Essig aus Wein im vergrabenen Topf
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Ebenso: Einen Wein in einem reinen Topf sieden und abschäumen, danach gut verschließen und im selben Topf drei Tage in die Erde vergraben. Dann wieder herausnehmen und noch einmal sieden lassen, so wird guter Essig daraus.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
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Was ist das? Eines der kurzen Essigverfahren aus Raschs Essigkapitel: Wein wird in einem reinen Topf gesotten und abgeschäumt, gut verschlossen, im selben Topf drei Tage in die Erde gegraben und danach noch einmal gesotten. Welcher Wein, wie viel und wie lange gesotten wird, sagt Rasch nicht, ebenso wenig, womit der Topf verschlossen wird.
Die älteren Fassungen. Fast wortgleich steht das Verfahren in der Solothurner und der Kölner Küchenmeisterei. Dort ist es alter Wein, der Topf wird in einem Keller in die Erde gegraben, und nach dem Ausgraben lässt man ihn nur „einen kleinen Wall tun“, also kurz aufwallen, und stellt ihn dann hin. Rasch schreibt schlicht „Wein“, „in die Erde“ und „wieder sieden lassen“.
Heutige Einordnung. Essig entsteht nach heutigem Wissen, wenn Essigsäurebakterien den Alkohol des Weins mit Luft umsetzen. Das Sieden und der dicht verschlossene Topf stehen dem entgegen; dass auf diese Weise Essig wird, lässt sich nicht nachvollziehen.
Praxis. Als Versuch lässt sich das Verfahren mit einem sauberen Topf und gutem Verschluss nachstellen. Wer verlässlich Essig will, setzt ihn heute offen mit Essigmutter bei Zimmerwärme an (heutige Praxis, nicht Raschs Anweisung).
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Essigbereitung ist Kellerhandwerk, und der Topf liegt drei Tage in der Erde.
Wo wird der Topf vergraben?
Rasch sagt nur „in die Erde“. Die älteren Fassungen desselben Verfahrens in der Solothurner und der Kölner Küchenmeisterei vergraben ihn in einem Keller.
Wird daraus wirklich Essig?
Rasch sagt es so. Nach heutigem Wissen braucht Essig Essigsäurebakterien und Luft; Sieden und ein dicht verschlossener Topf stehen dem entgegen. Ob der Wein nach drei Tagen sauer geworden ist, müsste ein Versuch zeigen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
- hafen
Bairisch-österreichisch für Topf, hier das Gefäß, nicht die Hefe.
- abgefaimbt
Abgeschäumt: den beim Sieden aufsteigenden Schaum abgeschöpft.
- vermacht
Verschlossen, zugemacht. Womit, sagt der Text nicht.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ein wein | wine Q282 |
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
