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Zähen Wein mit gewässerter Fichtenrinde frisch machen

Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchRasch: Weinbuch (~1580)

Ebenso im Mai: Nimm einen Ast von einer jungen Fichte und schabe die obere Rinde davon ab. Lege sie drei Tage in frisches Wasser und wasche sie gut. Gieße dann frisches Wasser daran, lass sie drei Tage liegen, wasche sie wie zuvor und trockne sie im Schatten.

Wenn dir ein Wein zäh werden will, so nimm von dieser Rinde vier oder fünf gleich lange Stücke, reihe sie auf einen Faden und hänge sie in den Wein. Das soll ihn frisch machen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ein Aſt von einem jungen feuchten baum ein Ast von einer jungen Fichte 1 - -
friſch waſſer frisches Wasser - - -
ein faden ein Faden 1 - -
ein wein zeh ein Wein, der zäh werden will - - -

Was ist das? Ein Kellermittel in zwei Schritten: Im Mai wird Rinde gewonnen und haltbar gemacht, später hängt man sie in einen Wein, der zäh zu werden droht. Rasch reiht es mit „Item“ an Herrn Tristrands Wasser an, das demselben Fehler gilt.

Welcher Baum? „feuchten baum“ lesen wir als Fichte: „Feuchte“ ist eine belegte süddeutsche Form des Baumnamens, und die älteren Fassungen desselben Mittels nennen eine junge Tanne beziehungsweise Fichtenrinde. Sicher ist der Nadelbaum, nicht die genaue Art.

Wässern und Trocknen. Die abgeschabte obere Rinde liegt zweimal drei Tage in frischem Wasser und wird jedes Mal gewaschen, dann im Schatten getrocknet. Einen Grund dafür nennt Rasch nicht.

Im Wein. Vier oder fünf gleich lange Stücke kommen auf einen Faden und werden in den Wein gehängt. Wie lange sie darin bleiben und für wie viel Wein die Menge reicht, sagt der Text nicht. Die Wirkung ist Raschs Angabe („das sol jn frisch machen“); ob Rinde gegen das Zähwerden hilft, lässt sich aus dem Text nicht beurteilen.

Praxis. Wer es nachstellt, nimmt heute nur Rinde von unbehandelten Bäumen. Verweildauer und Weinmenge muss man selbst festlegen; Rasch gibt dafür nichts vor.

Welcher Baum ist gemeint?

„feuchten baum“ ist sehr wahrscheinlich die Fichte: Zeitgenössische Wörterbücher führen „Feuchtenbaum“ als Fichte, und ältere Fassungen desselben Mittels nennen eine junge Tanne oder Fichtenrinde. Die genaue Nadelbaumart bleibt offen.

Was bedeutet „zäh“ beim Wein?

Ein zäher Wein wird dickflüssig und zieht beim Einschenken Fäden. Rasch nennt im Weinbuch mehrere Mittel dagegen, darunter im vorigen Eintrag Herrn Tristrands Wasser.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Es ist eine Kellerbehandlung für Wein, kein Gericht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.

Item, im Mayen: Num̃ ein Aſt von einem jungen feuchten baum, daruon ſchab die ober rinde, lege ſie dꝛey tage in friſch waſſer, waſchs wol, vnd gieſſe ein friſches daran, laß dꝛey tag ligen, waſchs wie voꝛ, vnd truͤckens am ſchatten, Wañ dir ein wein zeh wil werden, ſo nimb dieſer rinden 4. oder 5. gleicherleng, faß an ein faden, vnd hencks in wein, das ſol jn friſch machen.
zeh

Zäh, hier ein Weinfehler: der Wein wird dickflüssig und zieht beim Einschenken Fäden.

Druck
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben
Teil
Zähen Wein bessern
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, Wiener Verfasser, Münchner Druck um 1580; ai für ei, nit = nicht)
Entstehung
Wien / München, 1580

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

friſch waſſerwater Q283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartjungen feuchten baum

Gewählte Lesart: „Feuchte“ als Baumname, also eine junge Fichte. Henisch (1616) führt „Feuchtenbaum“ mit lateinisch pinus und verweist auf „Fichtenbaum“, Sebiz (Feldbau 1579/80) schreibt „Der Feuchtenbaum“, Schmeller kennt die bairische Form „Feichten“ für die Fichte. Dasselbe Verfahren nimmt bei der Stenglerin (1554) Rinde „von ainer jungen tann“, bei Staindl (1545) „feichten rinden“.

Andere mögliche Lesart:

  • ein junger, saftiger Baum ohne Artangabe - „feucht“ als Eigenschaft (im Saft stehend, zur Maizeit) ist sprachlich möglich, die Parallelen nennen aber durchweg einen Nadelbaum. Ob regional auch Kiefer oder Tanne mitgemeint ist, lässt der Beleg offen.

Originalwerk (~1580) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 094, München, Bayerische Staatsbibliothek (bsb00027343), Public Domain Mark 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach den Scans der Bayerischen Staatsbibliothek, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ras-082
LagerkücheLagerküche
Kellerbehandlung für zähen Wein, kein Gericht.
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Stand dieser Fassung: 03.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.