Geklärtes Getränk mit dem Heber vom Trub abziehen
Vinetum Britannicum, or a Treatise of Cider, and other Wines and Drinks extracted from Fruits growing in this Kingdom (London 1676) · England · 1676
Hast du dein Getränk in welchem Gefäß auch immer so geklärt und willst oder kannst es nicht gut an einem Zapfen nahe am Boden abziehen, wie es üblich ist, so kannst du es über den Rand des Gefäßes vom Trub abziehen, mit einem Heber aus Weißblech oder aus Glas. Glas ist das Beste, weil du mit dem Auge beobachten kannst, welche Unreinheiten aufsteigen, und sie meiden kannst, indem du dein Gerät nach deinem Ermessen hebst oder senkst. Der Heber hat diese Form: Das eine Ende ist drei oder vier Zoll länger als das andere, und die Weite des Rohrs richtet sich nach dem Gebrauch, den du davon machen willst, ob du aus einem großen oder einem kleinen Gefäß abziehst.
So geklärte Getränke lassen an ihrer Oberfläche und am Boden eine große Menge groben und unreinen Trubs zurück. Stammt er von Cider, so kannst du ihn auf den ausgepressten Trester geben, um deinen Ciderkin oder Wasser-Cider zu verbessern, falls du welchen machen willst.
Diese Unreinheiten, die sich in großer Fülle in breiigem Obst finden und auch in Himbeeren, Johannisbeeren und dergleichen, sind die Hauptursache dafür, dass diese Getränke verderben. Durch ihre verdorbene und saure Natur reizen sie die lebendigeren Teile zu einer fortwährenden Gärung. Das zeigt sich an der Wirkung und daran, dass Flaschen, in denen dieser Trub zurückbleibt, zerspringen, wenn sich ein Südwind regt.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| your Liquor | Geklärtes Getränk | - | - | - |
| groſs and impure feces | grober und unreiner Trub | - | - | - |
| the preſs'd Murc | ausgepresster Trester | - | - | - |
Was ist das? Der Schluss von Worlidges Abschnitt über das Klären des Ciders. Ist das Getränk mit Wärme oder Hausenblase geklärt (wor-024), zieht man es gewöhnlich an einem Zapfen nahe am Boden ab. Worlidge zeigt hier den zweiten Weg, mit einem Heber über den Gefäßrand, sagt dann, wohin der Trub kommt, und begründet, warum er ihn für so schädlich hält.
Der Heber. Ein gebogenes Rohr, dessen eines Ende drei oder vier Zoll länger ist als das andere. So funktioniert die Form: Das kurze Ende steckt im Getränk, das lange hängt außen tiefer hinab, und ist das Rohr einmal gefüllt, läuft das Getränk von selbst über den Rand. Wie man den Heber füllt, sagt Worlidge nicht. Glas zieht er vor, weil man sieht, wann Trub ins Rohr steigt, und die Mündung dann anhebt oder senkt. Der andere Werkstoff, Latten, ist sehr wahrscheinlich Weißblech, dasselbe, das Worlidge zum Kochen von Cider empfiehlt, weil das Zinn keinen schlechten Geschmack abgibt (wor-003).
Wohin mit dem Trub? Oben und unten bleibt viel grober Trub zurück. Den vom Cider gibt Worlidge auf den schon ausgepressten Trester, aus dem mit Wasser der Nachguss entsteht, Ciderkin oder Wasser-Cider. Beim Nachguss selbst (wor-002) nennt er dieselbe Verbesserung mit dem Trub des zuletzt geklärten Ciders.
Seine Erklärung. Für Worlidge ist der Trub die Hauptursache, dass Obstgetränke verderben: Seine verdorbene, saure Natur reize die lebendigeren Teile zu fortwährender Gärung. Als Beweis nennt er Flaschen mit Trub, die bei Südwind zerspringen. Das ist seine Theorie. Heute würde man sagen: Bleiben Hefe und noch unvergorener Zucker in der verschlossenen Flasche, gärt das Getränk nach, und die Kohlensäure baut Druck auf. Die Beobachtung trägt, die Begründung mit der sauren Natur des Trubs ist Worlidges eigene.
Praxis. Heute (modern) zieht man mit einem Weinheber oder einem lebensmittelechten Schlauch aus dem Weinbedarf ab und hält die Mündung über dem Bodensatz; zum Füllen nimmt man besser einen Heber mit Pumpe als den Mund. Wer Cider auf Flaschen zieht, in dem noch Trub oder Zucker steckt, muss mit Nachgärung rechnen: Gewöhnliche Flaschen können platzen. Dann druckfeste Flaschen verwenden und kühl lagern.
Warum rät Worlidge zum Glasheber?
Durch das Glas sieht man, wann Trubteilchen im Rohr aufsteigen, und kann sie meiden, indem man den Heber hebt oder senkt. Bei einem Heber aus Blech sieht man das nicht.
Warum zerspringen nach Worlidge die Flaschen?
Weil Trub in ihnen geblieben ist: Er reizt nach Worlidge die lebendigeren Teile zu fortwährender Gärung, und bei Südwind springen die Flaschen. Heute würde man sagen: Das Getränk gärt in der verschlossenen Flasche nach, und die Kohlensäure baut Druck auf. Gewöhnliche Flaschen können dabei platzen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Worlidge: Britischer Weingarten (Getränke) (1676, England). Aus John Worlidges Buch über Cider und Obstweine die Getränke und die Kellerarbeit: wie man Cider mahlt, presst, vergärt, mit Hausenblase klärt, auf Fässer und Flaschen zieht, lagert, verdorbenen Cider kuriert und Fässer ausschwefelt; dazu Wasser-Cider, Ciderkin, gekochter und gewürzter Cider, Perry, Wein aus englischen Trauben und Claret, Kirsch-, Pflaumen-, Johannisbeer-, Stachelbeer-, Himbeer- und Aprikosenwein, Himbeer-Met der Schweden und Russen, Worlidges eigenes Metheglin und Birkenwein, auch mit Honig.
- Siphon
Heber, gebogenes Rohr zum Abziehen über den Gefäßrand (Ludwig 1706: „Siphon, ein heber“). Der Druck zeigt neben dem Text eine kleine Abbildung.
- Ciderkin, or Water-Cider
Nachguss aus dem ausgepressten Trester mit Wasser, im Haushalt Ersatz für Dünnbier (wor-002). Worlidge nennt ihn auch Purre.
- Southerly Air
Südwind. Für Worlidge feuchtwarme Luft, bei der Trub und Hefe aufsteigen und die Nachgärung einsetzt; vgl. wor-027.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Latten
Gewählte Lesart: Weißblech, verzinntes Eisenblech: Ludwig 1706 „Latten, láttin, blech, du fer blanc“, Halliwell 1846 „Plate-tin“. Worlidge empfiehlt Latten in wor-003 selbst wegen des Zinns („the Tin yielding no bad Tincture“) und meidet Messing für Obstmost.
Andere mögliche Lesart:
- Messing oder messingartige Legierung - Die ältere Bedeutung: Digby-Glossar 1910 „a utensil made of thin brass, or mixed metal“, Stratmann „a mixed metal similar to brass“; Halliwell warnt, das alte Wort sei nicht Weißblech gewesen. Trägt hier schlechter, weil Worlidge im selben Buch Latten mit Zinn verbindet.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
