Zum RezeptSkip to recipe
Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Wasser vom Most scheiden: nach der ersten Gärung ablassen

Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchRasch: Weinbuch (~1580)

Wenn die Lesezeit verregnet ist und dabei viel Wasser in den Most gekommen ist und du es vom Wein scheiden willst, damit der Wein durch die Vermischung mit dem Wasser nicht verdirbt, dann lass den Wein sofort nach der ersten Gärung in ein anderes Fass ab. So bleibt dasselbe Wasser samt dem Schlamm sogleich am Boden des Fasses zurück, wegen seiner Schwere, seiner Erdhaftigkeit und seiner groben Beschaffenheit.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
moſt Most - Winzer -
ein anders vaß Ein anderes Fass - - -

Was ist das? Eine Kellerregel für ein nasses Lesejahr: Der junge Wein wird nach der ersten Gärung in ein zweites Fass abgelassen, Wasser und Schlamm sollen im ersten Fass am Boden zurückbleiben. Heute heißt dieser Arbeitsschritt erster Abstich.

Raschs Begründung und was sie leistet. Rasch erklärt das Zurückbleiben mit Schwere, Erde und grober Beschaffenheit. Heutige Einordnung: Wasser mischt sich mit Most und Wein vollständig und setzt sich nicht als eigene Schicht ab; der Wein bleibt so verdünnt, wie er war. Was das Ablassen tatsächlich trennt, ist der Bodensatz, also Hefe, Trub und der Schmutz, der in einem verregneten Herbst mit den Trauben ins Fass kommt.

Der Zeitpunkt. Rasch sagt nur „gestracks nach der ersten Gärung“ und nennt kein Zeichen, woran man das Ende erkennt. Heutige Faustregel, modern: Die heftige Gärung ist vorbei, wenn das Aufschäumen nachlässt und sich der Bodensatz gesetzt hat.

Praxis. Womit abgelassen wird, sagt der Text nicht. Heute zieht man den Wein mit einem Schlauch oder über den Fasshahn vom Bodensatz ab und lässt diesen im alten Fass zurück. Die Regel enthält keinen Zusatz und ist ungefährlich.

Lässt sich so wirklich Wasser vom Wein trennen?

Nicht so, wie Rasch es begründet. Wasser mischt sich mit Most vollständig und setzt sich nicht als eigene Schicht ab. Das Ablassen nach der ersten Gärung trennt den jungen Wein aber vom Bodensatz mit dem eingetragenen Schmutz, und das ist bis heute ein üblicher Kellerschritt.

Woran erkennt man das Ende der ersten Gärung?

Rasch nennt kein Zeichen. Nach heutiger Kellerpraxis ist die heftige Gärung vorbei, wenn das Aufschäumen nachlässt und sich der Bodensatz gesetzt hat.

Ist das etwas für die Lagerküche?

Nein. Es ist Kellerarbeit mit gärendem Most im Fass, kein Gericht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.

Waſſer vom Moſt zu ſchaiden. Wann die leſens zeit regen wetterig iſt, vnd etwo im moſt viel waſſers kaͤme, vnnd wilſt das von dem wein ſchaiden, damit der wein durch des waſſers vermiſchung nit verderbe, ſo laß den wein geſtracks nach der erſten gehꝛung in ein anders vaß ab, als bald daſſelb waſſer vnd kotwerch am boden des vaß von wegen ſeiner ſchwaͤr, erd vnd grobheit bleiben wird.
Druck
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben
Teil
Fässer, Most und Weinfehler
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)
Entstehung
Wien / München, 1580

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

moſtfruit juice Q20932605

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartkotwerch

Gewählte Lesart: Schlamm, Unrat, der mit dem Wasser am Fassboden bleibt: Schmeller führt „Kôt“ als „Abraum, Unrath, Schutt, Erde“, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch stellt „kotwerk“ zu „kot“. Raschs Begründung mit „erd“ passt dazu.

Andere mögliche Lesart:

  • Trub, der Bodensatz der Gärung - Nach der ersten Gärung liegt beides zusammen am Boden; das Wort selbst meint aber Schmutz und Erde, kein Gärungsfachwort, deshalb im Text „Schlamm“.

Lesartals bald daſſelb waſſer … bleiben wird

Gewählte Lesart: „alsbald“ als Adverb (sogleich): Nach dem Ablassen bleibt das Wasser sogleich im alten Fass am Boden. Rumpolts Fassung derselben Regel hat an dieser Stelle einen Folgesatz: „ſo bleibet das Waſſer vnden im Grundt“.

Andere mögliche Lesart:

  • „alsbald“ als Konjunktion (sobald): Lass den Wein ab, sobald Wasser und Schlamm sich am Boden halten. - Die Verbendstellung („bleiben wird“) erlaubt diese Lesart, und das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch belegt „alsbald“ als Einleitung eines Zeitsatzes. Rumpolts zweite Fassung („ſo ſetzt ſich das Waſſer an den Grundt/ ſo laß jn denn … in ein ander Faß“) hat diese Abfolge. Für die Arbeit ändert sich wenig, weil „gestracks nach der ersten Gärung“ den Zeitpunkt schon festlegt.

Originalwerk (~1580) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 068, München, Bayerische Staatsbibliothek (bsb00027343), Public Domain Mark 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach den Scans der Bayerischen Staatsbibliothek, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ras-004
LagerkücheLagerküche
Kellerarbeit mit gärendem Most und zwei Fässern, kein Gericht.
Alle Rezepte aus Rasch: Weinbuch Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.