Most aus dem zweiten Wabenanteil, in zwei Güssen
The Feminine Monarchie: or the Historie of Bees (2. Ausgabe London: John Haviland für Roger Jackson 1623; zuerst Oxford 1609), Kap. 10 „Of the fruit and profit of Bees“ · England (Hampshire; Druck London) · 1623
Den zweiten Teil der Waben, der für Hydromel oder Met bestimmt ist, musst du zuerst so gut wie möglich vom Bienenbrot befreien: Schneide ab, was für sich allein sitzt, und lies heraus, was zwischen dem Honig steckt. All diesen Abfall wirf wegen des Wachses, das daran ist, zum dritten Teil.
Wenn dann der Honig ganz abgeseiht und abgefüllt ist, lege diesen zweiten Teil in milchwarmem, klarem Wasser ein (das, welches vom Himmel kommt, gilt als das beste), und zwar im Bottich oder in der Kufe mit Zapfen und Strohbündel. Wasche aber zuerst die trockenen Waben darin, falls beim Hantieren Honig an ihnen hängen geblieben ist. Dann schabe und wasche die Speilen und lege sie beiseite, aus dem Weg. Zuletzt zerdrücke die ganze Wabenmasse gut zwischen den Händen, besonders die, die zuunterst liegt, und rühre sie dabei um, damit sie ganz ausgewaschen wird. Und so lass sie die ganze Nacht ziehen.
Am Morgen lass diesen ersten Guss des Mosts, auf seine rechte Stärke gebracht (siehe Abs. 19 und 24), durch das Strohbündel ablaufen. Die Wabenmasse, die übrig bleibt, wenn du die Flüssigkeit ausgedrückt hast, brich auf und wasche sie im Bottich in frischem, warmem Wasser für einen zweiten Guss.
Wenn sie eine Weile eingeweicht gelegen hat, nimm zuerst die Stücke, die oben schwimmen, drücke die Flüssigkeit zwischen den Händen aus und lege die Klumpen für den dritten Teil beiseite (lass aber deine Bienen sie noch durchsuchen). Dann nimm die heraus, die am Boden liegen, und mach es ebenso. Weil sie am meisten Honig haben, musst du dir beim Waschen und Zerdrücken mit ihnen die meiste Mühe geben.
Während das geschieht, lass diese schwache Flüssigkeit für sich in ein Gefäß laufen. Wenn sie abgelaufen ist, wasche alle Honigreste hinein (siehe Abs. 8) und gib, wenn nötig, etwas groben Honig dazu, damit sie ihre rechte Stärke bekommt (siehe Abs. 19 und 24). Dann lass beide Güsse zusammen durch ein Klärsieb wieder in den Bottich laufen. So verlierst du nichts von deinem Honig.
Anmerkung zum Auslesen: Wenn es dir eine mühsame Arbeit scheint, Honig und Abfall so zu trennen, kannst du sie denen überlassen, die darin geübt sind (siehe Kap. 8, Abs. 13). Und mach deinen Met aus mehr reinem Honig.
Anmerkung zum Auspressen: Ist viel Wabenmasse da, nimm eine Presse, wenn die Flüssigkeit so weit abgelaufen ist, wie sie von selbst läuft.
Anmerkung zum Klärsieb: Das Klärsieb verhält sich beim Met zum Strohbündel wie beim Honig der Seihbeutel zum Getreidesieb (siehe Abs. 7).
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ſecond part of the Combes | Waben, zweiter Teil | - | Imker | - |
| milk-warme faire water | Milchwarmes, klares Wasser | - | - | Sauberes Trinkwasser |
| ſome courſe Honie | Grober Honig, bei Bedarf | - | - | - |
Was ist das? Butler gewinnt hier den Most für seinen Met nicht aus Honig und Wasser, sondern aus dem Teil der Waben, in dem Honig, Wachs und Bienenbrot gemischt sitzen. Er weicht ihn über Nacht in milchwarmem Wasser ein, zerdrückt ihn, zieht den ersten Guss ab, wäscht den Rest ein zweites Mal aus und führt beide Güsse durch das Klärsieb im Bottich zusammen. Heraus kommt ungegorenes Honigwasser. Gekocht, abgeschäumt und vergoren wird es erst in den folgenden Absätzen, als Mede (but-002) oder als stärkerer Methæglen (but-004).
Bienenbrot heraus, Wachs zum dritten Teil. Vor dem Einweichen kommt das Bienenbrot weg: Was für sich sitzt, wird abgeschnitten, was zwischen dem Honig steckt, herausgelesen. Weil daran Wachs hängt, wandert dieser Abfall wie später die ausgedrückten Klumpen zum dritten Teil, aus dem Butler das Wachs auslässt (but-006). Die Klumpen dürfen vorher noch die Bienen absuchen. Die Speilen, die Holzstäbe aus dem Korb, an denen die Waben hingen, werden nur abgeschabt und gewaschen, damit ihr Honig in den Most geht, und dann weggelegt.
Zwei Filter am Bottich. Der Bottich hat einen Zapfen, und vor dem Zapfloch liegt ein Strohbündel. Durch das Stroh läuft der erste Guss ab, die Wabenmasse bleibt im Bottich. Beim Zusammenführen beider Güsse nimmt Butler das Klärsieb. Seine Anmerkung setzt beides ins Verhältnis: Das Klärsieb steht zum Strohbündel wie beim Honig der Seihbeutel zum weiten Getreidesieb. Nach diesem Vergleich ist das Klärsieb der feinere der beiden Filter.
