Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Lege die Birnen ein. Dünste sie, bis sie weich werden. Spicke sie mit Gewürznelken und Zimtstangen. Koche Zucker oder Honig mit ihnen auf. Lasse sie drei Wochen darin stehen. Danach sind sie gut.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Byern | Birnen | - | - | - |
| Naͤgelen | Gewürznelken | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| Zimmetroͤꝛn | Zimtstangen | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| zucker oder honig | Zucker oder Honig | - | - | Honig |
Welches Gericht ist das?
Birnen werden weich gedünstet, mit Gewürznelken und Zimtstangen besteckt und in einem Zucker- oder Honigsirup drei Wochen eingelegt - ein Vorrats-Kompott, keine Süßspeise im heutigen Sinn. Die nächsten lebenden Verwandten sind heutige Gewürzbirnen beziehungsweise „Pickled Spiced Pears“, die bis heute als Beilage zu Wild, Braten oder Käse serviert werden, nicht als Nachspeise.
Die Reifezeit.
Die drei Wochen Standzeit dienen zwei Zwecken zugleich: Die Gewürze ziehen durch, und Zucker beziehungsweise Honig durchdringen die Frucht - das macht sie haltbar. Für den Markttag bedeutet das: Die Zubereitung selbst ist einfach und rasch am Feuer erledigt, aber das fertige Ergebnis lässt sich nicht am selben Tag herstellen und servieren. Vorab angesetzt und mitgebracht funktioniert es dagegen problemlos.
Sirupkonzentration.
Der Druck nennt kein Mengenverhältnis von Zucker oder Honig zu Birnen. In der Praxis empfiehlt sich ein ausreichend konzentrierter Sirup (grob zu gleichen Teilen Zucker beziehungsweise Honig und Flüssigkeit), damit die Birnen die drei Wochen unbeschadet übersteht; ein dünnerer, weniger süßer Sud wäre nach dem Wortlaut zwar auch möglich, birgt aber ohne ausreichende Zuckerkonzentration ein reales Verderbrisiko.
Praxis.
Birnen schälen und halbieren beziehungsweise entkernen, weich dünsten, dann mit Gewürznelken und Zimtstangen bestecken - die Nelken werden dabei wie in einen Schinken direkt in das Fruchtfleisch gesteckt, die Zimtstangen ziehen eher lose im Sirup mit. Zucker oder Honig mit etwas Wasser aufkochen, die Birnen darin übergießen und kühl und dunkel etwa drei Wochen ziehen lassen.
‚Einmachen‘ bezeichnet hier eine Konservierungsmethode, bei der die Birnen in einer Zucker- oder Honiglösung eingelegt werden, um sie haltbar zu machen.
Eingeschränkt (Zeitfenster): Die eigentliche Zubereitung ist einfach und schnell am Lagerfeuer möglich. Allerdings erfordert das Rezept eine Reifezeit von drei Wochen, sodass die eingelegten Birnen nicht sofort verzehrfertig sind.
‚Nägelein‘ sind Gewürznelken. ‚Zimtröhren‘ sind Zimtstangen, die in der mittelalterlichen Küche häufig als Gewürz verwendet wurden.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
‚Nägelein‘ sind Gewürznelken, ein in der mittelalterlichen Küche häufig verwendetes Gewürz.
‚Zimtröhren‘ bezeichnet Zimtstangen, die in dieser Form gehandelt und zum Würzen verwendet wurden.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Byern | pear Q13099586 |
| Naͤgelen | clove Q15622897 |
| Zimmetroͤꝛn | cinnamon Q28165 |
| zucker oder honig | unrefined cane sugar or honey Q57656231 · Q10987 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Sirupkonzentration (Zucker/Honig zu Birnen)
Gewählte Lesart: Praxisempfehlung: ein ausreichend konzentrierter Sirup (grob zu gleichen Teilen Zucker beziehungsweise Honig und Flüssigkeit), damit die Birnen die dreiwöchige Standzeit unbeschadet übersteht.
Andere mögliche Lesart:
Birnen geschält/entkernt/halbiert oder ganz
Gewählte Lesart: Praxisempfehlung: Birnen schälen und halbieren beziehungsweise entkernen - das erleichtert Dünsten und Spicken mit den Gewürznelken.
Andere mögliche Lesart:
Lagerort während der drei Wochen
Gewählte Lesart: Praxisempfehlung: kühl und dunkel lagern, um Gärung oder Schimmelbildung zu vermeiden.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 11.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.