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Met in Eile, mit Muskatnuss und Zimt

Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580

BochetGetränkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchRasch: Weinbuch (~1580)

Willst du in Eile einen guten, gewöhnlichen Met bereiten, so nimm eine gute Muskatnuss und zwei Lot Zimt, klein geschnitten. Gieße darauf drei große Maß frisches Wasser und lass ein Drittel davon einsieden. Dazu gib ein halbes Pfund geläuterten Honig und lass es sieden, bis ungefähr anderthalb Maß bleiben.

Im Allgemeinen sind die Wirkungen des Mets diese: Er löscht den Durst und dient auch bei allen kalten Krankheiten des Hirns, des Rückenmarks und der Nerven, bei denen der Wein wegen seiner durchdringenden Kraft bisweilen schädlich ist. Er reinigt und öffnet die Brust, hilft gegen ihre Kälte, nimmt den kalten, trockenen Husten, reinigt Nieren, Lenden, Harngänge und Blase von kaltem Schleim, aus dem Grieß und Stein wachsen, und treibt alle schädliche Materie aus dem Gedärm. Deshalb soll man ihn bei allen Krankheiten des Hirns trinken, wie Schwindel, Fallsucht, Gicht und Lähmung, die daraus entsteht. Ebenso sollen ihn die trinken, die der Krampf plagt und die an hitzigem Podagra und Gelbsucht darniederliegen etc.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ein gute Muſcatnuß eine gute Muskatnuss 1 Stück - -
Zimet 2. lot klein geſchnittẽ Lot Zimt, klein geschnitten 2 - -
dꝛey groß maß friſch waſſer große Maß frisches Wasser 3 - -
ein halb pfund geleutert hoͤnig ein halbes Pfund geläuterter Honig ½ Pfund - -

Was ist das? Ein schnell gesottener Met: Muskatnuss und Zimt kochen im Wasser, bis ein Drittel eingesotten ist, dann kommt geläuterter Honig dazu, und der Sud siedet weiter, bis von den drei großen Maß ungefähr anderthalb bleiben. Eine Zeit nennt Rasch nicht; das Ende erkennt man an der Menge.

Erst die Gewürze, dann der Honig. Die Gewürze kochen zuerst allein im Wasser aus, der Honig kommt erst nach dem ersten Einsieden dazu. Er ist schon vorher geläutert; ein eigenes Abschäumen nennt dieser Eintrag nicht, anders als das Grundverfahren. Ob die Muskatnuss ganz bleibt, lässt die Satzstellung offen; die Parallele von 1543 schneidet alles klein.

Gärt er? Rasch sagt es nicht. „In der eyl“ meint die schnelle Bereitung; Fass, Hefe und Wartezeit fehlen. Der gesottene Sud bringt keine lebende Hefe mit. Soll er gären, muss sie wie im Grundverfahren aus dem eingefahrenen Fass kommen. Der Eintrag davor beschreibt einen Met, den man ungegoren trinkt, sobald er erkaltet ist; ob dieser Met ebenso gemeint ist, bleibt offen.

Muskatnuss. Muskat ist in größeren Mengen giftig. Rasch nimmt eine Nuss für den ganzen Sud; mehr sollte es nicht werden.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

LesartZuckerSG (OG)°Oe°BrixAlkohol bis trocken
„ein halb pfund geleutert hoͤnig“ auf „dꝛey groß maß … waſſer“, bis „anderthalb maß bleiben“, Pfund zu 560 g102-135 g/l1,039-1,05239-529,9-12,96,1-8,0 %
dasselbe, Pfund zu 470 g86-114 g/l1,033-1,04433-448,3-10,95,1-6,8 %

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Rasch misst den Honig nach Gewicht und das Wasser nach Raummaß, deshalb hängt das Ergebnis an beiden Größen, und keine davon ist für ihn belegt. Gerechnet ist ein Pfund von 470 oder 560 g und eine Maß von etwa 1,07 bis 1,4 Litern; die Spanne in jeder Zeile kommt von der Maß. Welches „große“ Maß Rasch meint, sagt er nicht; ein größeres Maß ergäbe niedrigere Werte. Das Einkochen folgt aus dem Text: Von drei Maß Wasser samt Honig bleiben anderthalb. Ob der Sud überhaupt vergoren wird, sagt Rasch nicht; die Tabelle zeigt, wie stark er ist und was er höchstens ergäbe. Nicht eingerechnet sind Muskatnuss und Zimt.

Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Rasch: Wer den Sud vergären will und kein eingefahrenes Fass hat, setzt ihm abgekühlt Weinhefe zu. Ungegoren getrunken ist er ein gewürzter Honigtrank.

