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Wacholderbeeren und Veilchenwurz gegen verfälschten Wein

Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchRasch: Weinbuch (~1580)

Es gibt etliche, die den Wein mit Alaun, Schwefel und Kalk verfälschen, nicht ohne großen Schaden für die, die ihn trinken. Damit das aber vermieden werden kann, sollen Wacholderbeeren und Veilchenwurz, „Ciridis radix“ genannt, daruntergemischt werden. Lemnius & Mizaldus, C. 4, A. 24.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
den wein Wein - - -
Reckholderboͤꝛ Wacholderbeeren - - -
Violwurtz Veilchenwurz - Kräuter- und Gewürzhandel -

Was ist das? Kein Ansatz, sondern eine Warnung mit Gegenmittel. Rasch nennt drei Stoffe, mit denen manche den Wein verfälschen - Alaun, Schwefel und Kalk -, und rät, Wacholderbeeren und Veilchenwurz unter den Wein zu mischen, damit der Schaden für die Trinker ausbleibt. Menge, Dauer und Zeitpunkt nennt er nicht, auch nicht, ob die Zutaten ganz oder gestoßen hineinkommen.

Die Fälschungsmittel. Wozu die Fälscher Alaun, Schwefel und Kalk nahmen, sagt der Text nicht. Ob „Schwefel“ den Stoff im Wein meint oder das Ausbrennen des Fasses mit Schwefel, lässt der Satz offen. Alaun und Kalk gehören heute nicht in Wein.

Veilchenwurz. Gemeint ist der Wurzelstock einer Schwertlilie, nicht das Veilchen; den Namen hat sie vom veilchenartigen Duft.

Wirkt das? Rasch gibt keine Begründung. Heutige Einordnung: Wacholderbeeren und Iriswurzel bringen Duft und Geschmack in den Wein, die Fälschungsstoffe entfernen oder entschärfen sie nicht; allenfalls überdecken sie Geruch und Geschmack.

Praxis. Als Kellermittel nicht nachzumachen: Ein verfälschter Wein wird durch die Beigabe nicht sicher. Zum Erzählen genügen die drei Fälschungsstoffe und die beiden Gegenmittel.

Was meint Rasch mit verfälschtem Wein?

Wein, dem Alaun, Schwefel oder Kalk zugesetzt wurde. Rasch sagt nur, dass das den Trinkern großen Schaden tut; wozu die Fälscher die Stoffe nahmen, sagt er nicht.

Macht das Mittel einen verfälschten Wein wieder trinkbar?

Rasch begründet es nicht. Nach heutigem Wissen entfernen Wacholderbeeren und Iriswurzel keinen dieser Stoffe aus dem Wein. Ein Wein, der im Verdacht steht, verfälscht zu sein, wird nicht getrunken.

Wo bekomme ich Veilchenwurz?

Getrocknete Iriswurzel, auch Veilchenwurzel genannt, führen Kräuter- und Gewürzhändler, als Stücke oder gemahlen. Eine Menge nennt Rasch nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es ist ein Kellermittel ohne Mengen, kein Gericht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.

Es ſeind etliche, welche den wein mit Alaun, ſchwebel vnd kalch verfelſchen, nit on groſſen ſchaden der jenigen die jn trincken. Daß aber ſolches vermeidet werden muͤg, ſo ſol Reckholderboͤꝛ vnnd Violwurtz (Ciridis radix genandt) darunder gemiſcht werden. Lemnius & Mizaldus.C.4.A.24.
Alaun

Ein Mineralsalz. Rasch nennt es hier mit Schwefel und Kalk als Mittel der Weinfälscher, nicht als Zutat.

Reckholderboͤꝛ

Wacholderbeeren; Reckholder ist ein oberdeutscher Name des Wacholders (Schmeller, Grimm).

Druck
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben
Teil
Weitere Kellermittel nach Mizaldus und Lemnius
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)
Entstehung
Wien / München, 1580

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

den weinwine Q282
Reckholderboͤꝛjuniper berry Q3251025

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartViolwurtz (Ciridis radix genandt)

Gewählte Lesart: Veilchenwurz, der Wurzelstock einer Schwertlilie (Iris). Adelung führt „Violenwurz oder Violwurz“ für die Florentiner Schwertlilie, deren Wurzel „wie blaue Violen“ riecht; Bock nennt eine andere Iris so. Die Gattung ist damit gesichert, die Art nicht. Das lateinische „Ciridis radix“ steht so im Druck und wird als Versehen für „Iridis radix“ (Iriswurzel) gelesen.

Andere mögliche Lesart:

  • Wurzel des Veilchens (Viola) - Der Name legt das Veilchen nahe, er kommt aber vom veilchenartigen Duft der Iriswurzel; die lateinische Beischrift zielt auf Iris.

Originalwerk (~1580) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 081, München, Bayerische Staatsbibliothek (bsb00027343), Public Domain Mark 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach den Scans der Bayerischen Staatsbibliothek, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ras-059
LagerkücheLagerküche
Kellermittel gegen verfälschten Wein, kein Gericht; die Wein- und Kellereinträge dieses Buchs sind nicht für die Lagerküche gedacht.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.