Met im verspundeten Fass vergraben (Livland)
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
In Livland ist es an etlichen Orten Brauch, die Fässer gut zu verspunden und eine Zeit lang unter die Erde zu graben. Dieser Met wird stärker als sehr guter und kräftiger Wein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| (erschlossen) | Meth | - | - | - |
| faß | faß | - | - | - |
Was ist das? Ein Nachsatz zu Raschs Grundverfahren für Met (ras-077): Dort soll der ausgegorene Met drei Monate gut verspundet liegen. Rasch fügt hinzu, dass man in Livland, der historischen Landschaft an der Ostsee im heutigen Estland und Lettland, die verspundeten Fässer stattdessen eine Zeit lang in die Erde gräbt, und dass der Met dadurch stärker werde als sehr guter Wein. Dauer, Tiefe und Zeitpunkt nennt er nicht.
Wann verspundet? Der Text sagt es für den livländischen Brauch nicht. Im Grundverfahren steht die Reihenfolge fest: erst „gar vergieſet“, dann verspundet liegen lassen. Wer den Brauch so liest, gräbt den Met nach der Gärung ein. Heute gesprochen: Ein fest verspundetes Fass hält die Kohlensäure zurück; gärt der Met darin noch nach, steigt der Druck. Deshalb heute erst verspunden, wenn die Gärung zur Ruhe gekommen ist.
„Stärker als Wein“. Das ist Raschs Behauptung, sie wird hier nicht korrigiert. Hohberg begründet sie 1682 anders: Der Met verliere in der Erde Geruch und Geschmack von Honig und Wachs und gleiche fast dem Wein. Heutige Einordnung: Die Erde hält das Fass kühl und gleichmäßig temperiert; mehr Alkohol entsteht dabei nur, wenn noch Zucker nachgärt.
Praxis. Met nach dem Grundverfahren ansetzen und ausgären lassen, dann das Fass fest verspunden. Wie lange und wie tief es in die Erde kommt, sagt Rasch nicht.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es beschreibt keine Zubereitung, sondern einen Lagerbrauch für gegorenen Met im Fass, und die Lagerzeit nennt der Text nur als „eine Zeit lang“.
Wird hier Wein oder Met vergraben?
Met. Der Satz steht in Raschs Kapitel über den Met, direkt nach dessen Grundverfahren; der Wein ist nur der Vergleich: Der vergrabene Met werde stärker als sehr guter Wein.
Wie lange und wie tief wird das Fass vergraben?
Der Text sagt es nicht. Er nennt nur „ein zeitlang“ und „vnder die erden“. Jede konkrete Angabe wäre eine Ergänzung, die in der Quelle nicht steht.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
- Liefland
Livland, die historische Landschaft an der Ostsee, benannt nach dem Volk der Liven: im weiteren Sinn das heutige Estland und der größte Teil Lettlands, mit Riga als größter Stadt. Im Spätmittelalter Land des Deutschen Ordens; zur Zeit Raschs im Livländischen Krieg (1558-1583) zwischen Russland, Polen-Litauen, Schweden und Dänemark aufgeteilt. Rasch nennt es als Herkunft des Brauchs.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Dieser wird ſtaͤrcker
Gewählte Lesart: „Dieser“ ist der Met: Der Satz steht im Kapitel „Von dem Meth“ mitten im Absatz zwischen dem Grundverfahren mit der dreimonatigen Lagerung im verspundeten Fass und dem Met „in der eyl“; Wein ist nur die Vergleichsgröße. Hohberg übernimmt den Brauch 1682 ausdrücklich für Met („wird er in den zugeſpunten Tonnen … vergraben“).
Andere mögliche Lesart:
- Gemeint ist Wein, der im Fass vergraben wird - Der Satz nennt am Ende Wein, aber als Maßstab („ſtaͤrcker dañ … wein“). Im Met-Kapitel und nach Hohbergs Wiedergabe trägt diese Lesart nicht.
faſt guter vñ krefftiger wein
Gewählte Lesart: „faſt“ = sehr: stärker als sehr guter und kräftiger Wein. Adelung führt „fast“ für „sehr“ als ältere Bedeutung mit Belegen aus der Lutherbibel („Sie war fast schön“); das Grimmsche Wörterbuch leitet es von mhd. „vaste“ fest, stark, sehr her. Rasch gebraucht es im selben Kapitel so („mit faſt erhitzigen“, nicht sehr erhitzen).
Andere mögliche Lesart:
- „faſt“ = beinahe: stärker als beinahe jeder gute und kräftige Wein - Heutige Bedeutung, grammatisch ohne „jeder“ schwer zu bilden. Hohberg macht 1682 daraus die schwächere Aussage, der Met „ſcheinet faſt dem Wein zu vergleichen“, also beinahe wie Wein.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