Gärt dieser Met?

Rasch sagt es nicht. Er nennt nur die schnelle Bereitung, kein Fass und keine Wartezeit. Der Eintrag davor beschreibt einen Met, den man ohne Gärung trinkt, sobald er erkaltet ist; im Grundverfahren gärt der Met im Fass.

Wie viel Honig kommt auf wie viel Wasser?

Ein halbes Pfund geläuterter Honig auf drei große Maß Wasser, von denen zuerst ein Drittel einsiedet. Am Ende bleiben ungefähr anderthalb Maß. Pfund und Maß waren von Ort zu Ort verschieden, deshalb steht hier keine Umrechnung.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Die Met- und Weineinträge aus Raschs Kellerbuch werden einheitlich nicht als Lagerküche geführt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.

Wiltu in der eyl ein guten gemainen Meth beraiten, ſo nimb ein gute Muſcatnuß, Zimet 2. lot klein geſchnittẽ, daran gieſſe dꝛey groß maß friſch waſſer, laß ein dꝛittheil einſieden, darzu ſetz ein halb pfund geleutert hoͤnig, laß ſieden biß vngefehꝛ anderthalb maß bleiben. In gemain ſeind die tugenden des Meths, daß er den durſt leſchet, dienet auch zu allen kalten kranckheiten, des hirns, marck des ruckgrats, Neruen, denen etwa der wein, von wegen ſeiner durchtringenden krafft, ſchaͤdlich iſt. Er rainiget vñ oͤffnet die bꝛuſt, dienet derſelben kaͤlten, benimbt den kalten trucknen huſten, rainiget die Nieren, Lenden, Harmgeng, vnnd blaſen von kaltem ſchleim, darauß grieß vnd ſtain wachſend, treibt alle ſchaͤdliche materi auß dem gedaͤrm. Derhalb ſol man dieſen in allen kranckheiten des hirns, als ſchwindel, fallender ſucht, vergicht vñ erlahmen ſo darauß entſtehet, trincken. Alſo auch die ſo der krampff plaget, die in hitzigem Podagra vnnd Geelſucht ligend, ꝛc.
groß maß

Altes Raummaß, dessen Größe von Ort zu Ort verschieden war. Welches „große“ Maß Rasch meint, sagt er nicht.

geleutert hoͤnig

Gereinigter Honig. Läutern heißt im Frühneuhochdeutschen reinigen, oft mit Hitze (Frühneuhochdeutsches Wörterbuch).

vergicht

Gicht im alten Sinn: ein Krampf- und Lähmungsleiden, bei Grimm lateinisch paralisis, bei Schmeller „Convulsion“. Gemeint ist hier nicht die Gelenkgicht, die Rasch eigens als Podagra nennt.

Druck
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben
Teil
Vom Met
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)
Entstehung
Wien / München, 1580

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartein gute Muſcatnuß/ Zimet 2. lot klein geſchnittẽ

Gewählte Lesart: Das Partizip „klein geschnitten“ steht hinter dem Zimt; die Übersetzung behält diese Stellung und lässt offen, ob die Muskatnuss ganz mitgesotten wird.

Andere mögliche Lesart:

  • Auch die Muskatnuss wird klein geschnitten. - Die Wolfenbütteler Handschrift von 1543 (wo10-021) hat dasselbe Verfahren mit einer ganzen Muskatnuss und zwei Lot Zimt und schreibt ausdrücklich „alles klain geschnitten“. Bei Rasch fehlt das „alles“.

Lesartin der eyl

Gewählte Lesart: „In Eile“ meint die schnelle Bereitung. Fass, Hefe und Wartezeit nennt Rasch nicht; ob der Met gleich getrunken oder noch vergoren wird, bleibt offen.

Andere mögliche Lesarten:

  • Gleich getrunken, ohne Gärung. - Der Eintrag davor (ras-078) beschreibt einen Met, den man ohne Gärung trinkt, sobald er erkaltet ist. Das ist Nachbarschaft, keine Aussage dieses Eintrags.
  • Im Fass vergoren wie das Grundverfahren. - Im selben Abschnitt gärt Met sonst im Fass (ras-077). Auch dafür sagt dieser Eintrag nichts.

Originalwerk (~1580) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 094, München, Bayerische Staatsbibliothek (bsb00027343), Public Domain Mark 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach den Scans der Bayerischen Staatsbibliothek, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ras-080
LagerkücheLagerküche
Met-Eintrag aus Raschs Kellerbuch; die Wein- und Met-Einträge des Buchs werden einheitlich nicht als Lagerküche geführt.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.