Damaszenerpflaumen einmachen
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Damaszenerpflaumen musst du genauso einmachen wie Aprikosen. Nimm aber etwa 560 g (ein Pfund und ein Viertel) Zucker auf etwa 450 g (ein Pfund) Damaszenerpflaumen und keine andere Flüssigkeit als etwa 0,25 l (ein halbes Pint) Wasser.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a pound of damsons | Damaszenerpflaumen | 450 g | Wochenmarkt | - |
| a pound and quarter of sugar | Zucker | 560 g | - | - |
| halfe a pint of water | Wasser | 250 ml | - | - |
Was ist das? Ein Kurzrezept, das nur Mengen nennt. Für das Verfahren verweist es auf das Einmachen der Aprikosen, das im Buch unmittelbar davor steht (lon-024, lon-023). Gegenüber den Aprikosen ändert es zwei Dinge: Es nimmt mehr Zucker als Frucht, ein Pfund und ein Viertel auf ein Pfund statt ein Pfund auf ein Pfund, und als Flüssigkeit nur Wasser. Einen Grund für den höheren Zuckeranteil nennt der Text nicht.
Welche Aprikosen-Anleitung? Die Mengenangabe passt zu lon-024 („A more approved way to preserve Apricocks“): Dort wird ein Pfund Zucker mit einem halben Pint Wasser geschmolzen, und eine Nachbemerkung erlaubt, das Wasser zur Hälfte durch einen Sud aus Pippin-Äpfeln zu ersetzen. „noe other liquor but halfe a pint of water“ schließt diesen Sud für die Pflaumen aus. Das andere Aprikosenrezept, lon-023, kommt ganz ohne Wasser aus.
Schälen oder ganz lassen? Für die Aprikosen verlangt lon-024 das Schälen, lon-023 Entsteinen und Schälen. Ob das auch für die Pflaumen gilt, sagt der Eintrag nicht. Wer sie heute ganz einlegt, trifft eine eigene Entscheidung, keine der Handschrift.
Praxis. Nach lon-024: Den Zucker mit dem Wasser in einer Pfanne schmelzen und aufkochen, bis er ganz gelöst ist, und abschäumen. Die Pflaumen in den Sirup legen und eine Viertelstunde darin durchwärmen lassen. Dann eine halbe Stunde aufs Feuer setzen und in dieser Zeit zwei- oder dreimal vom Feuer nehmen, mit einem Tuch und einer Schüssel zudecken und stehen lassen, bis sie kalt sind. Wieder sanft kochen, bis sie halb gar scheinen, bis zum nächsten Tag stehen lassen, noch einmal aufkochen und erst kalt in die Gläser füllen. Siedender Zuckersirup verursacht schwere Verbrennungen, beim Abnehmen und Umfüllen deshalb vorsichtig arbeiten.
Wie geht das Einmachen, wenn der Eintrag nur Mengen nennt?
Er verweist auf die Aprikosen, die im Buch direkt davor stehen. Am besten passt lon-024: Zucker in dem halben Pint Wasser schmelzen und abschäumen, die Früchte darin durchwärmen, über zwei Tage mehrmals sanft aufkochen und wieder abkühlen lassen und erst kalt in die Gläser füllen. Ob die Pflaumen dabei wie die Aprikosen geschält werden, sagt der Text nicht.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja. Ein Topf, Feuer, Zucker, Wasser und frische Pflaumen genügen. Man braucht aber zwei Tage, weil die Früchte nach dem Aprikosenverfahren mehrmals aufgekocht werden und dazwischen kalt werden müssen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- damsons
Damaszenerpflaume, englisch damson, eine kleine Pflaumenform. Ludwigs englisch-deutsches Wörterbuch (1706) gibt „damſon“ mit „eine zwetſchge“ wieder, Cotgrave (1611) setzt die Damson der „Damask Plumme“ gleich, der Pflaume aus Damaskus.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| a pound of damsons | damson Q106691054 |
| a pound and quarter of sugar | unrefined cane sugar Q57656231 |
| halfe a pint of water | water Q283 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
eaven as you doe Apricockes
Gewählte Lesart: Verweis auf lon-024, das unmittelbar vorangehende Aprikosenrezept: Es schmilzt den Zucker in einem halben Pint Wasser und bietet als Alternative einen Pippin-Sud an, den „noe other liquor“ ausschließt. Übersetzt wird der Verweis wörtlich, ohne ergänzte Arbeitsschritte.
Andere mögliche Lesart:
- Verweis auf lon-023 (Aprikosen einmachen und trocknen). - Ebenfalls ein Aprikosenrezept auf derselben Doppelseite, doch es schmilzt den Zucker ohne Wasser im Fruchtsaft; die Wasserangabe passt dazu nicht. Dass beide Rezepte gemeint sein könnten, lässt der Text offen.
noe other liquor but halfe a pint of water
Gewählte Lesart: „liquor“ ist hier die Flüssigkeit, in der der Zucker geschmolzen wird (Ludwig 1706: „eine feuchtigkeit, … bruͤhe“). Der Satz legt fest, dass für die Pflaumen nur Wasser dient, nicht der Pippin-Sud, den lon-024 für die Aprikosen erlaubt.
Andere mögliche Lesart:
- Bloße Mengenangabe ohne Bezug auf den Pippin-Sud. - Möglich, die Übersetzung bleibt gleich; der ausdrückliche Ausschluss „noe other“ spricht aber für die Abgrenzung gegen die Alternative im Bezugsrezept.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
