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Sack-Posset mit Sahne aus dem Ofen

Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
BuchRezeptbuch der Sarah Longe (~1610)

Nimm 8 Eigelb samt dem Eiweiß und schlage sie gut miteinander. Seihe sie in etwa 1 l (ein Quart) Sahne, würze sie mit Muskatnuss, gib etwa 0,5 l (ein Pint) Sack dazu und rühre alles zusammen.

Fülle es in eine Schüssel und stelle sie in einen Ofen, der nicht heißer ist als für Custards. Lass es zwei Stunden darin stehen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
8 yelks of Eggs, and whites 8 Eier (Eigelb samt Eiweiß) 8 Stück - -
a quart of Creame etwa 1 l (ein Quart) Sahne 1 l - -
nutmeggs Muskatnuss - - -
a pint of sack etwa 0,5 l (ein Pint) Sack 500 ml - Sherry

Was ist das? Ein Sack-Posset aus Eiern, Sahne, Sack und Muskat, der nicht am Feuer, sondern in einer Schüssel im Ofen stockt. Ludwig (1706) beschreibt den Sack-posset als „dicken tranck“ aus Sack, Sahne, Muskatnuss, Zucker und gut geschlagenen Eiern. Zucker nennt dieser Eintrag nicht.

Mischen. Die Eier werden gut geschlagen und durch ein Sieb oder Tuch in die kalte Sahne gegeben; das Seihen hält Eiklumpen zurück. Erst dann kommen Muskat und Sack hinein, und alles wird zusammengerührt. Ein Erhitzen vor dem Ofen nennt der Text nicht.

Die Ofenhitze. Der einzige Maßstab ist der Ofen „noe hotter then for Custards“, also nicht heißer als für eine Eiermilchpastete. Eine Gradzahl, ein Wasserbad oder eine Garprobe nennt der Text nicht; die Masse bleibt zwei Stunden im Ofen. Beim Posset ist eine gestockte, auch flockige Masse gewollt und kein Fehler.

Praxis. Eier gut schlagen, in die Sahne seihen, mit Muskat würzen, den Sack einrühren und die Schüssel in einen Ofen stellen, der nicht heißer ist als für eine Eiermilch. Nach zwei Stunden herausnehmen. Zucker sieht der Text nicht vor.

Was ist Sack, und was nehme ich heute dafür?

Sack war ein kräftiger Weißwein aus Spanien oder von den Kanaren, eine Sherry-Art. Heute nimmt man Sherry. Ob süß oder trocken, sagt die Handschrift nicht; Zucker sieht das Rezept nicht vor.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja. Eier, Sahne, Wein und Muskat, ohne Fleisch und Fisch. Den Ofen ersetzt im Lager ein Schmortopf mit Glut unter und auf dem Deckel (heutige Lagerpraxis, nicht im Text); die zwei Stunden milde Hitze wollen allerdings beaufsichtigt sein.

Wie heiß soll der Ofen sein?

Die Handschrift nennt keine Gradzahl, nur „nicht heißer als für Custards“, also für eine Eiermilchpastete. Gemeint ist ein Ofen, in dem eine Eiermilch stocken kann.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.

To make a good Posset. Take 8 yelks of Eggs, and whites, beate them well together, and straine them into a quart of Creame, season them with nutmeggs, and put to them a pint of sack, stir them together, and put them into a bason, and sett it into an oven noe hotter then for Custards lett them stand in 2 hours.
Posset

Ludwig (1706) nennt den Posset „einen gewissen Englischen Milchtranck“ und den Sack-posset „einen dicken tranck“ aus Sack, Sahne, Muskatnuss, Zucker und Eiern. Diese Fassung stockt im Ofen zu einer festeren Masse.

Sack

Kräftiger Weißwein aus Spanien oder von den Kanaren, eine Sherry-Art. Über seine Süße sagt die Handschrift nichts.

Custards

Ludwig (1706) übersetzt custard mit „eine milchpastete, eine gattung pasteten von eyern und milch zugericht“. Der Ofen für solche Eiermilch-Pasteten ist hier der Maßstab für die Hitze.

Handschrift
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425
Teil
Hauptteil: Sarah Longes Rezeptbuch mit Register (S. 1–49)
Sprache
Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände
Entstehung
England, 1610

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

8 yelks of Eggs, and whiteschicken egg Q15260613
a quart of Creamecream Q13228
nutmeggsnutmeg Q83165

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesart8 yelks of Eggs, and whites

Gewählte Lesart: 8 ganze Eier, Eigelb samt Eiweiß. Der White-pot unmittelbar davor (lon-070) nennt die Eiweiße mit eigener Zahl („8 yelks of Eggs, the whites of 2“); hier fehlt die Zahl, gemeint sind die Eiweiße derselben Eier.

Andere mögliche Lesart:

  • 8 Eigelb und eine nicht genannte Zahl Eiweiß - Wörtlich steht die Zahl nur bei den Eigelben; der Text sagt aber nicht, dass Eiweiß weggelassen wird.

Lesartlett them stand in 2 hours

Gewählte Lesart: Die Schüssel bleibt zwei Stunden im Ofen stehen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Masse ist innerhalb von zwei Stunden fertig. - „in“ könnte eine Frist meinen; eine Garprobe nennt der Text nicht, deshalb gilt die volle Zeit.

Originalwerk (~1610) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 127530, Folger Shakespeare Library, MS V.a.425 Quelle öffnen
Transkription
Folger Shakespeare Library, Lesetext (EMROC) der Handschrift V.a.425 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/lon-071
LagerkücheLagerküche
Eier, Sahne, Sack und Muskat, ohne Fleisch und Fisch. Den Ofen ersetzt im Lager ein Schmortopf mit Glut unter und auf dem Deckel (heutige Lagerpraxis, nicht im Text); die zwei Stunden im Ofen brauchen gleichmäßige, milde Glut.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.