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Mangold in Schmalz geröstet

Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen3-4 PersonenBuchDas Kochbuch des Balthasar Staindl (~1545)

Den Mangold nehmen und kurz mit heißem Wasser überbrühen. Danach klein hacken und im Schmalz rösten. Ein wenig Brühe oder Wasser dazugießen, aber nicht zu dünn werden lassen. So anrichten und auftragen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Pieſſen Mangold - - Spinat oder Kohlgemüse, wenn kein Mangold erhältlich ist
ſchmaltz Schmalz - - Butterschmalz oder Pflanzenöl
es ſey ſuppen oder waſſer Brühe - - Wasser

Welches Gericht ist das? Blanchierter, klein gehackter Mangold wird in Schmalz angeröstet und mit wenig Brühe oder Wasser abgelöscht, bis er nicht zu dünn bleibt - ein schlichtes geschmortes Blattgemüse. Technisch nah verwandt mit heute gedünstetem Spinat, allerdings mit sichtbarer Bräunung durch das Rösten in Schmalz, nicht mit dem sanften, meist zugedeckten Dünsten ohne Farbe.

Rösten statt Dünsten. Der Urtext sagt an dieser Stelle wörtlich "roͤſts im schmaltz" - das meint Rösten mit Bräunungseffekt. Deshalb steht im Titel "geröstet" statt "gedünstet". Das vorausgehende "vber bꝛaͤns" (Übergießen mit heißem Wasser) ist mit dem heutigen Blanchieren verwandt, aber ohne das dabei übliche Abschrecken in kaltem Wasser belegt - wir sprechen deshalb nur vom Übergießen mit heißem Wasser.

Praxis. Den Mangold mit heißem Wasser übergießen, abtropfen lassen und klein hacken. Bei mittlerer Hitze etwa 5 bis 8 Minuten in Schmalz rösten, bis er zusammenfällt und etwas Farbe annimmt. Mit wenig Brühe oder Wasser ablöschen und 2 bis 3 Minuten einköcheln, bis die Flüssigkeit nicht zu dünn bleibt. Richtwert für 3 bis 4 Portionen: etwa 500 Gramm Mangold, 1 Esslöffel Schmalz, 50 bis 100 Milliliter Brühe oder Wasser - im Text selbst nicht beziffert.

Was bedeutet 'Pieſſen' im Rezept?

Pieſſen ist der frühneuhochdeutsche Name für Mangold. Das Kraut taucht im sechsten Buch von Staindls Kochbuch mehrfach auf, etwa in Torten und gefüllten Teigtaschen, hier aber ganz schlicht als in Schmalz geröstetes Gemüse.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, Goldstandard. Mangold kurz mit heißem Wasser übergießen, klein hacken, in Schmalz rösten und mit etwas Brühe oder Wasser ablöschen, das geht in einer Pfanne über dem Feuer in wenigen Minuten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.

Gröns krawt zuͦkochen. L iij Vimb - Das ſechſt Buͤch⸗ ccvp. „Nim Pieſſen / vber bꝛaͤns / hacks klain / roͤſts im ſchmaltz / geüß ain wenig daran es ſey ſuppen oder waſſer, doch nit zuͦ düñ / Gibs dar.
Pieſſen

Alter Name für Mangold (Beta vulgaris), im gesamten sechsten Buch des Kochbuchs mehrfach verwendet, etwa für Torten und gefüllte Teigtaschen.

vber bꝛaͤns

Überbrühen, das kurze Übergießen mit heißem Wasser. Das ist verwandt mit dem heutigen Blanchieren, anders als dort wird hier aber kein Abschrecken in kaltem Wasser erwähnt.

Druck
Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ...
Teil
Das sechste Buch: Gebäck
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen, 1545

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Pieſſenchard Q157954
ſchmaltzanimal fat Q1423543
es ſey ſuppen oder waſſerstock Q3075310

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartRöstdauer des Mangolds

Gewählte Lesart: Als moderner Richtwert bei mittlerer Hitze etwa 5 bis 8 Minuten rösten, bis der Mangold zusammenfällt, dann die Flüssigkeit zugeben und 2 bis 3 Minuten einköcheln.

Andere mögliche Lesart:

  • Nach Augenmaß am offenen Feuer, bis das Kraut zusammenfällt und etwas Farbe annimmt. - Der Text nennt weder Zeit noch Erkennungsmerkmal für den Garzustand - die Minutenangabe ist eine moderne Praxis-Ergänzung, keine Übersetzung.

LesartMengenverhältnis Mangold, Schmalz und Brühe

Gewählte Lesart: Richtwert für 3 bis 4 Portionen: etwa 500 Gramm Mangold, 1 Esslöffel Schmalz, 50 bis 100 Milliliter Brühe oder Wasser.

Andere mögliche Lesart:

  • Nach Augenmaß entsprechend Pfannengröße und Personenzahl. - Der Text gibt nur 'ain wenig' Flüssigkeit an und nennt keine Mengen für Mangold oder Schmalz - die Grammangaben sind eine moderne Praxis-Ergänzung.

Originalwerk (~1545) gemeinfrei.

Bildquelle
Digitalisat: Regensburg, Staatliche Bibliothek, 999/Philos.1921/1922, bereitgestellt durch Bayerische Staatsbibliothek München (bsb11110687), urn:nbn:de:bvb:12-bsb11110687-4, rightsstatements.org NoC-NC 1.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigenes Kraken-OCR (german_print.mlmodel, 112 Scans) - das BSB-Bibliotheks-OCR war zu fehlerhaft. Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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Stand dieser Fassung: 09.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.