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Grüne Aprikosen einmachen

Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchRezeptbuch der Sarah Longe (~1610)

Pflücke zuerst deine Aprikosen, bevor sie einen Stein in sich haben, mit den Stielen daran, und wiege sie. Auf etwa 450 g (ein Pfund) Aprikosen nimm etwa 450 g (ein Pfund) Zucker.

Dann nimm einen Kochtopf mit klarem Wasser, bring es zum Kochen, gib deine Aprikosen hinein und lass sie kochen, bis sie ihre Farbe verloren haben. Dann nimm sie aus diesem Wasser und lege sie in einen zweiten Kochtopf mit kochendem Wasser. Lass sie darin kochen, bis sie weich sind, und nimm sie wieder aus dem Wasser.

Lege sie wieder in das andere Wasser, stelle sie auf ein wenig Glut und lass sie leise sieden, bis sie ihre Farbe wiederbekommen. Dann nimm sie heraus.

Stoße deinen Zucker sehr fein und gib ihn in deine Einmachpfanne. Leg deine Aprikosen hinein, nimm ein wenig von der Flüssigkeit und träufle sie über alle. Und so mach sie ein.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
a pound of Apricockes etwa 450 g grüne, unreife Aprikosen mit Stielen 450 g - -
a pound of sugar etwa 450 g Zucker 450 g - -
a skillet of faire water Wasser - - -

Was ist das? Ganze unreife Aprikosen mit Stiel, deren Kern noch weich ist, werden zweimal gebrüht, im ersten Wasser auf wenig Glut wieder grün gemacht und dann in fein gestoßenem Zucker eingemacht, Gewicht gegen Gewicht.

Drei Bäder, zwei Töpfe. Im ersten kochenden Wasser verlieren die Früchte ihre Farbe, im zweiten kochen sie weich. Dann kommen sie zurück ins erste Wasser und sieden auf wenig Glut leise, bis die Farbe wiederkehrt. Die Endzeichen sind zu sehen: Farbe weg, weich, Farbe zurück. Zeiten nennt der Text nicht.

Der Schluss bleibt offen. Der Zucker wird nur sehr fein gestoßen und in die Einmachpfanne gegeben, die Früchte kommen hinein und werden mit ein wenig Flüssigkeit beträufelt; dann heißt es nur „soe preserve them“. Die nächste historische Lesart ist das übliche Einkochen: Die Pfanne kommt aufs Feuer, der Zucker löst sich in den Tropfen und im Saft der Früchte, und die Aprikosen kochen darin sacht, wie im Aprikosenrezept davor (lon-023) „very softly“. Hannah Woolley (The Queen-like Closet, Ausgabe 1672) kocht gegrünte Pfirsiche in Zucker nach Gewicht, „till they are clear“, und sagt, so könne man auch grüne Aprikosen machen.

Praxis. Heute: die Pfanne bei kleiner Hitze aufsetzen, bis der Zucker geschmolzen ist, dann die Früchte sacht kochen, bis sie klar aussehen, und mit dem Sirup in Gläser füllen. Siedender Zucker verbrennt die Haut. Die weiche Kernanlage wird mitgegessen; Aprikosenkerne enthalten Amygdalin, wie viel davon in der Kernanlage unreifer Früchte steckt, ist hier nicht belegt - deshalb nur in kleinen Mengen essen.

Wann werden die Aprikosen gepflückt?

Bevor sie einen Stein in sich haben, also solange der Kern noch weich ist, und mit den Stielen. Robert May (1660) beschreibt dasselbe Stadium: so jung, dass man mit einer Nadel durch den Stein stechen kann.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Gebraucht werden zwei Kochtöpfe, ein wenig Glut und eine Einmachpfanne. Der Engpass ist die kurze Zeit, in der die Früchte noch keinen Stein haben.

Warum verlieren die Aprikosen erst die Farbe und bekommen sie dann zurück?

Das erste Kochen nimmt ihnen die Farbe, das leise Sieden auf wenig Glut im ersten Wasser bringt sie zurück. Der Text beschreibt nur, was zu sehen ist, eine Erklärung gibt er nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.

To preserve greene Apricockes. ffirst gather your Apricockes before they have any stone in them with the stalkes one, and waigh them, and take to a pound of Apricockes a pound of sugar, then take a skillet of faire water and make it boyle, and put in your Apricockes, and make them boyle, till they have lost their Colour, then take them out of that water and put them into another Skillet of water that boyleth, and let them boyle till they be tender, and take them out of the water againe, and put them againe into the other water, and sett them on a few Embers, and lett them simper till they come to their Colour againe, and then take them up, and beate your sugar very fine, and put it in your preserving pan, and lay in your Apricockes, and take a little of the liquor and drop upon them all, and soe preserve them.
before they have any stone in them

Gemeint ist der Zeitpunkt, bevor der Kern verholzt: Die Frucht wird im Ganzen mit der weichen Kernanlage eingemacht. Robert May (1660) beschreibt grüne Aprikosen „so tender, that you may thrust a pin through the stone“.

simper

Nach Halliwell (1846) „to simmer“, also leise sieden. Gerard (1633) setzt „to simper, but not to boyle“ ausdrücklich gegen das Kochen ab.

Handschrift
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425
Teil
Hauptteil: Sarah Longes Rezeptbuch mit Register (S. 1–49)
Sprache
Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände
Entstehung
England, 1610

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartput them againe into the other water

Gewählte Lesart: Zurück in das erste Wasser, in dem sie ihre Farbe verloren haben: Sie kommen gerade aus dem zweiten Topf, „againe“ und „the other“ weisen auf den Topf davor.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein drittes, frisches Wasser. - Davon steht nichts da; der Text kennt nur zwei Kochtöpfe.

Lesarttake a little of the liquor

Gewählte Lesart: Ein wenig von dem Wasser, in dem die Früchte zuletzt gesiedet haben; Ludwig (1706) gibt liquor mit „feuchtigkeit … brühe“ wieder.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Sirup. - Bis zu dieser Stelle wird kein Sirup gekocht; der Zucker liegt trocken in der Pfanne.

Lesartand soe preserve them

Gewählte Lesart: Das übliche Einkochen: Pfanne aufs Feuer, die Früchte im schmelzenden Zucker sacht kochen, wie in lon-023 („let them boyle very softly“).

Andere mögliche Lesarten:

  • Kochen, bis die Früchte klar sind, wie Hannah Woolley (Ausgabe 1672) bei gegrünten Pfirsichen und grünen Aprikosen. - Gleiche Richtung, aber aus einem anderen Buch; Longe nennt kein Endzeichen.
  • Kein weiteres Kochen, der Zucker zieht mit der Flüssigkeit kalt ein. - Möglich, aber in den Aprikosen- und Quittenrezepten davor und danach (lon-023, lon-024, lon-027, lon-028) wird am Feuer eingekocht.

Originalwerk (~1610) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 127515, Folger Shakespeare Library, MS V.a.425 Quelle öffnen
Transkription
Folger Shakespeare Library, Lesetext (EMROC) der Handschrift V.a.425 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/lon-026
LagerkücheLagerküche
Eingemachtes aus Frischobst: ja. Die Früchte müssen gepflückt werden, bevor sich der Stein bildet; diese Zeit ist kurz. Gebraucht werden zwei Kochtöpfe, ein wenig Glut zum leisen Sieden und eine Einmachpfanne; den Zucker stößt man vorher sehr fein.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.