Vortrefflicher Sillibub mit Apfelwein
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Fülle deinen Sillibub-Topf mit Apfelwein und reichlich Zucker und ein wenig Muskatnuss und rühre es gut durch.
Wenn der Zucker sich gelöst hat, gib ebenso viel Sahne hinein, jeweils zwei oder drei Löffel voll auf einmal. Dann rühre es sanft einmal herum.
Lass es mindestens zwei Stunden stehen, bevor es gegessen wird; durch das Stehen gerinnt es.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Sider | Apfelwein (Cider) | - | - | - |
| good store of sugar | Zucker, reichlich | - | - | - |
| a little Nutmegge | Muskatnuss, ein wenig | - | - | - |
| as much creame | Sahne, ebenso viel | - | - | - |
Was ist das? Ein Syllabub der einfachen, nicht geschlagenen Art: gesüßter Apfelwein, auf den Sahne gegeben wird, die beim Stehen dick wird und gerinnt.
Gleich viel Sahne. „As much creame“ ist im Satz verkürzt. Die gedruckte Parallele bei Robert May (1660) füllt den Topf zur Hälfte mit Cider und gibt dann ebenso viel Sahne dazu; so ist es auch hier gelesen.
Löffelweise und nur einmal rühren. Die Sahne kommt in kleinen Portionen in den gesüßten Apfelwein, danach wird nur einmal sanft umgerührt. So mischt sich nicht alles zu einer gleichmäßigen Flüssigkeit; Säure und Alkohol des Ciders lassen die Sahne beim Stehen dick werden. Das Gerinnen ist das Ziel, kein Fehler - der Text sagt es selbst.
Praxis. Zucker und ein wenig geriebene Muskatnuss im Apfelwein ganz lösen, dann die Sahne in Löffelportionen zugeben, einmal behutsam umrühren und mindestens zwei Stunden stehen lassen. Heute (modern): Die Sahne ist roh, den Topf bei Wärme kühl stellen.
Wie viel Apfelwein, Zucker und Sahne braucht man?
Die Handschrift nennt keine Mengen, nur „reichlich“ Zucker, „ein wenig“ Muskatnuss und „ebenso viel“ Sahne, also wohl gleich viel Sahne wie Apfelwein. Wie groß der Topf ist, bleibt offen.
Warum soll der Sillibub gerinnen?
Das ist gewollt: Die Handschrift schließt mit dem Satz, dass er durch das Stehen gerinnt. Die Sahne wird nicht geschlagen, sondern nur löffelweise eingegeben und einmal sanft umgerührt.
Eignet sich das für die Lagerküche?
Ja. Es braucht kein Feuer, nur einen Topf, einen Löffel und mindestens zwei Stunden Zeit; die rohe Sahne sollte bei Wärme kühl stehen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- Sillibubbe
Syllabub. Ludwig (1706): „ein gewisser Englischer kühlender dicker tranck, der da sonderlich aus milch, und etwas altem biere oder weine, und zucker bestehet“. Der Sillibub-Topf ist das Gefäß, in dem er angesetzt und aufgetragen wird; wie er hier aussah, sagt der Text nicht.
- Sider
Cider, vergorener Apfelwein, kein Apfelsaft. Ludwig (1706): „Cider, der äpffelwein“.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
as much creame
Gewählte Lesart: Ebenso viel Sahne wie Apfelwein. Der Vergleich ist im Satz verkürzt; die fast wortgleiche Fassung bei Robert May, The Accomplisht Cook (1660), füllt den Topf „half full with sider“ und gibt dann „as much thick cream“ dazu - also gleiche Teile.
Andere mögliche Lesart:
- so viel Sahne, wie man möchte - „as much“ kann auch unbestimmt „reichlich“ heißen; dagegen spricht die Parallele mit dem halb gefüllten Topf.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
