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White-pot mit Datteln und Mark

Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchRezeptbuch der Sarah Longe (~1610)

Auf etwa 1 l (ein Quart) Sahne nimm 8 Eigelb und das Eiweiß von 2 Eiern und schlage sie sehr gut. Würze sie mit Zucker, Rosenwasser, Muskat und 4 in Scheiben geschnittenen Datteln.

Nimm ein Pennybrot und schneide es dünn auf. Dann gib es mit dem Mark von 2 Knochen in eine Schüssel, streiche den Boden der Schüssel mit Butter aus und streue die Rosinen obenauf. In einer Stunde ist es gebacken.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
a quart of Creame etwa 1 l (ein Quart) Sahne 1 l - -
8 yelks of Eggs 8 Eigelb 8 Stück - -
the whites of 2 das Eiweiß von 2 Eiern 2 Stück - -
sugar Zucker - - -
rose-water Rosenwasser - gut sortierter Supermarkt, türkischer/orientalischer Supermarkt -
nutmegge Muskat - - -
4. dates sliced 4 in Scheiben geschnittene Datteln 4 Stück - -
a peny lofe ein Pennybrot, dünn aufgeschnitten 1 Stück - -
the marrow of 2 bones das Mark von 2 Knochen 2 Stück Metzger -
butter the bottomes of the dish Butter für den Boden der Schüssel - - -
the raisons Rosinen - - -

Was ist das? Ein White-pot: Brotscheiben mit einer gewürzten Eiersahne in der Schüssel gebacken, ein Verwandter des Bread-and-butter pudding. Anders als im ersten White-pot des Buchs (lon-004) wird das Brot hier nicht vorher in der Sahne eingekocht, alles kommt roh in die Schüssel.

Wann kommt die Sahne zum Brot? Die Handschrift sagt nur, das geschnittene Brot komme mit dem Mark in die Schüssel. Dass die Eiersahne darübergegossen wird, steht nicht da, ist aber für die Gattung vorausgesetzt; Digby schreibt es in seinem White-pot (dig-247) aus. Auch das Ausbuttern steht erst nach dem Einlegen und meint wohl die Schüssel, bevor etwas hineinkommt.

Rosinen. Sie fehlen in der Aufzählung und tragen keine Menge; die Handschrift führt sie erst beim Bestreuen mit „the raisons“ ein.

Praxis. Schüssel ausbuttern, die Brotscheiben und das ausgelöste Mark hineinlegen, die Eiersahne darübergießen, Rosinen obenauf und eine Stunde backen. Die Hitze nennt der Text nicht. Rohe Eier und Sahne werden dabei durchgebacken; das Gericht bald essen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja. Eier, Sahne, Brot, Butter und Mark sind alles, was man braucht. Den Ofen ersetzt ein Schmortopf mit Glut unter und auf dem Deckel; das ist heutige Lagerpraxis, die Handschrift nennt nur „an hour will bake it“. Sahne und Mark frisch verarbeiten.

Wie viel Brot ist ein „penny loaf“?

Die Handschrift nennt kein Gewicht, nur ein Brot zum Preis von einem Penny. Nimm so viel Brot, wie die dünnen Scheiben in deiner Schüssel brauchen.

Wie viele Rosinen?

Das sagt die Handschrift nicht. Sie fehlen in der Aufzählung und tauchen erst beim Bestreuen auf.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.

A white-Pott. To a quart of Creame, take 8 yelks of Eggs, the whites of 2, beate them very well, season them with sugar, rose-water, nutmegge, 4. dates sliced, take a peny lofe, and slice it thin, then put it into a dish, with the marrow of 2 bones, butter the bottomes of the dish, and strew the raisons at top, an hour will bake it.
white-Pott

Ein gebackener Auflauf aus Sahne oder Milch, Brot, Eiern und Zucker. Ludwigs englisch-deutsches Wörterbuch von 1706 erklärt ihn als Milch mit Brot, Eiern, Zucker und Muskatnuss, in einem irdenen Hafen im Ofen gegart.

peny lofe

Ein Brot zum Preis von einem Penny. Ein Gewicht nennt die Handschrift nicht.

Handschrift
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425
Teil
Hauptteil: Sarah Longes Rezeptbuch mit Register (S. 1–49)
Sprache
Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände
Entstehung
England, 1610

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

a quart of Creamecream Q13228
8 yelks of Eggsyolk Q16336079
the whites of 2egg white Q796758
sugarunrefined cane sugar Q57656231
rose-waterrose water Q900450
nutmeggenutmeg Q83165
the raisonsraisin Q13186

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartthen put it into a dish, with the marrow of 2 bones

Gewählte Lesart: „it“ ist das dünn geschnittene Brot, das mit dem Mark in die Schüssel kommt; die Eiersahne wird darübergegossen, auch wenn der Satz es nicht sagt - so verfährt Digbys White-pot (dig-247: „pour the Eggs and Cream into a deep dish laid over with sippets“).

Andere mögliche Lesart:

  • „it“ meint die ganze Masse: das Brot kommt zuerst in die Eiersahne, dann alles zusammen mit dem Mark in die Schüssel. - Grammatisch möglich, weil die Eiersahne unmittelbar vorher steht; im Ergebnis gleich, nur die Reihenfolge ändert sich.

Originalwerk (~1610) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 127530, Folger Shakespeare Library, MS V.a.425 Quelle öffnen
Transkription
Folger Shakespeare Library, Lesetext (EMROC) der Handschrift V.a.425 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/lon-070
LagerkücheLagerküche
Eier, Sahne, Brot und Butter, dazu das Mark von 2 Knochen. Den Ofen ersetzt im Lager ein Schmortopf mit Glut unter und auf dem Deckel (heutige Lagerpraxis, nicht im Text). Sahne und Mark frisch verarbeiten.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.