel Zucker braucht man insgesamt?

Der Text nennt nur das Verhältnis, etwa 450 g (ein Pfund) Zucker auf etwa 0,5 l (ein Pint) Wasser, und verlangt so viel Sirup, wie zum Einmachen der Orangen reicht. Die Gesamtmenge hängt von der Zahl der Orangen ab, die der Text nicht nennt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.

To Preserue China Oringes Take the oringes and chip them and boyle them in a good quantity of water so fast as the water may cover them, when it boyle and when they be boyled cut a little hole in their crownes with a pen knife then put them into syrrup, the syrrup must be ready made, against the oringes be boyled, you must take for the syrrup one pint of water to a pound of sugar, and you must take as ⟨pound⟩ much sugar as may preserue the oringes. 9 or 10 days, every other day take out the oringes and giue the syrrup a boyle, and skim it when you haue lett them lye in that syrrup the prefixed tyme, make a ielly of Pipins, when the ielly haue boyled a while, put in the oringes, then lett them boyle almost halfe an hour in the ielly then take out the oringes and boyle the ielly, till it will cut them take it up and put the oringes into a pott fitt for them, and put halfe of the ielly into it when you take it up, and the other halfe when it be cold you must make to every oringe halfe a pound of ielly. Be sure every tyme you take the oringes out of the syrrup, that you turn that side upwards which was downwards before.
China Oringes

Ludwigs englisch-deutsches Wörterbuch von 1706 übersetzt China-orange mit „eine Chinesische pomerantze“ und führt sie getrennt von der gewöhnlichen orange (Pomeranze, Bitterorange): gemeint ist die süße Orange.

chip

Dünn abschälen. Hannah Woolley (1670) schreibt bei Orangen und Zitronen „chip off the Rinds very thin“, Ludwig (1706) übersetzt Orange-chips mit „pomerantzenschnittgen“.

Pipins

Pippin ist ein Apfelname der Zeit; Ludwig (1706) gibt „ein rußling, (ein delicater apffel,) renette“. Eine heutige Sorte lässt sich nicht gleichsetzen.

Handschrift
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425
Teil
Nachträge späterer Hände, 17. Jahrhundert (S. 53–77)
Sprache
Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände
Entstehung
England, 1610

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

a pound of sugarunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartas pound much sugar

Gewählte Lesart: „as much sugar as may preserue the oringes“: Auf der Seite ist pound durchgestrichen; die Übersetzung folgt dem Text ohne das gestrichene Wort.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Pfund Zucker je Orange. - Nur wenn pound gelten sollte; die Streichung spricht dagegen.

Lesartso fast as the water may cover them

Gewählte Lesart: Kräftig kochen, so dass das Wasser die Orangen beim Kochen bedeckt. Ludwig (1706): „To boil fast, starck kochen“; der folgende Eintrag lon-096 schreibt „as fast as it can boyle“.

Andere mögliche Lesart:

  • fast als „dicht, knapp“: gerade so viel Wasser, dass es die Orangen bedeckt. - Ludwig führt fast auch als „feste, dichte“; neben „a good quantity of water“ weniger wahrscheinlich.

Lesarttill it will cut them take it up

Gewählte Lesart: „till it will cut, then take it up“: bis das Gelee schnittfest ist, dann vom Feuer nehmen. Am Wortende sind m und n nicht sicher zu unterscheiden, then trägt den Satz.

Andere mögliche Lesart:

  • „till it will cut them“: das Gelee kocht, bis es fest genug ist, die Orangen zu umschließen. - Wörtliche Lesung; ergibt kein klares Endzeichen.

Originalwerk (~1610) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 127540, Folger Shakespeare Library, MS V.a.425 Quelle öffnen
Transkription
Folger Shakespeare Library, Lesetext (EMROC) der Handschrift V.a.425 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/lon-095
LagerkücheLagerküche
Eingemachtes. Die Sirupzeit dauert 9 oder 10 Tage, mit Aufkochen jeden zweiten Tag; dafür braucht es über diese Zeit eine feste Feuerstelle.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.