Rotwein weiß machen mit Mandelmilch, Eiweiß und Mehl
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Ebenso, um roten Wein weiß zu machen: Nimm Mandelmilch, aus einem Pfund Kernen ausgepresst, das Weiße aus einem Ei und einen Löffel Weizenmehl, misch es durcheinander und gieß es ins Fass. Danach rühr es im Fass durcheinander.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Mandelmilch von 1. pfund khern außgepꝛeſt | Mandelmilch aus 1 Pfund Kernen ausgepresst | 1 Pfund | - | - |
| das weiß auß einem ay | das Weiße aus einem Ei | 1 | - | - |
| 1. leffel waitzes mehl | Löffel Weizenmehl | 1 | - | - |
| (erschlossen) | vaß | - | - | - |
Was ist das? Das zweite Mittel unter Raschs Überschrift „Roten Wein weiß machen“, im Druck mit „Item“ direkt an die Weihrauchkörner angeschlossen (ras-042). Mandelmilch, Eiweiß und Weizenmehl werden verrührt, ins Fass gegossen und dort durchgerührt.
Die Mandelmilch. Rasch schreibt nur „ausgepresst“ und nennt keine Flüssigkeit. In der Küche presst man Mandelmilch aus zerstoßenen Mandeln mit Wasser; das Weinbuch aus Donaueschingen setzt seine Mandelmilch für den Keller „vz dem selben wine“ an, also mit dem Wein selbst (wbd-028). Welche der beiden Arten Rasch meint, sagt der Text nicht.
Wie das wirken soll. Heutige Einordnung: Eiweiß ist bis heute ein gebräuchliches Schönungsmittel. Es flockt im Wein aus, sinkt ab und nimmt dabei Trübstoffe und Gerbstoffe mit, bei Rotwein auch etwas Farbe. Was Mandelmilch und Mehl dazu beitragen, ist nicht belegt. Aus rotem Wein einen weißen zu machen, ist von einer solchen Schönung nicht zu erwarten; eine Aufhellung schon eher. Das Weinbuch aus Donaueschingen kennt dasselbe Verfahren für dasselbe Ziel mit Eiweiß, Semmelmehl und Kuhmilch (wbd-022).
Was der Text offen lässt. Weinmenge, Ruhezeit und Abziehen nennt der Eintrag nicht, er endet mit dem Durchrühren. Beim Klären trüben Weins mit Eiweiß, Mehl und Sand lässt Rasch den Wein danach „etlich tag“ ruhen, damit es sich setzt (ras-007); für dieses Mittel sagt er das nicht.
Praxis. Die Zutaten sind harmlos. Heute würde man den Wein erst klar abziehen, wenn sich der Bodensatz gesetzt hat. Wer so behandelten Wein ausschenkt, sollte wissen, dass Mandel, Ei und Weizen darin waren: alle drei sind heute als Allergene kennzeichnungspflichtig.
Wozu dient die Mischung?
Sie steht unter Raschs Überschrift „Roten Wein weiß machen“ und schließt mit „Item“ an die Weihrauchkörner an. Sie soll also roten Wein heller machen. Wie stark das gelingt, sagt der Text nicht.
Wie lange muss der Wein danach ruhen?
Das steht nicht da. Der Eintrag endet mit dem Durchrühren im Fass. Beim Klären mit Eiweiß, Mehl und Sand lässt Rasch den Wein etliche Tage ruhen, damit es sich setzt (ras-007); für dieses Mittel nennt er keine Zeit.
Ist das etwas für die Lagerküche?
Nein. Es ist eine Behandlung von Wein im Fass, kein Gericht.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Mandelmilch von 1. pfund khern außgepꝛeſt
Gewählte Lesart: Mandelmilch aus einem Pfund Mandelkernen; der Text nennt keine Flüssigkeit, die Übersetzung ergänzt keine.
Andere mögliche Lesarten:
- Mit Wasser angesetzt - So entsteht Mandelmilch in der Küche (Adelung: geschälte, mit frischem Wasser zerstoßene Mandeln). Für den Keller nicht belegt.
- Mit dem Wein selbst angesetzt - Das Weinbuch aus Donaueschingen macht seine Mandelmilch für den Wein „vz dem selben wine“ (wbd-028). Bei Rasch nicht gesagt.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
