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Claret (heller Rotwein): Maische im Most stehen lassen

Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676) · England · 1676

BochetGetränkLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchWorlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (~1676)

Wenn du Claret machen willst, musst du deine Maische sechs oder acht Tage im Most liegen lassen, oder mehr oder weniger, wie du ihn haben willst, herb oder gefärbt, bevor du sie auspresst. In der Zwischenzeit achte aber darauf, deinen Gärbottich dicht abzudecken.

Nordwinde sollen sehr schlimm sein, weil sie die Weine sauer werden lassen. Achte deshalb darauf, sie vom Wein fernzuhalten.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Murc or Chaff Maische - - -
Muſt Most - Keltertrauben vom Winzer -

Was ist das? Worlidges Anweisung für Claret, einen hellen, rötlichen Wein. Der Absatz folgt im Buch unmittelbar auf seinen Wein aus englischen Trauben (wor-006) und setzt dessen Lese und Auslese stillschweigend voraus. Anders ist nur, dass die Maische vor dem Pressen sechs oder acht Tage im Most bleibt. Eine Traubensorte oder die Farbe der Trauben nennt er nicht.

Die Zeit auf der Maische. Worlidge gibt sechs oder acht Tage an und lässt mehr oder weniger zu, je nachdem, ob der Wein herb oder gefärbt werden soll. Das Ende bestimmt also der gewünschte Charakter, nicht ein Zeichen der Gärung. Heute erklärt man das so: Aus den Schalen gehen mit der Zeit Farbe und herbe Gerbstoffe in den Most über. Ob der Most in diesen Tagen schon gärt, sagt Worlidge nicht. Eine Hefe nennt er keine; ungekochter Traubenmost gärt in einer solchen Standzeit in der Regel an, mit der Hefe von den Trauben und aus dem immer wieder benutzten Bottich. Heute heißt das Maischegärung, das Verfahren der Rotweinbereitung.

Dicht abdecken. Worlidge verlangt, den Bottich in der Zwischenzeit dicht abzudecken. Einen Grund nennt er nicht.

Der Nordwind. Dass Nordwinde die Weine sauer werden lassen, gibt Worlidge als Gehörtes weiter und rät, sie vom Wein fernzuhalten. Wie das geschehen soll, sagt er nicht. Es ist seine Erklärung des Sauerwerdens, keine heutige.

Praxis. Heutiger Hinweis: Ohne Trauben mit farbigen Schalen gibt es keine Färbung; Worlidge setzt das voraus, ohne es zu sagen. Ohne eingefahrenen Bottich gibt man eine Weinhefe zu. Gärende Maische gibt Kohlendioxid ab, das sich in geschlossenen Kellerräumen am Boden sammelt, deshalb gut lüften. Das Füllen ins Fass mit freiem Raum für die Gärung und das spätere Auffüllen beschreibt Worlidge im Absatz davor (wor-006). Wie viele Trauben er nimmt und wie lange der Wein danach gärt, steht nicht da.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Claret ist ein Gärgetränk: Die Maische steht sechs oder acht Tage im abgedeckten Bottich, danach wird gepresst. Gärung über so lange Zeit ist im Lager nicht verlässlich zu führen.

Was bedeutet „ruff or tinctured“?

„Herb oder gefärbt“. Ruff ist eine alte Schreibung von rough, das Ludwigs Wörterbuch von 1706 unter anderem mit „herbe“ übersetzt; tinctured heißt gefärbt. Wie lange die Maische im Most bleibt, richtet Worlidge danach: sechs oder acht Tage, oder mehr oder weniger.

Warum soll der Bottich dicht abgedeckt sein?

Das sagt Worlidge nicht. Er verlangt nur, den Bottich in den Tagen auf der Maische dicht abzudecken. Gleich danach warnt er vor dem Nordwind, der die Weine sauer werden lassen soll; ob er beides verbindet, lässt er offen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (1676, England). Aus John Worlidges Buch über Cider und Obstweine die Getränke und die Kellerarbeit: wie man Cider mahlt, presst, vergärt, mit Hausenblase klärt, auf Fässer und Flaschen zieht, lagert, verdorbenen Cider kuriert und Fässer ausschwefelt; dazu Wasser-Cider, Ciderkin, gekochter und gewürzter Cider, Perry, Wein aus englischen Trauben und Claret, Kirsch-, Pflaumen-, Johannisbeer-, Stachelbeer-, Himbeer- und Aprikosenwein, Himbeer-Met der Schweden und Russen, Worlidges eigenes Metheglin und Birkenwein, auch mit Honig.

Claret (heller Rotwein): Maische im Most stehen lassen – Originalseite aus Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke)
Scan 124, Mikrofilm Early English Books 1641-1700, via archive.org
If you intend to make Claret, you muſt let your Murc or Chaff abide in the Muſt ſix or eight days, or as you will have it, more or leſs, ruff or tinctured, before you preſs it out; but in the interim be ſure to cover your Vat cloſe. North-winds are reported to be very bad for the ſowring of Wines; therefore be careful to keep them from it.
Claret

Ludwigs englisch-deutsches Wörterbuch von 1706 übersetzt Claret mit „röthlichter wein“: ein heller, rötlicher Wein, keine eigene Rebsorte. Seine Farbe bekommt er hier aus der Zeit, die die Maische im Most steht.

Druck
Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676)
Sprache
Englisch der Restaurationszeit (London 1676); John Worlidge
Entstehung
England, 1676

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Muſtfruit juice Q20932605

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartruff or tinctured

Gewählte Lesart: „herb oder gefärbt“: ruff ist eine Schreibung von rough (Ludwig 1706 verweist „Ruff-footed, G. Rough-footed“), und Rough heißt bei Ludwig unter anderem „herbe, unlieblich“. To tincture ist bei Ludwig „etwas farben“, Tincture bei Phillips 1658 „a staining, or dying“, wie in wor-003 und wor-004. Die beiden Wörter nennen, wonach sich die Dauer richtet; die Übersetzung lässt das Verhältnis so offen wie der Text.

Andere mögliche Lesarten:

  • Gegensatzpaar nach der Dauer: kurz auf der Maische nur angefärbt, lang herb - Passt zu „more or leſs“ und zum heutigen Wissen über die Standzeit, steht so aber nicht da.
  • Ruff als eigenes Wort (Krause, Kartenspiel, Vogel) - So die Stichwörter bei Ludwig und Halliwell; im Weinkontext ohne Sinn.

Originalwerk (~1676) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 124, Mikrofilm Early English Books 1641-1700, via archive.org Quelle öffnen
Transkription
Text Creation Partnership, EEBO-TCP A67093 (Erstausgabe 1676) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/wor-007
LagerkücheLagerküche
Gärgetränk: Die Maische steht sechs oder acht Tage im abgedeckten Bottich, danach wird gepresst und der Wein weiter vergoren. Gärung über Tage und Wochen ist im Lager nicht verlässlich zu führen; dazu braucht es Trauben, Bottich und Presse.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.