Sahneschnee mit Rosenwasser, zweite Art
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Nimm etwa 0,5 l (ein Pint) Sahne, ein wenig Rosenwasser, das Weiße von 2 Eiern und so viel Zucker, wie es zum Süßen braucht. Schlage es so und nimm den Schaum ab, aber nicht in das Gefäß, in dem du ihn haben willst.
Lass ihn so beinahe eine halbe Stunde stehen, bis es sich zum Boden hin gesetzt hat. Dann nimm ihn behutsam heraus in das Gefäß, in das er kommen soll, und lege ihn in Haufen hinein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a pint of creame | etwa 0,5 l Sahne | 500 ml | - | - |
| a little rosewater | ein wenig Rosenwasser | - | - | - |
| the white of 2 Eggs | das Weiße von 2 Eiern | 2 Stück | - | - |
| as much sugar as will sweeten it | so viel Zucker, wie es zum Süßen braucht | - | - | - |
Was ist das? Ein Schaum aus Sahne, Eiweiß, Zucker und Rosenwasser, der abgenommen, eine Weile stehen gelassen und dann in Haufen angerichtet wird - der zweite „Schnee“ des Buchs nach lon-001, hier ohne Wein und Zitrone.
Schlagen. „wipe“ steht für whip, schlagen. Womit geschlagen wird, sagt der Eintrag nicht; der erste Schnee des Buchs schlägt mit einer Birkenrute. Der Schaum, der beim Schlagen entsteht, wird abgenommen.
Ruhen und Absetzen. Der Schaum kommt zuerst in ein anderes Gefäß als die Servierschale und steht dort beinahe eine halbe Stunde, „till it be settled to the bottome“. Den Grund nennt der Text nicht. Der erste Schnee des Buchs sagt, er solle sich setzen „with a little kinde of drinke at the bottome, like a Sillibubbe“ - es sammelt sich also wohl Flüssigkeit am Boden, und der Schaum wird danach ohne sie umgehoben. Rontziers Eierschnee mit Rahm legt den Schaum dafür in ein Haarsieb. Heute kann man den Schaum in einem Sieb über einer Schüssel ruhen lassen; das ist eine heutige Hilfe, der Text nennt kein Sieb.
Anrichten. „slightly“ heißt hier leicht, obenhin: den Schaum behutsam umheben, damit er nicht zusammenfällt, und in Haufen in die Schale legen.
Praxis. Sahne und rohes Eiweiß verderben in der Wärme schnell: Zutaten und fertigen Schaum kühl halten und bald essen.
Warum soll der Schaum nicht gleich in die Servierschale?
Der Text sagt nur, dass er zuerst beinahe eine halbe Stunde stehen soll, bis er sich gesetzt hat, und erst dann behutsam umgehoben wird. Den Grund nennt er nicht. Der erste Schnee des Buchs beschreibt, dass sich beim Stehen „ein wenig Trank“ am Boden sammelt - beim Umheben bleibt diese Flüssigkeit wohl zurück, und die Haufen bleiben locker. Das ist eine Deutung, keine Angabe der Handschrift.
Wie unterscheidet sich das vom ersten Schnee-Rezept des Buchs?
Der erste Schnee (lon-001) nimmt dicke süße Sahne, Sack, ein halbes Pfund Zucker, Eiweiß und Zitrone, wird mit einer Birkenrute geschlagen und setzt sich im Serviergefäß, am liebsten einem gläsernen Syllabub-Topf. Dieser hier kommt ohne Wein und Zitrone aus, wird mit Rosenwasser aromatisiert, nach Geschmack gesüßt, setzt sich in einem Zwischengefäß und wird in Haufen angerichtet.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Ja. Es braucht kein Feuer, nur eine Schüssel und etwas zum Schlagen; womit, sagt das Rezept nicht. Sahne und rohes Eiweiß verderben in der Wärme schnell, deshalb kühl halten und den Schnee bald essen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- snow
„Schnee“: eine Schaumspeise aus geschlagenem Rahm, oft mit Eiweiß, die weiß und locker angerichtet wird. Das Buch kennt noch einen ersten Schnee mit Sack und Zitrone (lon-001).
- wipe
Nach Gehör geschrieben für „whip“, schlagen. Ein Wischen ergibt hier keinen Sinn, denn danach wird der Schaum abgenommen.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| a pint of creame | cream Q13228 |
| a little rosewater | rose water Q900450 |
| the white of 2 Eggs | egg white Q796758 |
| as much sugar as will sweeten it | unrefined cane sugar Q57656231 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
till it be settled to the bottome
Gewählte Lesart: Der abgenommene Schaum steht, und dabei sinkt Flüssigkeit zum Boden ab; danach wird der Schaum ohne sie umgehoben. Gestützt durch den ersten Schnee des Buchs (lon-001): „it should settle with a little kinde of drinke at the bottome, like a Sillibubbe“.
Andere mögliche Lesart:
- Der Schaum selbst sackt zusammen und wird fester. - Das „it“ ist grammatisch offen. Ein ganz zusammengefallener Schaum ließe sich aber nicht mehr in Haufen legen, und lon-001 beschreibt ausdrücklich Flüssigkeit am Boden.
but not into the thing as you wold have it
Gewählte Lesart: Der Schaum kommt zum Ruhen in ein anderes Gefäß als das, in dem er aufgetragen wird; erst danach wird er umgehoben. Welches Gefäß, sagt der Text nicht.
Andere mögliche Lesart:
- Ein Sieb oder Durchschlag als Zwischengefäß - So macht es Rontziers Eierschnee (ron-2453, „in ein Harnsieb odr durchschlag“); hier ist es nicht genannt und bleibt deshalb nur Vergleich.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
