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Essig aus sauer gewordenem Met

The Feminine Monarchie: or the Historie of Bees (2. Ausgabe London: John Haviland für Roger Jackson 1623; zuerst Oxford 1609), Kap. 10 „Of the fruit and profit of Bees“ · England (Hampshire; Druck London) · 1623

RezeptKellerhandwerkLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchButler: Die weibliche Monarchie (Met, Honig, Wachs) (~1623)

Ist der Met ins Fass gefüllt, wird er mit der Zeit von einer Kahmhaut bedeckt. Wird sie aufgebrochen, durch Rütteln am Gefäß oder auf andere Weise, so wird der Met sauer.

Doch so gibt er ausgezeichneten Essig, und das umso schneller, wenn du ihn in die Sonne stellst. Je länger du ihn aufbewahrst, desto besser wird er.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Meth Meth - - -

Was ist das? Butler hängt diesen Satz an seine Anleitung zum Mede an. Dort gärt der Met einige Tage im Bottich, kommt dann ins Fass und gärt darin weiter. Hier beschreibt Butler, was danach mit dem Met auf dem Fass geschehen kann. Er nennt keine Zugabe, keine Menge und keine Dauer: Der Essig entsteht aus dem Met selbst.

Die Haut. Die „mother“ liegt oben: Butler sagt, sie bedeckt den Met und bricht, wenn man am Fass rüttelt. Ob sie aus Kahmhefen bestand oder schon eine Essighaut war, sagt der Text nicht. Eine Begründung gibt Butler auch nicht, er stellt nur fest, dass der Met sauer wird, wenn die Haut bricht.

Sonne und Lagerung. Die Sonne macht den Essig schneller, das Lagern macht ihn besser. Beides sagt Butler selbst, ohne Zeitangabe. Heutige Sicht, nicht Butlers: Essig entsteht, wenn Essigsäurebakterien den Alkohol unter Luftzutritt umsetzen, und Wärme beschleunigt das. Dazu passt die Sonne.

Praxis. Ein Verfahren mit Schritten ist das nicht, sondern eine Kellerregel: Met, der auf dem Fass sauer geworden ist, führt man als Essig weiter und stellt ihn in die Sonne. Ein Zeichen, woran man den fertigen Essig erkennt, nennt Butler nicht.

Aus der Praxis (Ralf, 2026-11-06). Bei einem frühen eigenen Metansatz ist genau das passiert: Der Met wurde essigstichig. Weggeschüttet wurde er nicht, sondern aufgehoben und als Essig weitergeführt, wie Butler es rät. Dieser Met-Essig ist inzwischen zehn Jahre alt.

Warum wird der Met sauer, wenn die Haut bricht?

Butler begründet es nicht. Er stellt nur fest: Bricht die Haut, durch Rütteln am Fass oder anders, wird der Met sauer. Heute erklärt man Essig mit Essigsäurebakterien, die Alkohol unter Luftzutritt zu Essigsäure umsetzen. Wärme beschleunigt das, dazu passt Butlers Sonne.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Es ist kein Gericht, sondern Essigbildung im Fass. Butler nennt keine Dauer, und Essig über unbestimmte Zeit lässt sich im Lager nicht verlässlich führen.

Was bedeutet „tunned“?

Ins Fass gefüllt. In Butlers Anleitung zum Mede steht der Met zuerst einige Tage zugedeckt im Bottich, bis er gärt, und kommt dann ins Fass, wo er weitergärt. Ist es wenig Met, kann er schon am nächsten Tag ins Fass.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Butler: Die weibliche Monarchie (Met, Honig, Wachs) (1623, England (Hampshire). Aus dem Bienenbuch von Charles Butler das zehnte Kapitel über Nutzen und Ertrag: Most für den Met aus den Waben, einfacher Mede, Methæglen mit Kräutern und Gewürzen, der Methæglen der Königin Elisabeth, gebrannter Methæglen und Essig aus Met, dazu geläuterter Honig, Honig-Quintessenz, Marmelade, Marchpane, Eingemachtes, Rosenkonserve, Rosen- und Veilchensirup und Wachs, gelb, weiß, rot und grün.

Being tunned, it will in time be couered with a mother: which if, by iogging the veſſell, or by other meanes, it be broken; the Meth will turne ſoure. But ſo will it make excellent Vineger, and the ſooner, if it be ſet in the Sun: which the longer you keepe, the better it will be.
tunned

Ins Fass gefüllt. Ludwig 1706: „To tún, etwas in ein faß thun, gießen“. In Butlers Anleitung zum Mede gärt der Met erst einige Tage im Bottich und kommt dann ins Fass, wo er weitergärt.

mother

Die Haut, die den Met oben bedeckt (Kahmhaut). Cotgrave 1611 erklärt „Fleur du vin“ mit „the mother of wine; the white, or mouldie spots that float on the top of old wine“. Ludwig 1706 kennt „mother“ auch als „die hefen von bier, öl“; das passt hier nicht, weil die Haut den Met bedeckt und beim Rütteln bricht.

Druck
The Feminine Monarchie: or the Historie of Bees (2. Ausgabe London: John Haviland für Roger Jackson 1623; zuerst Oxford 1609), Kap. 10 „Of the fruit and profit of Bees“
Sprache
Englisch um 1620 (London 1623); Charles Butler, Pfarrer und Imker
Entstehung
England (Hampshire; Druck London), 1623

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwhich the longer you keepe, the better it will be

Gewählte Lesart: Bezieht sich auf den Essig: Je länger er lagert, desto besser wird er. Der Relativsatz folgt unmittelbar auf Essig und Sonne.

Andere mögliche Lesart:

  • Bezieht sich auf den Met - Grammatisch möglich, aber Butler sagt im nächsten Absatz, der gewöhnliche Mede halte sich kaum ein halbes Jahr („will scarce last halfe a yeere“); besser durch Lagern wird bei ihm erst der Methæglen.

Originalwerk (~1623) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 177, Royal Academy of Music, London, via archive.org (RAM2023-1081), CC BY-NC-ND 4.0 Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach dem Digitalisat der Royal Academy of Music, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/but-003
LagerkücheLagerküche
Essig aus Met: Essigbildung im Fass, für die Butler keine Dauer nennt. Im Lager nicht verlässlich zu führen.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.