Pfeffersirup mit Ysopwasser gegen Blähungen
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Zum Austreiben von Blähungen.
Nimm weißen Pfeffer und schwarzen Pfeffer, von jedem für einen Penny, dazu Thymian, Ingwer und Anis, von jedem einen Löffel voll, gesiebt und zu feinem Pulver gemacht, und für einen Penny langen Pfeffer. Der weiße muss grob gestoßen werden.
Dann nimm etwa 0,75 l (anderthalb Pint) Ysopwasser und gib etwa 340 g (drei Viertel Pfund) Zucker hinein. Koche es, bis es zu einem Sirup wird. Wenn er abgekühlt ist, gib deine Pulver hinein und rühre alles gut zusammen. So kannst du es, wenn du willst, ein Jahr lang in einem Salbentopf aufbewahren.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| White pepper | weißer Pfeffer, für einen Penny, grob gestoßen | - | - | - |
| Black pepper | schwarzer Pfeffer, für einen Penny | - | - | - |
| Time | ein Löffel voll Thymian | 1 EL | - | - |
| ginger | ein Löffel voll Ingwer | 1 EL | - | - |
| anniseeds | ein Löffel voll Anis | 1 EL | - | - |
| a penyworth of long pepper | langer Pfeffer, für einen Penny | - | - | - |
| a pint and an halfe of Isopp water | etwa 0,75 l (anderthalb Pint) Ysopwasser | ¾ l | - | - |
| 3 quarters of a pound of sugar | etwa 340 g (drei Viertel Pfund) Zucker | 340 g | - | - |
Was ist das? Ein Gewürzpulver aus weißem, schwarzem und langem Pfeffer, Thymian, Ingwer und Anis, das in einen Sirup aus Ysopwasser und Zucker eingerührt und im Salbentopf aufbewahrt wird. Die Überschrift nennt als Zweck das Austreiben von „wind“, also von Blähungen. Wie viel man davon nehmen soll und wann, sagt der Eintrag nicht.
Die Pulver. Die Gewürze werden gesiebt („searched“) und fein gepulvert. Nur der weiße Pfeffer soll grob gestoßen werden - das steht quer zum feinen Pulver der übrigen und ist am ehesten eine Ausnahme für ihn. Die Pfeffer sind nach dem Preis bemessen („a peny-worth“), Thymian, Ingwer und Anis nach dem Löffel.
Der Sirup. Der Zucker wird im Ysopwasser gekocht, „till it comes to a sirrope“; eine Probe dafür nennt der Text nicht. Die Pulver kommen erst nach dem Abkühlen hinein. Ob das Ysopwasser destilliert oder abgekocht ist, sagt der Eintrag nicht; destillierte Kräuterwässer stellt das Buch an anderer Stelle selbst her (lon-046).
Einordnung. Der Eintrag dokumentiert ein Gewürzmittel der Hausapotheke des 17. Jahrhunderts, das nach dem Denken der Zeit mit warmen Gewürzen Blähungen austreiben sollte; Thomas Cogans Haven of Health (1636) nennt Ysop „hot and dry in the third degree“. Er ist keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Gift- oder starke Arzneistoffe enthält er nicht.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist ein Heilmittel aus der Hausapotheke, und der Eintrag ist keine Anleitung zur Selbstmedikation.
Kann man das heute nehmen?
Nein, dafür geben wir keine Anleitung. Der Eintrag ist ein historisches Dokument; er nennt nicht einmal eine Dosis.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- searched
Gesiebt, von „searce“, einem feinen Sieb (Glossar der Digby-Ausgabe 1910: „Searse, searce, a fine sieve“; Randle Holme 1688: „Searce, or Sift, is to take fine Meal from the course“). So auch in lon-035.
- a peny-worth
So viel, wie man für einen Penny bekam - eine Preisangabe, kein Gewicht. Ein Gewicht lässt sich daraus nicht ableiten.
- long pepper
Langer Pfeffer (Piper longum), bei Cotgrave 1611 „a blackish, and Catkin-fashioned fruit“: kätzchenförmige Fruchtkolben, neben schwarzem und weißem Pfeffer die dritte Pfeffersorte der Zeit.
- gally-pott
Gallipot, nach Ludwig (1706) „ein weiß irdenes geschirre oder töpffgen, darein man salben, latwergen ꝛc. thut“: ein weißer Irdenwarentopf, hier für die Aufbewahrung über ein Jahr.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ginger | ginger Q15046077 |
| anniseeds | anise Q33873455 |
| 3 quarters of a pound of sugar | unrefined cane sugar Q57656231 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
the white must be beaten grossly
Gewählte Lesart: Der weiße Pfeffer wird als Ausnahme nur grob gestoßen, während die übrigen Gewürze fein gesiebt werden.
Andere mögliche Lesart:
- Eine Arbeitsfolge: der weiße Pfeffer wird zuerst grob gestoßen und dann mit den anderen gesiebt. - Möglich, weil der Satz nach dem langen Pfeffer nachgeschoben ist; dann wäre „must“ aber überflüssig betont, und ein Grobstoßen vor dem Sieben gilt für jedes Gewürz.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
