Königin Elisabeths feiner Kuchen
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610
Teig: Nimm etwa 2 l (ein Viertel Peck) oder etwas mehr vom feinsten Mehl, das du bekommen kannst, etwa 0,5 l (ein Pint) dicken Rahm, 10 gut geschlagene Eigelb ohne das Eiweiß und etwa 340 g (drei Viertel Pfund) frische Butter, sanft geschmolzen und über das Mehl gegossen. Dazu ein kleines Schüsselchen voll durchgeseihte Bierhefe vom Ale und etwa 60 ml (ein Achtel Pint) Rosenwasser, in dem etwas Moschus oder Ambra aufgelöst ist. Würze mit Salz, mit Nelken für einen Penny, ebenso viel Muskatblüte und mehr Muskatnuss, alles zusammen fein gestoßen.
Früchte: Dazu etwa 900 g (zwei Pfund) der besten Korinthen, gut verlesen und in warmem Wasser gewaschen, etwa 450 g (ein Pfund) entsteinte Rosinen, sehr klein gehackt, mit ein wenig Rosenwasser, und etwa 225 g (ein halbes Pfund) feinen Zucker. Zuerst vermengen, dann alles sehr gut miteinander verkneten und eine volle Stunde im Teig liegen lassen.
Backen: Wenn der Ofen bereit ist, forme deinen Kuchen. Lass den Ofen nicht zu heiß sein und verschließ seine Öffnung nicht dicht. Wende den Kuchen ab und zu, damit er gleichmäßig bäckt, und lass ihn keine volle Stunde im Ofen stehen.
Glasur: Für den Zeitpunkt, an dem du den Kuchen herausnimmst, musst du etwas Rosenwasser und fein gestoßenen Zucker bereithalten, beides zusammen in einem Napf verschlagen. Tauche ein Federbüschel oder einen kleinen Pinsel hinein und bestreiche die Oberseite des Kuchens überall sehr gut. Dann stell den Kuchen wieder in den Ofen, damit die Glasur antrocknet. Wenn du ihn herausnimmst, ist er gleichsam mit Eis überzogen.
Anmerkung: Dieser heißt Königin Elisabeths feiner Kuchen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a quarter of a Peck, or some-what more, of the finest flower you can gett | etwa 2 l feinstes Mehl (ein Viertel Peck) oder etwas mehr | 2 l | - | - |
| a pint of Thicke Creame | etwa 0,5 l dicker Rahm (ein Pint) | 500 ml | - | - |
| 10 yelkes | 10 Eigelb ohne das Eiweiß, gut geschlagen | 10 Stück | - | - |
| 3 quarters of a pound of fresh butter gently melted | etwa 340 g frische Butter (drei Viertel Pfund), sanft geschmolzen | 340 g | - | - |
| a little dish full of Aile yeast strained | ein kleines Schüsselchen voll Bierhefe, durchgeseiht | - | - | frische Backhefe (heutiger Ersatz) |
| halfe a quarter of a pint of Rosewater | etwa 60 ml Rosenwasser (ein Achtel Pint) | 60 ml | Supermarkt, Reformhaus oder orientalischer Supermarkt | - |
| some musk or Amber-greece dissolved in it | etwas Moschus oder Ambra, im Rosenwasser aufgelöst | - | - | weglassen |
| season it with salt | Salz | - | - | - |
| a penny-worth of Cloves | Nelken für einen Penny, fein gestoßen | - | - | - |
| as much mace | ebenso viel Muskatblüte | - | - | - |
| and more of Nutmegge | mehr Muskatnuss | - | - | - |
| 2 pound of the best Currence, well pickt, and washed in warme water | etwa 900 g Korinthen (zwei Pfund), gut verlesen und in warmem Wasser gewaschen | 900 g | - | - |
| a pound of raisons stoned, and shred very small, with a little rose-water | etwa 450 g Rosinen (ein Pfund), entsteint und sehr klein gehackt, mit ein wenig Rosenwasser | 450 g | - | - |
| halfe a pound of fine sugar | etwa 225 g feiner Zucker (ein halbes Pfund) | 225 g | - | - |
| some Rosewater, and sugar beaten small | Rosenwasser und fein gestoßener Zucker für die Glasur | - | - | Puderzucker mit Rosenwasser verrührt |
Was ist das? Ein großer Hefekuchen, reich an Rahm, Butter und Eigelb, mit Korinthen und Rosinen, gewürzt mit Nelken, Muskatblüte und Muskat und mit Moschus oder Ambra im Rosenwasser parfümiert. Am Ende trägt er eine Zuckerglasur, die im Ofen antrocknet.
