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Rotwein weiß machen mit Weihrauch

Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchRasch: Weinbuch (~1580)

6. Roten Wein weiß machen.

Drei oder vier Körner weißen Weihrauchs, in den Wein gehängt - aber doch nicht ganz bis auf das Geläger -, sind gut gegen die rote Farbe und gegen das Brechen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Weiſſen Weyhꝛauch 3. oder 4. khoͤꝛner 3 oder 4 Körner weißer Weihrauch - Fachhandel für Räucherwerk -
wein Roten wein - - -

Was ist das? Das erste von zwei Mitteln unter Raschs Überschrift „Roten Wein weiß machen“: Drei oder vier Körner weißer Weihrauch werden in den Wein gehängt, aber nicht ganz bis auf das Geläger. Das zweite Mittel, Mandelmilch mit Eiweiß und Weizenmehl, schließt im Druck mit „Item“ direkt an (ras-043).

Das Einhängen. Rasch nennt kein Behältnis, keine Weinmenge und keine Dauer, und er begründet nicht, warum die Körner über dem Bodensatz bleiben sollen. Zeitgenössisch belegt ist das Einhängen in einem Säcklein in die Mitte des Weins, so bei Rumpolt für Rosen und Raute (rum-1952); ob Rasch es so meint, sagt er nicht.

Rote Farbe und Brechen. Der Eintrag verspricht zweierlei: Er soll die rote Farbe nehmen und gegen das „Brechen“ helfen, wohl einen Weinfehler, bei dem der Wein umschlägt (siehe die Lesarten). Heutige Einordnung: Dass drei oder vier Harzkörner einen roten Wein weiß machen, ist nicht zu erwarten; wahrnehmbar dürfte vor allem der Duft des Harzes sein. Sonst gebraucht Rasch Weihrauch zum Ausräuchern der Fässer (ras-001).

Praxis. Wer es nachstellen will, hängt die Körner in einem kleinen Leinensäckchen an einer Schnur ein (heutiges Hilfsmittel, der Text nennt keins), so dass es frei im Wein hängt. Räucherharz wird für das Räuchern verkauft, nicht als Lebensmittel; dann nur reines Harz ohne Duftzusätze nehmen.

Ist das etwas für die Lagerküche?

Nein. Es ist eine Behandlung von Wein im Fass, kein Gericht.

Wie werden die Körner in den Wein gehängt?

Das sagt der Text nicht. Er nennt weder Säcklein noch Faden, keine Weinmenge und keine Dauer, nur dass die Körner nicht ganz bis auf den Bodensatz reichen sollen. Auch einen Grund dafür gibt Rasch nicht an.

Was ist mit „Brechen“ gemeint?

Wahrscheinlich ein Weinfehler: Rasch spricht an anderer Stelle von „gebrochenem“ Wein, der wieder schön werden soll. Ganz ausschließen lässt sich nicht, dass das Erbrechen des Trinkers gemeint ist.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.

6. Roten wein weiß machen. Weiſſen Weyhꝛauch 3. oder 4. khoͤꝛner in wein (aber doch nit gar auff das geleger) gehengt, iſt gut fuͤr die rothfarb vnd bꝛechen.
geleger

Das Geläger ist der Bodensatz, der sich im Fass unten absetzt. Rasch nennt ihn auch beim Essig neben der Hefe („von hoͤfen oder geleger“).

Druck
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben
Teil
Weitere Kellermittel nach Mizaldus und Lemnius
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)
Entstehung
Wien / München, 1580

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

weinwine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbꝛechen

Gewählte Lesart: Ein Weinfehler: Der Wein „bricht“, schlägt also um und wird missfarbig oder trüb. Rasch gebraucht das Wort selbst so: „gebꝛochen wein“ wird auf Buchenspänen in vierzehn Tagen wieder schön (ras-105), und bei der Schaumprobe unterscheidet er den guten vom „bꝛechenhafftigen“ Wein. Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt „brech“ als ›Mangel, Fehler‹. Im Text bleibt das Druckwort „Brechen“ stehen, weil nicht sicher ist, welche Erscheinung genau gemeint ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Erbrechen als Beschwerde des Trinkers - „gut für“ ist auch die Formel der Heilmittel, und Rasch gebraucht „erbꝛechen“ an anderer Stelle für das Erbrechen des Betrunkenen. Der Eintrag behandelt aber den Wein und steht unter einer Farbüberschrift, deshalb nur Alternative.

Originalwerk (~1580) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 079, München, Bayerische Staatsbibliothek (bsb00027343), Public Domain Mark 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach den Scans der Bayerischen Staatsbibliothek, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ras-042
LagerkücheLagerküche
Eine Behandlung von Wein im Fass, kein Gericht.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.