Ein künstlichs vnd nutzlichs Kochbuch, vormahlens nie so leicht Mann vnd Frawen personen von jnen selbst zülernen ... · Augsburg (Druckort); Autor aus Dillingen · 1545
Siede rote Beeren, die man in Gärten pflanzt. Brich sie gründlich ab und seihe sie durch ein Tuch. Siede den Saft danach so lange, bis er dick wird. Siede Zucker oder Honig hinein, sodass es süß wird.
Gieße es dann in Schichten als Latwerge aus, trockne es und schneide kleine Wecklein. Lege sie in eine Schachtel. Dies ist für kranke Leute sehr stärkend zu essen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| rott Boͤrlin | Rote Beeren | - | Wochenmarkt, Supermarkt | - |
| zucker oder honig | Zucker oder Honig | - | - | Honig |
Welches Gericht ist das? Eine getrocknete, gezuckerte Fruchtpaste aus roten Gartenbeeren, in kleine Stücke geschnitten und in einer Schachtel aufbewahrt - das heutige Pendant ist Fruchtleder beziehungsweise eine getrocknete Konfitüren-Latwerge. Das Rezept steht in Buch 7 (Vorratshaltung) neben weiteren Beeren-„Salſſen“: anders als seine Nachbarn, die flüssig bleiben und zu Braten gereicht werden, wird die eingekochte Fruchtmasse hier ausgegossen, getrocknet und geschnitten - der Text selbst nennt das Ergebnis „Latwerge“. Ausdrücklich als Stärkung für kranke Menschen gedacht, nicht als Alltagsnascherei.
Praxis. Rote Beeren (Himbeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren oder eine Mischung) weich sieden, gründlich zerdrücken und durch ein Tuch seihen. Den Saft bei niedriger bis mittlerer Hitze unter regelmäßigem Rühren einkochen, bis er konfitürenartig dick ist (etwa 30-45 Minuten je nach Menge - nicht auf hoher Hitze, sonst brennt er am Topfboden an). Zucker oder Honig einrühren, bis die Masse süß schmeckt; ausreichend süßen ist hier nicht nur Geschmackssache, sondern entscheidet über die Haltbarkeit der gelagerten Latwerge. Die Masse dünn und flächig ausgießen - das vergrößert die Oberfläche und beschleunigt das Durchtrocknen -, dann bei niedriger Ofentemperatur (ca. 50-60 °C, Tür einen Spalt offen) oder über mehrere Tage an einem warmen, trockenen Ort durchtrocknen lassen, bis sie fest und nicht mehr klebrig ist. In kleine, rollenförmige Stücke schneiden - „Wecklein“ bezeichnet hier nur die Form der geschnittenen Stücke, kein Brotgebäck - und trocken in einer Schachtel lagern.
Das Trocknen ist der eigentliche Flaschenhals: am Marktstand lässt sich die Masse ohne Ofen oder mehrere trockene, warme Tage nicht zuverlässig durchtrocknen. Latwerge daher vorab zu Hause herstellen und trocknen, am Stand nur portionieren und anbieten.
Der Text spezifiziert keine bestimmte Beerensorte, sondern spricht allgemein von roten Beeren, die in Gärten gepflanzt werden. Du kannst jede rote Beere verwenden, die sich gut zu einer dicken Paste einkochen lässt, zum Beispiel Himbeeren, Johannisbeeren oder Erdbeeren.
Eine Latwerge ist eine dicke, süße Fruchtpaste, die durch langes Einkochen von Früchten mit Zucker oder Honig hergestellt wird. Sie wurde in der frühen Neuzeit oft als Konfekt oder auch als Heilmittel (Elektuarium) verwendet und war für ihre stärkende Wirkung bekannt.
Eingeschränkt (Aufwand): Die Herstellung einer Latwerge erfordert längeres Einkochen und Trocknen, was am Lagerfeuer aufwendig ist und mehrere Tage dauern kann. Die Zutaten sind jedoch robust und die Paste lässt sich gut vorbereiten und mitbringen, um sie dann vor Ort in Stücke zu schneiden.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch des Balthasar Staindl“ (Augsburg - Druckort). Das erste gedruckte Kochbuch dieser Sammlung, das sich ausdrücklich an Leute ohne Küchenmeister im Haus richtet: 1545 in Augsburg bei Hainrich Stainer erschienen, verfasst von Balthasar Staindl aus Dillingen. Acht Bücher mit 294 Rezepten - von Mandelspeisen über Fisch, Fleisch und Gebäck bis zu Suppen, dazu ein Anhang über Wein und Essig. Es lief so gut, dass bis 1596 neun Auflagen folgten, alle in Augsburg. Damit steht es neben dem Kochbuch der Sabina Welserin (1553) und dem der Maria Stenglerin (1554): dieselbe Stadt, dasselbe Jahrzehnt, aber ein bürgerlicher Haushalt statt eines Patrizierhauses.
Diminutiv von Beeren, also kleine Beeren.
Hier im Sinne von ‚gründlich‘ oder ‚sauber‘, nicht ‚ästhetisch schön‘.
Eine dicke, süße Fruchtpaste, die oft auch als Heilmittel (Elektuarium) verwendet wurde.
Kleine, geschnittene Stücke der getrockneten Fruchtpaste, ähnlich wie Fruchtleder-Riegel. Nicht zu verwechseln mit Brot-Wecklein.
Stärkend, erquickend, belebend.
Die Rezeptziffer im Druck lautet „ccxxxviij.“ (= 238, passend zur Rezept-Nr.) - eine frühere Erfassung dieser Stelle hatte die Ziffern falsch gelesen.
An dieser Stelle steht im Druck „süß“ - eine frühere Erfassung hatte den Vokal falsch gelesen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| zucker oder honig | unrefined cane sugar or honey Q57656231 · Q10987 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Pernl
Gewählte Lesart: Regionaler Diminutiv oder eine Variante von „Beeren“, die sich auf die roten Beeren im Rezept bezieht.
Gewählte Lesart: Der Text nennt kein Zeit- oder Prüfmaß für das Einkochen - vermutlich ein Erfahrungswert des Kochs oder der Köchin.
truckens
Gewählte Lesart: Trocknungsmethode und -dauer werden nicht genannt - vermutlich Lufttrocknung an einem warmen, trockenen Ort über mehrere Tage, im Text aber nicht beschrieben.
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Stand dieser Fassung: 10.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.