Teigführung. Die Butter wird geschmolzen über das Mehl gegossen, die Ale-Hefe vorher durchgeseiht. Nach dem Kneten liegt der Teig eine volle Stunde, damit er geht; erst wenn der Ofen bereit ist, wird der Kuchen geformt. Ob der Zucker zuerst nur mit den Früchten oder alles zuerst grob vermengt wird, lässt der Text offen.
Gewürz nach Preis. Nelken sind nach dem Preis bemessen (für einen Penny), Muskatblüte ebenso viel, Muskat mehr. Ein Gewicht nennt der Text nicht.
Hitze und Glasur. Der Text verlangt mäßige Hitze, einen nicht dicht verschlossenen Ofen, gelegentliches Wenden und weniger als eine Stunde Backzeit. Kurz vor dem Herausnehmen wird die Oberseite mit Rosenwasser und Zucker bestrichen und im Ofen getrocknet, bis sie wie mit Eis überzogen aussieht.
Praxis. Heute (modern): frische Backhefe statt Ale-Hefe, Menge nach Teiggefühl; Moschus und Ambra bleiben weg, das Rosenwasser bleibt. Die Mehlmenge ist ein Raummaß, der Teig soll knetbar sein, und der Text erlaubt ausdrücklich etwas mehr Mehl.
Wie viel Mehl ist „ein Viertel Peck“?
Ein Peck ist ein Raummaß für Trockenwaren von etwa 9 l, ein Viertel davon also gut 2 l. Ein Gewicht nennt der Text nicht. Er sagt ausdrücklich „oder etwas mehr“, der Teig soll sich gut kneten lassen.
Wie heiß soll der Ofen sein?
Der Text nennt keine Temperatur. Er sagt nur: nicht zu heiß, die Ofenöffnung nicht dicht verschließen, den Kuchen ab und zu wenden und ihn keine volle Stunde im Ofen lassen.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Eingeschränkt. Die Zutaten sind lagertauglich, aber der Kuchen braucht einen Backofen mit mäßiger Hitze, in dem er gewendet und am Ende noch einmal zum Antrocknen der Glasur hineingestellt wird. Im Lager geht das nur in einem Glutofen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.
- musk or Amber-greece
Moschus, ein Drüsensekret des Moschushirschs, und graue Ambra aus dem Pottwal waren kostbare Duftstoffe. Hier werden sie im Rosenwasser aufgelöst und geben dem Kuchen ihren Duft.
- a penny-worth of Cloves
Die Menge ist nach dem Preis angegeben: Nelken für einen Penny. Ein Gewicht nennt der Text nicht.
- pottenger
Ein Napf oder Schüsselchen mit Griffen, englisch porringer; Halliwell erklärt das Wort mit Baret 1580 als „a little dish with eares“.
- Queene Elizabeth's fine Cake
Schlussvermerk der Handschrift. Welche Königin Elisabeth gemeint ist, sagt er nicht; naheliegend ist Elisabeth I., belegt ist es nicht. Der Vermerk benennt den Kuchen, er belegt keine Herkunft.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| 10 yelkes | yolk Q16336079 |
| 3 quarters of a pound of fresh butter gently melted | butter Q34172 |
| halfe a quarter of a pint of Rosewater | rose water Q900450 |
| season it with salt | table salt Q11254 |
| a penny-worth of Cloves | clove Q15622897 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
halfe a pound of fine sugar, first mingled, then knead all these things
Gewählte Lesart: Alles wird zuerst vermengt und dann gründlich verknetet; so steht es ohne Festlegung in der Übersetzung.
Andere mögliche Lesart:
- Der Zucker wird zuerst nur mit den Früchten (Korinthen und Rosinen) vermengt. - „first mingled“ folgt direkt auf den Zucker; der Satzbau erlaubt diesen engeren Bezug, entscheidet ihn aber nicht.
shutt not the nouth of it close
Gewählte Lesart: Die Handschrift hat deutlich „mouth“: die Öffnung (der Mund) des Ofens wird nicht dicht verschlossen.
Andere mögliche Lesart:
- „nouth“ als eigenes Wort - Am Seitenbild steht ein klares m; „nouth“ ergibt keinen Sinn.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
