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Brechmittel mit Crocus in Sack

Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchRezeptbuch der Sarah Longe (~1610)

Für ein Brechmittel: Nimm Crocus, Merhelosuse, gib etwa 4 g (eine Drachme) davon in etwa 0,5 l (ein Pint) Sack und bewahre es so auf.

In der Nacht, bevor du es gibst, schüttle das Glas. Dann gib einem Alten sechs Löffel voll von dem Wein und einem Kind drei, oder nach Gewicht etwa 30 g (eine Unze) und einem Kind etwa 15 g (eine halbe Unze).

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Crocus, Merhelosuse etwa 4 g (eine Drachme) Crocus, Merhelosuse 4 g - -
a pint of sacke etwa 0,5 l (ein Pint) Sack 500 ml - -

Was ist das? Ein Brechwein: Ein Pulver namens Crocus wird in Sack angesetzt und im Glas aufbewahrt; gegeben wird er löffelweise oder nach Gewicht, einem Kind die Hälfte. Ludwig (1706) übersetzt vomit mit „eine spey-artzney, artzney zum brechen“.

Crocus. Die englischen Wörterbücher der Zeit kennen crocus nur als Safran oder Krokus, und das passt zu keinem Brechmittel. Corneille (1694) schreibt, die Chymiker nennten das zubereitete Antimon Crocus Metallorum, „Safran des metaux“, nach seiner rötlich-gelben Farbe. Furetière (1690) beschreibt den Brechwein als Wein, in dem Antimonpulver, darunter crocus metallorum, eine Zeit gezogen hat; er soll „par haut & par bas“ ausleeren. Genau dieses Verfahren zeigt der Eintrag. Das zweite Wort, „Merhelosuse“, steht so in der Handschrift und in keinem Wörterbuch. Ob es ein nach Gehör geschriebenes metallorum ist, bleibt eine offene Deutung.

Das Schütteln. Das Glas wird in der Nacht vor der Gabe geschüttelt, nicht unmittelbar davor. Einen Grund nennt die Handschrift nicht.

Die Gaben. Sechs Löffel für einen Alten, drei für ein Kind, oder nach Gewicht eine Unze und eine halbe Unze. Die Unze meint wohl den Wein und nicht das Pulver, denn im ganzen Ansatz steckt nur eine Drachme.

Einordnung. Der Eintrag zeigt einen Brechwein der Hausapotheke, ein Arzneipulver in Sack angesetzt und nach dem Alter abgestuft - ein Zeugnis der Arzneipraxis seiner Zeit, keine Anleitung. Crocus metallorum ist ein Antimon-Präparat, ein starkes Brechmittel und giftig; die Handschrift sieht die Gabe ausdrücklich auch für Kinder vor. Die Wirkung ist der Anspruch der Handschrift, die Mengen sind keine Dosierungsempfehlung.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Es ist ein historisches Arzneimittel, keine Speise und keine Anleitung zur Selbstmedikation. Der Hauptstoff ist wahrscheinlich ein giftiges Antimon-Präparat.

Ist mit „Crocus“ Safran gemeint?

Wahrscheinlich nicht. Corneille (1694) nennt das zubereitete Antimon der Chymiker Crocus Metallorum, und Furetière (1690) beschreibt den Brechwein als Wein, in dem solches Pulver gezogen hat. Das rätselhafte zweite Wort „Merhelosuse“ lässt die Lesung offen.

Kann man das heute nachmachen?

Nein. Der Eintrag ist ein historisches Dokument. Crocus metallorum ist ein Antimon-Präparat und giftig.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.

For a Vomitt. Take Crocus, Merhelosuse, and put a drame into a pint of sacke, and soe keepe, and the night before you giue it shake the glass, and soe giue six sponefulls of the wine to one that is old, and 3. to a Child, or by weight an Ounce, and to a Child halfe an Ounce.
Vomitt

Brechmittel. Ludwigs englisch-deutsches Wörterbuch von 1706 übersetzt vomit mit „eine spey-artzney, artzney zum brechen“.

sacke

Kräftiger Weißwein aus Spanien oder von den Kanaren, eine Sherry-Art. Ludwig (1706) übersetzt „Spanischer oder Canarien-Seckt“, Blount (1656) nennt den Málaga-Sack nach der Stadt in Andalusien. Über seine Süße sagt die Handschrift nichts.

Handschrift
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425
Teil
Hauptteil: Sarah Longes Rezeptbuch mit Register (S. 1–49)
Sprache
Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände
Entstehung
England, 1610

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartCrocus, Merhelosuse

Gewählte Lesart: Crocus metallorum, ein Antimon-Präparat. Corneille (1694) nennt das zubereitete Antimon Crocus Metallorum, Furetière (1690) den Wein, in dem es zieht, einen Brechwein - das Verfahren dieses Eintrags. Im Text bleibt „Crocus, Merhelosuse“ stehen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Safran (Crocus sativus) - Die einzige Bedeutung, die Ludwig und die englischen Pflanzenbücher für crocus geben; als Brechmittel aber nicht belegt.
  • „Merhelosuse“ als nach Gehör geschriebenes metallorum - Würde die Lesung Crocus metallorum bestätigen, trägt aber nur über den Klang; kein Wörterbuch kennt das Wort.

Lesartor by weight an Ounce

Gewählte Lesart: Gewicht der Weingabe: eine Unze für einen Alten, eine halbe Unze für ein Kind, statt der Löffel.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Unze des Pulvers - Grammatisch möglich, aber der ganze Ansatz enthält nur eine Drachme Pulver.

Originalwerk (~1610) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 127526, Folger Shakespeare Library, MS V.a.425 Quelle öffnen
Transkription
Folger Shakespeare Library, Lesetext (EMROC) der Handschrift V.a.425 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/lon-059
LagerkücheLagerküche
Arznei, keine Anleitung zur Selbstmedikation. Der Hauptstoff ist wahrscheinlich ein Antimon-Präparat und giftig.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.