Die rechte Stärke. Gemessen wird in diesem Absatz nicht. Butlers Randverweise führen zur Eierprobe: Für Mede muss der Most ein Ei so tragen, dass ein Stück von der Breite eines Two-pence herausragt (Abs. 19, but-002), für Methæglen von der Breite eines Groat oder Sixpence (Abs. 24, but-004). Ist der schwache zweite Guss zu dünn, bessert Butler ihn mit grobem Honig auf. Ein Verhältnis von Honig zu Wasser nennt er hier nicht, deshalb lässt sich die Stärke nicht berechnen.
Verweise auf andere Stellen des Buchs. Der Verweis bei den Honigresten (Abs. 8) gehört zu Butlers Abschnitt über das Honiggewinnen: Was dort in Beuteln, Sieben und anderswo an Honig zurückbleibt, soll in den zweiten Guss gewaschen werden. Die Kundigen, denen man das Auslesen überlassen kann (Kap. 8, Abs. 13), und der Vergleich von Seihbeutel und Sieb (Abs. 7) stehen in Teilen des Buchs, die nicht in diese Auswahl aufgenommen sind.
Praxis. Wer selbst imkert, kann so Wabenreste nutzen, an denen nach der Honigernte noch Honig hängt: einweichen, zerdrücken, durch ein Strohbündel oder ein grobes Sieb abziehen, dann feiner seihen. Heute nimmt man dafür sauberes Trinkwasser; aufgefangenes Regenwasser, das Butler für das beste hält, ist aus heutiger Sicht nicht ohne Weiteres trinkfertig. Die Stärke prüfte Butler mit dem Ei; eine Senkspindel (Aräometer) ist ein modernes Hilfsmittel. Roh bleibt der Most bei Butler nicht: Er kocht und schäumt ihn im nächsten Schritt ab, bevor er gärt (but-002).
Was ist mit Sandarach gemeint, ist das nicht ein rotes Pigment?
Nicht hier. Butler teilt die Waben in drei Teile, und der zweite ist 'Honie and Wax with Sandarach': Gemeint ist das Bienenbrot, der Pollenvorrat in den Zellen. Es wird abgeschnitten oder herausgelesen und kommt wegen des Wachses zum dritten Teil. Die rote Farbe oder das Harz gleichen Namens haben damit nichts zu tun.
Woran erkennt man, dass der Most stark genug ist?
Butler verweist dafür auf seine Eierprobe: Für Mede soll der Most ein Ei so tragen, dass ein Stück von der Breite eines Two-pence darüber hinausragt (Abs. 19), für Methæglen von der Breite eines Groat oder Sixpence (Abs. 24). Ist der zweite Guss zu schwach, gibt er groben Honig dazu.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Hier entsteht nur der ungegorene Most, und dafür braucht es frisch ausgenommene Waben. Butler kocht ihn danach und lässt ihn einige Tage im Bottich und dann im Fass gären. Gärung und Lagerung über Tage bis Monate lassen sich im Lager nicht verlässlich führen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Butler: Die weibliche Monarchie (Met, Honig, Wachs) (1623, England (Hampshire). Aus dem Bienenbuch von Charles Butler das zehnte Kapitel über Nutzen und Ertrag: Most für den Met aus den Waben, einfacher Mede, Methæglen mit Kräutern und Gewürzen, der Methæglen der Königin Elisabeth, gebrannter Methæglen und Essig aus Met, dazu geläuterter Honig, Honig-Quintessenz, Marmelade, Marchpane, Eingemachtes, Rosenkonserve, Rosen- und Veilchensirup und Wachs, gelb, weiß, rot und grün.
- Hydromel
Butlers Oberbegriff für das Getränk aus Honig und Wasser. Im nächsten Absatz teilt er es in den schwächeren Mede und den stärkeren Methæglen.
- Sandarach
Bei Butler das Bienenbrot, der Pollenvorrat in den Zellen: Den zweiten Teil der Waben nennt er 'Honie and Wax with Sandarach'. Wörterbücher der Zeit führen das Wort sonst als Harz oder rote Farbe; Adelung kennt die Bedeutung Bienenbrot aus der deutschen Imkerei.
- Tap-waze
Ein Strohbündel vor dem Zapfloch des Bottichs, durch das der Most abläuft und das die Wabenstücke zurückhält. Mundartlich heißt 'wase' ein Strohbündel (Halliwell).
- Ridder
Ein weites Sieb, wie man es zum Weizensieben braucht (Halliwell: 'a large sieve used for sifting wheat'). Butler zählt 'wide Sieues, or Wheat-ridders' zu seinem Gerät und lässt darauf beim Honiggewinnen die Waben abtropfen.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Spleets
Gewählte Lesart: Speilen: gespaltene Hasel- oder Weidenstäbe, die Butler im Kapitel über die Bienenkörbe beschreibt; drei oder vier werden in den Korb gesetzt und tragen die Waben, beim Ausnehmen löst man ihre Enden mit den Fingern. Halliwell belegt 'spleet' als 'spalten', Grimm 'einen bienenstock speilen' für das Durchstecken dünner Stäbe. Hier werden sie abgeschabt und gewaschen, weil Honig daran hängt, und dann beiseitegelegt.
Andere mögliche Lesart:
- Wabenstücke oder Wachssplitter - Die würden wie die übrige Wabenmasse zerdrückt und zum dritten Teil gegeben, nicht geschabt und 'aus dem Weg' gelegt; Butler nennt die Stäbe im Korb selbst 'Spleets'.
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Stand dieser Fassung: 05.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
